Menschen mit Behinderung
In Aarau entsteht eine Tanzschule für Kinder mit Down-Syndrom

Am 13. Januar öffnet eine Tanzschule für Kinder mit Behinderung ihre Tore in Aarau. Geschäftsführerin Claudia Carlucci spricht über ihren Sohn Alessandro und die Herausforderungen, mit Menschen mit Trisomie 21 zusammenzuarbeiten.

Nora Güdemann
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An der Disco-Mania-Party tanzen bereits regelmässig Menschen mit und ohne Behinderung in Aarau.

An der Disco-Mania-Party tanzen bereits regelmässig Menschen mit und ohne Behinderung in Aarau.

Mario Fuchs

«Latintanzschule für Kinder und Jugendliche mit Down-Syndrom», steht auf dem Flyer der Tanzschule Enea21, die am 13. Januar in Aarau ihren nächsten Standort eröffnet. Laut Geschäftsführerin Claudia Carlucci war die Nachfrage aus der Umgebung Aargau-Solothurn riesig – denn bisher wurden nur in Luzern und Winterthur Kurse veranstaltet.

Carlucci ist selbst Mutter eines 12-jährigen Sohnes mit Trisomie 21. Die auch als Down-Syndrom bekannte Genmutation hat kognitive wie auch physische Beeinträchtigungen zu Folge. «Alessandro hat einen unglaublichen Bewegungsdrang», erzählt Carlucci von ihrem Kind. «Vor allem liebt er es, zu tanzen.»

Als der Bub sechs Jahre alt war, habe sie nach einer Tanzschule Ausschau gehalten. Doch niemand wollte Alessandro unterrichten. «Ich nehme es den Lehrerinnen nicht übel», so Carlucci. «Sie waren einfach überfordert.» Ihrem Sohn den Traum vom Tanzen zu verweigern, kam für Carlucci aber auch nicht infrage. Kurzerhand machte sie sich selbstständig und gründete die Tanzschule Enea21. «Auch ich bin tanzbegeistert und unsere Lehrerin hat langjährige Erfahrung im Umgang mit Kindern mit Trisomie 21.»

«Tanzen liegt in ihrer Natur»

Rund 70 Kinder kommen regelmässig in den Unterricht. «Auch wenn sie eine Beeinträchtigung haben, sind sie extrem lernfähig», weiss die Geschäftsführerin. Das Einstudieren neuer Schritte daure zwar länger und manchmal sei es eine Herausforderung, nicht die Geduld zu verlieren. «Sie können stur sein, machen das, was ihnen der Kopf sagt.»

Doch Carluccis Arbeit und auch das Zusammenleben mit ihrem Sohn sei geprägt von positiven Erlebnissen: «Seit mein Sohn auf der Welt ist, war er keinen einzigen Tag schlecht gelaunt. Wir können von Menschen mit Trisomie 21 viel lernen. Sie sind ständig fröhlich, leben von Tag zu Tag und sehen die Welt ohne Filter. Wenn Alessandro Lust hat, im Bus zu singen, dann singt er einfach.» Ausserdem habe er ein ganz anderes Verständnis für Nähe: «Wenn er mich umarmt, ist das eine Atombombe an Energie.»

Im Umgang mit den beeinträchtigten Menschen brauche es trotzdem viel Fingerspitzengefühl und Hingabe. Die Resultate seien dafür umso besser. «Tanzen liegt in ihrer Natur», sagt Carlucci. «In den Kursen fördern wir die Disziplin, das Verständnis für Rhythmik und das Koordinieren von Bewegungen.»

Enea21 veranstaltet regelmässig Aufführungen oder reist mit den Kindern ins Ausland, zum Beispiel nach Sevilla. «Wir sind nicht nur eine Tanzschule», betont Carlucci. «Enea21 dient auch als Plattform, neue Freunde kennen zu lernen und sich auszutauschen.» In den Kursen für Erwachsene hätten sogar schon einige Pärchen ihr Liebesglück gefunden.

Die Party für Menschen mit und ohne Behinderung im Flösserplatz in Bild und vor allem Ton: