Tötungsdelikt

In Aarau ermordete Hildegard Enz-Rivola (†66) – das sagt ihr Sohn nach einem Jahr der Trauer

Hildegard Enz-Rivola (†66) mit Enkelin Ronja. Das Foto aus schönen Tagen wurde der AZ von den Angehörigen zur Verfügung gestellt.

Hildegard Enz-Rivola (†66) mit Enkelin Ronja. Das Foto aus schönen Tagen wurde der AZ von den Angehörigen zur Verfügung gestellt.

Vor einem Jahr wurde Aarau vom Tötungsdelikt an Hildegard Enz-Rivola erschüttert. Diesen Freitag findet ein Gedenkmarsch statt.

Es war ein grausamer Mordakt, der die Region schockierte: Am 17. Januar 2019 wurde die 66-jährige Hildegard Enz-Rivola in Aarau brutal erstochen.

Nun, ein Jahr später, findet ein öffentlicher Gedenkmarsch statt. Familie und Freunde des Opfers treffen sich am Freitag um 16 Uhr beim Stauwehr an der Aare, an der Feuerstelle zwischen dem «Vogelinseli» und den Sandbänken, auf der Höhe der Alten Badeanstalt.

Anschliessend marschieren sie dem Fluss entlang bis zum «Äntenäscht» und laufen nach dem Eindunkeln in einem Fackelumzug wieder zurück. Es wird die gleiche Route sein, die Hildegard Enz-Rivola so oft mit Hund Bosky und ihrer Enkeltochter Ronja gemacht hat. Zweimal die Woche hütete sie das Baby – auch am Tag, an dem sie brutal aus dem Leben gerissen wurde.

Mit Flugblättern wird in der Nachbarschaft auf den Gedenkmarsch aufmerksam gemacht. «So elegant, so aufgestellt, sie erhellte alles. Stil, Charakter und für alle und jeden ein gutes Wort», steht dort in Andenken an «Hildi» geschrieben.

Dieses Flugblatt wird derzeit an ihre Bekannten verteilt.

Dieses Flugblatt wird derzeit an ihre Bekannten verteilt.

Nach dem Marsch wollen die Angehörigen Kerzen anzünden auf der Treppe vor dem Eingang zum Haus an der Erlinsbacherstrasse, in dem Hildegard Enz-Rivola gewohnt hatte – und zwar etwa zu der Uhrzeit, in der sie vor einem Jahr attackiert wurde. Sie war kurz nach 18 Uhr von zwei Nachbarn blutüberströmt und um Hilfe schreiend vor ihrer Haustüre aufgefunden worden. Sie starb später im Spital.

66-Jährige in Aarau getötet: Keine Mord-Anklage

66-Jährige in Aarau getötet: Keine Mord-Anklage

Anfang 2019 ermordete ein 28-Jähriger die Aarauerin Hildegard Enz Rivola. Seither sitzt der Täter im vorzeitigen Strafvollzug. Nun bescheinigt ein Gutachten dessen Schuldunfähigkeit.

«Sie war eine liebe Frau, die grundlos ermordet wurde»

Organisiert wird der Gedenkmarsch von den Freunden des Opfers. Das erzählt Ivor Rivola, einer ihrer beiden Söhne. «In den Medien wurde sie immer als alleinstehend dargestellt. Sie hatte aber eine Unmenge von Freunden», betont er.

Die Organisatoren des Gedenkanlasses hoffen, mit einem Aufruf in der Zeitung weitere Menschen zu erreichen – egal, ob sie das Opfer kannten oder nicht. «Wir möchten in erster Linie einer lieben Frau gedenken, die grausam und grundlos ermordet wurde», sagt ihr Sohn.

Willkommen seien alle, die ein Zeichen gegen Gewalt setzen wollen. «Uns wurde ein zentraler Mensch aus dem Leben gerissen. Eine Mutter, Freundin und enge Vertraute, die immer ein offenes Ohr und ein warmes Herz hatte. Die Lücke, die sie hinterlässt, wird immer schmerzen.»

Täter nicht schuldfähig: «Wir sind fassungslos»

Ivor Rivola kann seine herbe Enttäuschung über den in seinen Augen äusserst milden Umgang mit dem 28-jährigen Täter nicht verbergen, auch wenn ihm beim Gespräch schlicht die Worte dazu fehlen. Anfang Dezember gab die Aargauer Staatsanwaltschaft bekannt, dass sie für den Täter keine lebenslange Haft wegen Mordes verlangen werde, sondern eine stationäre therapeutische Massnahme in einer geschlossenen Einrichtung.

Ein psychiatrisches Gutachten habe ergeben, dass der Mann nicht schuldfähig sei. Er leide an paranoider Schizophrenie und habe vor der Tat Alkohol und Drogen konsumiert gehabt. Zwischen Täter und Opfer bestand keine persönliche Beziehung. Gemäss Staatsanwaltschaft habe der Mann 2015 als Sanitär in ihrer Wohnung gearbeitet und wusste deshalb, dass sie dort alleine wohnte.

«Wir haben ein grausames Jahr hinter uns und am Ende kommt heraus, dass der Täter noch eine psychologische Behandlung bekommt. Der Typ ist doch gar nicht therapierbar», macht Ivor Rivola seiner Enttäuschung Luft. Für die Staatsanwaltschaft hingegen besteht ohne Therapie ein hohes Risiko, dass der Mann erneut Straftaten begeht.

«Wir als Opferfamilie und viele Freunde und Bekannte sind fassungslos», sagt Ivor Rivola. «Ich weiss nicht, was ein erwachsener Mensch noch alles tun muss, um schuldfähig zu sein.» Seine Mutter war mit mindestens 30 Messerstichen attackiert worden. Die Ärzte hätten alles probiert, um sie zu retten. «Wir sind ihnen sehr dankbar.» Noch zwei Stunden vor der Tat hatte Hildegard ihre Enkelin bei sich. Ihre Schwiegertochter hatte das Baby gegen 16 Uhr abgeholt. Dann ging Hildegard mit ihrem Hund an der Aare spazieren. Ein letztes Mal.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1