«Art Cash»
In Aarau landet Street Art auf dem Auktionstisch

Beim «Art Cash» im Aarauer Kulturlokal «Bleifrei» wurde Street Art produziert und direkt versteigert. Zehn Künstler aus dem In- und Ausland malten, zeichneten und sprayten.

Evelyne Baumberger
Merken
Drucken
Teilen
Live Painting beim «Art Cash» im Aarauer Kulturlokal Bleifrei
10 Bilder
Die Veranstaltung stiess auf grosses Interesse.
«Art Cash» im Aarauer Kulturlokal Bleifrei

Live Painting beim «Art Cash» im Aarauer Kulturlokal Bleifrei

Markus Fischer Amateur Magazine

Es ist ein heisses Duell: Im 5-Franken-Abstand treiben die Bieter den Preis des Gemäldes von Fafa, einem spanischen Street-Art-Künstler, hoch. Zu sehen sind darauf ein Paar Turnschuhe und eine Spraydose, «painted in 19th century style», wie der Auktionator in britischem Englisch kommentiert. Die Stimmung ist angespannt, das Publikum hat Spass, und ein junger Mann in grauem T-Shirt gewinnt die Auktion schliesslich beim Stand von 620 Franken.

Dreimal fanden am Samstag beim Art Cash im Aarauer Kulturlokal Bleifrei Auktionen statt, doch das, was dazwischen geschah, war noch interessanter. Zehn Künstler aus dem In- und Ausland malten, sprayten und zeichneten live. «Man schaltet die Umgebung einfach aus», sagte Jared Muralt vom Berner Kollektiv Blackyard, der an einer minutiös gezeichneten Kriegsszene arbeitete. Gewöhnlicherweise arbeiten er und seine Kollegen im gemeinsamen Büro als Illustratoren, Grafiker oder Typografen – Kunst ist Beruf und Leidenschaft zugleich.

«Am besten finde ich, dass ich hier Leute kennen lernen kann, die meine Arbeiten schätzen», sagte Muralt weiter. «Und dass sie sehen können, dass dahinter tatsächlich Handwerk steckt und kein Computer», ergänzte sein Kollege Christian Calame, der am grossformatigen Cover eines fiktiven Comics malte. Auch Onur arbeitete handwerklich, an einer Schnipselcollage, die einen Adler zeigte; RosyOne stellte im Stundentakt ein gespraytes Bild fertig, während der Aarauer Malik geduldig Kunststofffiguren bemalte.

Auch für Sammler interessant

Auch für Co-Organisator Markus Fischer vom «Amateur Magazine» war die Begegnung von Publikum und Künstlern die Hauptmotivation für die Veranstaltung. Er kennt beide Seiten gut. «Street Art hat sich etabliert und wird immer mehr auch in Galerien verkauft», erklärte er, wie die Idee für die Auktion entstand. «In ein paar Jahren werden einige dieser Künstler in der Kunstszene weit bekannt sein. Das macht sie für Sammler interessant, die strategisch vorgehen», so Fischer.

Ronny aus Schöftland, der das Fafa-Bild ersteigerte, ist sich dessen bewusst. «Wenn man sieht, was sonst so für Kunst bezahlt wird ...» Gefeiert wird der gute Kauf vor dem «Bleifrei» in der Sonne mit einer Flasche Bier. Dort arbeitet der Street-Art-Künstler HRVB an einem grossformatigen Spray-Bild.