Bezirksgericht aarau
Im Tesla mit über 125 km/h über die Staffelegg – ein Überholmanöver mit Folgen

Ein Tesla-Fahrer kassierte vom Bezirksgericht Aarau eine unbedingte Strafe. Immerhin deutlich weniger als noch im Strafbefehl.

Michael Küng
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Der Tesla-Fahrer überholte nicht nur ein Auto, sondern gleich auch noch einen Anhängerzug. (Symbolbild)

Der Tesla-Fahrer überholte nicht nur ein Auto, sondern gleich auch noch einen Anhängerzug. (Symbolbild)

Keystone

Nicht weniger als 80 Tagessätze à 390 Franken, also 31'200 Franken, sollte ein Tesla-Fahrer für ein Überholmanöver bezahlen, das er bereuen dürfte. Auf diese Summe lautete der Strafbefehl, gegen den sich der Angeklagte am Montag vor dem Bezirksgericht Aarau zur Wehr setzte.

Im Oktober 2019 setzte sich der Angeklagte in seinen Tesla Model S mit Zürcher Nummernschild und fuhr von Küttigen kommend die Staffelegg hoch. Die Überholspur kurz vor der Passhöhe nutzte der Tesla-Fahrer, um nicht nur ein Auto, sondern gleich auch noch einen Anhängerzug zu überholen. Dafür beschleunigte er auf 125 Stundenkilometer, nach Abzug der Toleranz 121 km/h: noch knapp kein Raserdelikt. «Ich bin selbst erschrocken, als ich am Ende des Überholstreifens gemerkt habe, wie schnell ich bin, und habe nach dem Einspuren scharf abgebremst», erinnerte sich der Angeklagte.

«Kilowattstunden sparen, nicht verbrauchen»

Als ihn die Polizei wegen des Manövers anhielt, verweigerte er die Aussage noch, vor Gericht anerkannte er den Tatbestand der Geschwindigkeitsübertretung dann aber. Er habe sich davon aus dem Konzept bringen lassen, dass hinter ihm ein weiteres Auto mit ihm zum Überholen angesetzt habe. «Deshalb habe ich Gas gegeben, damit der Fahrer hinter mir auch Überholen kann», meinte er. Er habe allerdings nie die Absicht gehabt, zu schnell zu fahren: «Wenn man so ein modernes Auto fährt, heisst der Sport Kilowattstunden sparen, nicht verbrauchen», meinte er noch schnippisch.

Probezeit wird um anderthalb Jahre verlängert

Es ist nicht sein erstes Mal vor Gericht. Vor einigen Jahren wurde der Mann wegen Veruntreuung und gewerbsmässiges Betrugs verurteilt, einige Gerichtsfälle dauern bis heute an.

Das Gericht hat daraus einen Tagessatz von 140 Franken errechnet und verurteilte den Tesla-Bolzer zu 60 Tagessätzen – unbedingt. Immerhin deutlich weniger als noch im Strafbefehl. Die Probezeit für seine Vorstrafe wird um anderthalb Jahre verlängert, sämtliche Gerichts- und Untersuchungskosten gehen zu Lasten des Verurteilten.