Wohnraum
In Aarau regen sich erste Lebenszeichen einer städtischen Wohnraumstrategie

Politik und Verwaltung diskutierten die Förderung der sozialen Durchmischung in den Quartieren. Die Planung und Analyse ist weitgehend abgeschlossen – der Stadtrat ist nun daran, das gesprochene Geld auszugeben.

Ueli Wild
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Der Stadtrat kaufte die Siedlung «Auf Walthersburg». Ist das ein Vorgeschmack auf kommende Akquisitionen?

Der Stadtrat kaufte die Siedlung «Auf Walthersburg». Ist das ein Vorgeschmack auf kommende Akquisitionen?

Sandra Ardizzone

Zum ersten Mal hat in Aarau ein Treffen unter dem Titel «Echoraum Wohnraumstrategie» stattgefunden. Exponenten aus Politik und Verwaltung tauschten sich, wie die Kommunikationsstelle der Stadt mitteilt, darüber aus, «wie die soziale Durchmischung in unterschiedlichen Quartieren und Entwicklungs- und Transformationsprozessen gefördert werden kann.»

Das Ganze ist Teil der Erarbeitung einer städtischen Wohnraumstrategie, deren Ziel es laut Medienmitteilung ist, «bezahlbaren und bedürfnisgerechten Wohnraum sicherzustellen sowie die nachhaltige Entwicklung des Wohnangebots voranzutreiben».

Ein «Plan B» der Verlierer der Volksabstimmung

Im Wesentlichen orientiert sich die Stadt damit an der vom Aarauer Volk Ende November 2017 deutlich bachab geschickten SP-Initiative «Raum für alle – Ja zu bezahlbarem Wohn- und Gewerberaum». Insbesondere erfüllt die Stadt die Forderung, welche die damalige Präsidentin der SP-Stadtpartei, Gabriela Suter, im Jahresbericht 2017 erhob: «Die SP erwartet vom Stadtrat, dass er eine aktive Wohnraumpolitik betreibt und nun eine Wohnraumstrategie ausarbeitet, wie er das in seinem direkten Gegenvorschlag zur Initiative vorgeschlagen hat.»

Im Einwohnerrat war nicht nur die Initiative selber, sondern auch der Gegenvorschlag des Stadtrats gescheitert – Letzterer, weil die Befürworter der Initiative darauf spekulierten, dass das Volk der so allein zur Abstimmung gelangenden Initiative zustimmen werde.

Nachdem sich das Prinzip Hoffnung als Fehlspekulation erwiesen hatte, sattelten die Verlierer der Volksabstimmung auf den Gegenvorschlag um. Als Auslöser diente ein Postulat der Pro-Aarau-Einwohnerratsmitglieder mit dem Titel «Für eine städtische Wohnraumstrategie», das vom Stadtrat unterstützt und vom Einwohnerrat Ende März 2018 mit 27 Ja gegen 19 Nein überwiesen wurde.

80'000 Franken für die Erarbeitung der Strategie

Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker räumte vor dem Einwohnerrat ein, dass der für die Erarbeitung der Strategie zu beschliessende Kredit von 80'000 Franken «komfortabel ausgestattet» sei, dass es aber nicht darum gehe, den ganzen Betrag auszuschöpfen. Ein Antrag der FDP-Fraktion, den Kredit auf 40'000 Franken zu reduzieren, wurde mit 25:22 Stimmen knapp abgelehnt.

Mehr städtische Wohnungen in Aarau?

Der aktuellen Medienmitteilung kann entnommen werden, dass der Stadtrat nun daran ist, das gesprochene Geld auszugeben. «In der nächsten Phase», heisst es in der Medienmitteilung, «werden Handlungsfelder sowie Handlungsmöglichkeiten definiert und diskutiert.» Dabei geht es offenbar nicht zuletzt um die «Erneuerung und Erweiterung des Wohnungsbestands» (der Einwohnergemeinde) sowie die «Bewirtschaftung und Förderung der Wohnmobilität». Ist also der Kauf der Siedlung «Auf Walthersburg» ein Vorgeschmack auf weitere Akquisitionen dieser Art?

Setzt man die aktuelle Medienmitteilung in Relation zum in der Botschaft vom 26. Februar 2018 präsentierten «Fahrplan», ergibt sich, dass die Phase «Situationsanalyse» mit detaillierter Analyse des Wohnungsmarkts auf Ebene Quartier und Analyse der heutigen Wohnraumpolitik weitgehend abgeschlossen sein dürfte.

Auf der Basis der Analyse, so Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker vor anderthalb Jahren im Parlament, werde der Stadtrat entscheiden, welche Zieldefinitionen verfolgt werden müssen. «Wir werden aufgrund dieser Situationsanalyse und der Zieldefinitionen bestimmen, welche Handlungsfelder und Massnahmen in welcher Art und Weise weiterentwickelt werden.»

Strategie soll im nächsten Frühjahr vorliegen

Bis zum zweiten Quartal 2020 soll die Wohnraumstrategie gemäss der Medienmitteilung fertiggestellt sein. Sie kann laut der seinerzeitigen Botschaft aufzeigen, für welche Nachfragesegmente Massnahmen ergriffen werden sollen (preisgünstige Wohnungen, Familienwohnungen, Alterswohnungen, Wohnungen mit gehobenem Ausbaustandard etc.) und welche Auswirkungen solche Massnahmen beispielsweise auf den Infrastrukturbedarf und den Steuerertrag haben.