Abfall
In Aarau laufen die Abfallkübel über

In Aarau sparen sich nicht wenige Stadtbewohner die Kehrichtgebühren. Sie deponieren den voll gefüllten Abfallsack einfach neben einem Abfallkpbel in den Quartieren, am Wald oder sogar in der Innenstadt,

Hubert Keller
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Nicht nur Zürcher Abfallkübel quellen derzeit über.

Nicht nur Zürcher Abfallkübel quellen derzeit über.

Keystone

Auf dem Parkplatz im Wald zwischen Rohr und Rupperswil hält ein Auto. Der Fahrer steigt aus, öffnet den Kofferraum, hebt einen prall gefüllten Kehrichtsack heraus und stellt ihn neben den bereits mehr als vollen Abfallkübel. Die Beobachtung ist nicht aussergewöhnlich. Und der Mann, der mit aller Selbstverständlichkeit sich gebührenfrei seines Hauskehrichts entledigt, ist nicht der Einzige. «Das ist gang und gäbe», sagt der städtische Werkmeister, Marcel Acklin. Es sind nicht nur die Jugendlichen, welche die Mitarbeiter des Werkhofs hinter sich aufräumen lassen, es gibt auch Littering-Sünder älteren Semesters. Die Erwachsenen machen es nur eleganter: Sie überlassen gleich ganze Kehrichtsäcke der städtischen Putzequipe.

Marcel Acklin weiss, dass Stadtbewohner auf dem Weg zum Einkauf ihren täglichen Abfall in den Abfallkübeln abladen. Und wenn sie den Einkauf getätigt haben, werden sie so auch noch das überflüssig gewordene Verpackungsmaterial los. «Es werden immer noch mehr Abfallkübel gefordert, doch stellten wir mehr auf, sie wären im Nu voll.»

Begehrt: Per Auto erreichbare Sammelstellen

Und trotzdem, der Leiter des Werkhofs will sich nicht beklagen: «Der grosse Teil der Einwohner entsorgt den Güsel korrekt und vorbildlich.» Das Umweltbewusstsein sei nicht schlechter geworden, betont er, im Gegenteil. «Klagen gibt es vor allem, wenn neben den Multisammelstellen Abfall in Plastik- oder Papiertaschen lagert.» Die Sammelstelle beim Restaurant Schützen und jene im Telli-Center sind offenbar besonders begehrt, da sie gut mit dem Auto erreichbar sind. Nicht anders verhält es sich im Rupperswiler Wald. «Wir machen hin und wieder Stichkontrollen, durchsuchen die wild deponierten Gebinde nach Hinweisen, welche die Umweltsünder verraten könnten, doch die sind vorsichtig.»

In Aarau Rohr sind rund 400 Abfallhaie und Kübel aufgestellt. Am Bahnhof werden die Kübel dreimal täglich geleert, in der Innenstadt zwei- bis dreimal, in den Quartieren dreimal wöchentlich. Am Samstag macht die Werkhofequipe in der Innenstadt und in den Parkanlagen zweimal die Runde, am Sonntag einmal. «Die Strassenreiniger hätten genug Arbeit – auch ohne den Unrat, der achtlos weggeworfen wird», sagt deren Chef.

Abfall für 36 000 35-Liter Abfallsäcke

Die Zahlen, die Acklin liefert, sind eindrücklich: Im Jahr 2012 fielen fast 4000 Tonnen Hauskehricht an, der Abfall aus den Abfalleimern wog 254 Tonnen. Im Schnitt sind es pro Tag 800 bis 1000 Kilo Abfall, der sich in den Abfallkörben ansammelt. Damit könnte man gut 36 000 35-Liter-Säcke füllen. Hochgerechnet macht das fast 77 000 Franken, welche die Abfallsünder an Gebühren sparen beziehungsweise der Stadt aufhalsen. «Die Gebühren für das Wischgut», sagt Acklin, «sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten.»

Einwohner, die ordentlich Gebühren zahlen, finanzieren die Umweltaktionen an den Schulen mit. Jedem Kind soll in der Unter-, Mittel- und Oberstufe je einmal Umweltwissen vermittelt werden. Sollte nicht auch das Umweltgewissen der Erwachsenen geschärft werden, damit sie ihr Verhalten überdenken? Carmen Hitz von der Umweltfachstelle beantwortet die Frage mit einem Lachen. Selbstverständlich ja. Aber: «Wir können viel, aber leider nicht alles machen.»

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