Aarau
In Aarau gibt es zu wenig leere Wohnungen

Anfang Monat standen in Aarau nur knapp 100 Wohnungen leer. «Das sind zu wenige», sagt Stadtbaumeister Felix Fuchs. Sorge bereitet ihm auch, dass die Schere zwischen teuren und günstigen Wohnungen immer grösser wird.

Heidi Hess
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Oberes Preissegment: Die Hälfte der Wohnungen im Rössligut an zentraler Nähe in Bahnhofsnähe sind weg. Christoph Voellmy

Oberes Preissegment: Die Hälfte der Wohnungen im Rössligut an zentraler Nähe in Bahnhofsnähe sind weg. Christoph Voellmy

98 Wohnungen stehen in der Stadt Aarau leer, warteten auf einen Mieter oder einen Käufer. «Das ist eine sehr kleine Zahl», sagt der Aarauer Stadtbaumeister Felix Fuchs – gemessen am Gesamtwohnungsbestand von rund 10500 Wohnungen, wie ihn die Stadt Aarau Ende 2010 verzeichnete. Das Bundesamt für Statistik führt die Erhebung landesweit und alljährlich in allen Gemeinden durch. Stichtag ist der 1. Juni.

Gesund ist dieser Bestand nicht

Für Stadtbaumeister Fuchs gibt die Statistik Auskunft über Entwicklungen und Tendenzen auf dem Wohnungsmarkt. Zum Beispiel beim Blick auf die Zahlen aus dem letzten Jahr: 2011 meldete Aarau am Stichtag 137 leere Wohnungen. Auf den Gesamtwohnungsbestand macht das einen Anteil von 1,3 Prozent aus.

Dieser Prozentsatz aber wird 2012 tiefer ausfallen: Selbst bei einem kleinen Zuwachs am Gesamtwohnungsbestand wird er 2012 knapp unter 1Prozent liegen. «Schon letztes Jahr war die Zahl klein», sagt Fuchs. «Gesund wäre ein Leerwohnungsbestand von 2 Prozent.» Die Auswirkungen der geringen Anzahl Leerwohnungen spürt man auf dem Wohnungsmarkt.

In Aarau seien die Mietzinse von Ende 2010 bis Ende 2011 um 2 bis 3 Prozent gestiegen. Fuchs bezieht sich auf Daten von Wüest & Partner. Das Beratungsunternehmen beobachtet seit Jahren Trends und Entwicklungen auf den Bau- und Immobilienmärkten in der Schweiz. Für Aarau gilt: Zwar verändert sich der Mietzins bei älteren Gebäuden auch in Zeiten von grosser Nachfrage kaum, weil der Referenzzinssatz (hypothekarischer Referenzzinssatz bei Mietverhältnissen) weiterhin sinkt. Anders sieht es bei Neubauten aus, wo ein Referenzzinssatz fehlt. «Hier spielt der Markt», sagt Fuchs. «In Aarau wird die Schere zwischen den günstigsten und den teuersten Wohnungen immer grösser.» Marcel Bäni, städtischer Bauinspektor, spricht bei manchen Neubauten gar von Zürcher Verhältnissen.

Gebaut wurde in jüngster Zeit vor allem in Rohr – entsprechend gestaltet sich die Wohnungssuche in diesem Stadtteil eher leicht. Ausgeschrieben zur Erstvermietung sind im oberen Preissegment – 1950 bis 4100 Franken Monatsmiete zuzüglich Nebenkosten – zurzeit Wohnungen im Rössligut in Aarauer Bahnhofsnähe. 60 neue Wohnungen sollen in der Grossüberbauung Aarenau ab 2014 bezugsbereit sein. «In den Quartieren Zelgli, Gönhard, Goldern, Hungerberg oder Scheibenschachen ist es schwierig, etwas zu finden», sagt Felix Fuchs.

Leerwohnungen in der Umgebung

Zwar ist der Leerwohnungsbestand in Aarau tief. Noch tiefer aber ist er im nur wenig kleineren Baden. Die Stadt meldete dem Bundesamt für Statistik 32 leere Wohnungen. Etwas mehr als im vergangenen Jahr, als man 25 leere Wohnungen zählte. Wenn in Baden trotz grosser Nachfrage – Nähe zu Zürich – überhaupt noch leere Wohnungen auf dem Markt sind, so sei das vor allem auf die rege Bautätigkeit in Baden zurückzuführen, erklärt Bauinspektor Thomas Fritschi.

Rund um Aarau verzeichnen die Gemeinden unterschiedliche Leerwohnungsbestände. Dabei fällt die mit über 11000 Einwohnern grösste Nachbargemeinde Buchs auf: 264 leere Wohnungen hat Buchs gemeldet. Also fast dreimal so viele Wohnungen wie in Aarau bei halb so vielen Einwohnern. Auch Gränichen mit rund 7000 Einwohnern kommt am Stichtag auf 199 leere Wohnungen. Oberentfelden (7500 Einwohner) meldete dem Bundesamt dagegen 54, letztes Jahr waren es noch 60, und das 1500-Seelen-Dorf Auenstein gerade mal 4 leerstehende Wohnungen.

Jürg Lanz, Gemeindeschreiber in Auenstein, sieht für sein Dorf eine kontinuierliche Entwicklung. Letztes Jahr habe man 8 leere Wohnungen gemeldet. Es werde gebaut in Auenstein, «ohne Boom» allerdings. Zwar stünden dauernd Kräne im Dorf, trotzdem bleibe alles überblickbar. Mietwohnungen gebe es kaum. «Hier», sagt Lanz, «hat es vor allem Ein- oder Zweifamilienhäuser.»

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