Japanischer Kampfsport
In Aarau kämpfen Kendo-Samurai um den Meistertitel

Dieses Wochenende treten 131 Kendoka in der Aarauer Schachenhalle für den Schweizer Meistertitel gegeneinander an. Die japanische Kampfsportart ist zugleich auch Kunst und Lebensschule.

Ann-Kathrin Amstutz
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Vollgas an der SM: Der Aarauer Klub Ten Do Kan hat 2 Titel zu verteidigen.aka

Vollgas an der SM: Der Aarauer Klub Ten Do Kan hat 2 Titel zu verteidigen.aka

Ann-Kathrin Amstutz

Ein lauter Schrei. Ein nackter Fuss, der auf den Boden stampft. Ein blitzschneller Stoss – und der Kampf ist entschieden. Solche Szenen sind heute und morgen in der Aarauer Schachenhalle zu beobachten. Es laufen die 42. Schweizer Meisterschaften im Kendo.

Kendo – übersetzt «der Weg des Schwertes» – ist eine japanische Kampfsportart, deren Ursprung in der Schwertkunst der Samurai liegt. Zwar ist das heutige Kendo nicht mehr ein blutiges Ringen um Leben und Tod, die scharfen Klingen wurden durch Bambusschwerter («Shinai») ersetzt. Dennoch sind Schutzmassnahmen unerlässlich: Die Kendo-Kämpfer («Kendoka») stecken in einer knapp zehn Kilogramm schweren Rüstung.

Ziel ist es, mit Treffern auf Kopf, Torso, Handgelenk oder Kehle des Gegners Punkte zu gewinnen. Diese Trefferzonen sind klar definiert. Drei Kampfrichter wachen über die Regeln und entscheiden, ob ein Punkt zählt. Das braucht ein geübtes Auge, denn es geht blitzschnell: Oft entscheiden wenige Hundertstelsekunden. Der Treffer muss zeitgleich mit einem Kampfschrei und einem Fussstampfen erfolgen, sonst zählt er nicht. Zwei Punkte reichen zum sofortigen Sieg, ein Kampf dauert maximal fünf Minuten. Steht es unentschieden, kommt es zum «Encho», dem Entscheidungskampf. Ein Treffer führt zum Sieg.

Mission Titelverteidigung

131 Kendoka messen sich an der diesjährigen SM in sechs Kategorien. Organisiert wurde der Anlass vom Aarauer Kendo-Klub Ten Do Kan. Ein kleiner Klub mit viel Potenzial: «Wir haben zwei Schweizer-Meister-Titel zu verteidigen», sagt der Suhrer Raphael Hinedy, Medienverantwortlicher des Ten Do Kan. Die Titelgewinner heissen Stéphane Tomo Jud (31, Buchs) und Veronika Orasch (32, Basel). Jud ist vierfacher Schweizer Meister und bekam das Kendo in die Wiege gelegt: Er ist zur Hälfte Japaner. «Kendo gehörte bei mir zum Pflichtprogramm der Erziehung.» Mittlerweile ist aus der Pflicht eine Leidenschaft geworden: «Die Koordination von Geist und Körper fasziniert mich. Je älter ein Kämpfer wird, desto mehr steht der Geist im Fokus. Das gibt es nur bei wenigen Sportarten.»

Jubel ist gegen den Ehrenkodex

Damit spricht er einen wichtigen Aspekt des Kendo an: Es ist mehr als nur ein Sport, es ist zugleich Kunst und Lebensschule. «Disziplin und Respekt vor Gegner und Sport sind enorm wichtig», sagt Raphael Hinedy. Der japanische Ehrenkodex ist allgegenwärtig: Rituale wie das Verbeugen vor dem Gegner gehören dazu, und Jubel ist dermassen verpönt, dass ein bejubelter Treffer sogleich aberkannt wird. Die Kendoka sollen diese Werte verinnerlichen und auch ausserhalb des Dojo (Kampfsportschule) leben.

Was einen Kendo-Kämpfer stark macht, ist neben Ausdauer und Selbstkontrolle die Schnelligkeit. Bis ins hohe Alter lassen sich damit Kämpfe gewinnen: «Die alten Kendoka bewegen sich kaum, doch wenn sie sich bewegen, dann unglaublich schnell. Es ist sehr schwer, gegen sie zu gewinnen», sagt der 29-jährige Hinedy, der selbst seit zwölf Jahren aktiv ist. «Ein alter Meister hat gesagt: Am Anfang kämpft man zu 80% mit dem Körper, zu 20% mit dem Geist. Am Ende sind es 20% Körper und 80% Geist.»

Die Kendo-Schweizer-Meisterschaften finden am 29. und 30. Oktober in der Schachenhalle in Aarau statt. Am Samstag ab 13 Uhr, am Sonntag ab 8.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.