Region Aarau
Im Spital arbeiten mehr als die Hälfte Teilzeit – die meisten sind Frauen

Gemeinden und das Kantonsspital bieten oft Teilzeitjobs an – auf dem Bau kennt man solche kaum.

Hubert Keller
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Beim Kantonsspital Aarau arbeiten 60 Prozent aller weiblichen Angestellten Teilzeit, bei den Männern sind es 20 Prozent. (Symbolbild)

Beim Kantonsspital Aarau arbeiten 60 Prozent aller weiblichen Angestellten Teilzeit, bei den Männern sind es 20 Prozent. (Symbolbild)

Emanuel Freudiger

Postauto-Fahrerin mit einem Pensum zwischen 50 und 100 Prozent, Kundenberater zu 60 Prozent. Auch für Pöstler, Verkaufsberater oder Pflegefachleute – auf Job-Börsen sind die ausgeschriebenen Teilzeitstellen zahlreich. Das Bundesamt für Statistik hat die Zahlen bis Ende des dritten Quartals 2014 aufbereitet. Und diese zeigen: Schweizweit arbeiten 36 Prozent der Beschäftigten weniger als 90 Prozent. Der Anteil der in Teilzeit beschäftigten Frauen ist mit 69 Prozent deutlich höher als der Männer, von denen nur gerade 16 Prozent nicht 100 Prozent arbeiten.

Verbreitet ist Teilzeitarbeit im Dienstleistungssektor, in den Verwaltungen, im Gesundheitswesen, in den Bereichen Erziehung und Unterricht. Auch im Detailhandel sind Teilzeitjobs mit einem Anteil von 40 Prozent häufig.

Stadt Aarau: Hälfte Teilzeit-Jobs

Noch extremer sieht es in manchen Gemeinde-Verwaltungen der Region und beim Kantonsspital aus. Bei der Stadt Aarau liegt der Anteil der Teilzeitanstellungen mit 55 Prozent weit über dem nationalen Wert. In den Zahlen sind die Lehrer nicht einberechnet. Dies gilt es beim Vergleich mit anderen Gemeinden zu berücksichtigen.

Zudem ist das Spektrum der Berufsgattungen in der Stadt breiter als in kleineren Gemeinden. Im kleineren Küttigen ist der Anteil der Teilzeitangestellten jedoch gleich hoch: Hier sind 11 der 20 Mitarbeitenden mit Teilpensen beschäftigt, und es sind dies nur Frauen. Doch in den Angaben sind die Hauswarte und Angestellten des Werkhofs nicht erfasst. In diesen Abteilungen sind nur Reinigungshilfen Teilzeit beschäftigt.

In Reinach liegt der Anteil bei noch immerhin 42 Prozent. Bei der Stadt Lenzburg arbeiten nur 33 Prozent der 135 Angestellten Teilzeit, fast drei Viertel davon sind Frauen.

Teilzeit ist Frauensache

Ob viele oder wenige Teilzeitjobs – es sind auf jeden Fall meist Frauen, die so arbeiten. In Aarau sind nur rund zehn Prozent der Männer Teilzeit-Arbeitnehmer. «Darunter sind etliche Männer, die ein hohes 70- bis 80-Prozent-Pensum haben», sagt Patrick Walde, Leiter des Personalwesens. In Reinach haben nur Mütter Teilzeitstellen. Die kleinsten Pensen sind beim Reinigungspersonal zu finden, erklärt Martin Ackermann, Leiter Finanzen in Reinach.

Wie aber werden die Teilzeitpensen besetzt? «Bei Vakanzen werden zuerst die Wünsche der Teammitglieder berücksichtigt. Dann wird die Stelle mit dem freien Pensum ausgeschrieben», sagt Walde in Aarau. Wenn eine Mitarbeiterin ein Baby erwarte, werde in der Regel eine Weiterbeschäftigung in Teilzeit angeboten, führt er weiter aus. Recht viele Frauen würden sich eine Stelle teilen.

In Lenzburg sagt Daniel Hug, Leiter Stadtverwaltung, hingegen, Pensenreduktionen gebe es nur sehr selten: «Es werden vor allem wegen der sehr restriktiven Budgetvorgaben Mitarbeitende von Anfang an mit den entsprechenden Pensen eingestellt.»

Wie in Lenzburg werden auch in Küttigen Stellen in der Regel mit dem Pensum besetzt, das frei wird. Je kleiner die Abteilung sei, umso anspruchsvoller sei die Besetzung von Teilzeitstellen, sagt Jennifer Ruf, Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung Küttigen.

Wissen bleibt erhalten

Sie haben einen guten Ruf, die Teilzeitarbeitenden. Martin Ackermann, Reinach, und Jennifer Ruf, Küttigen, sagen: «Das Engagement der Teilzeitangestellten ist hoch. Wir machen gute Erfahrungen.»

Der Vorteil von Teilzeitanstellungen liegt laut Walde darin, dass qualifizierte Leute gehalten werden können. «Bei der Entwicklung des Arbeitsmarktes und unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung kommt ein vorausblickender Arbeitgeber gar nicht darum herum, dieses Potenzial an guten Leuten zu nutzen.» In der Regel seien Teilzeitmitarbeitende hoch motiviert und verfügten über eine ausgeglichene Work-Life-Balance, was dem Arbeitgeber zugutekomme.

Allerdings führten Teilzeitstellen zu einem grösseren Koordinationsaufwand und zu höheren Infrastrukturkosten. Kleinstpensen unter 40 Prozent seien auf der Verwaltung auch wegen der Integration im Team eher negativ, sagt Daniel Hug in Lenzburg. An der Kasse im Museum seien solche Pensen wiederum sehr effizient.

In der Pflege oft Teilzeit

Am Kantonsspital, einem der grössten Arbeitgeber der Region, ist der Frauenanteil mit 77 Prozent sehr hoch. 60 Prozent aller weiblichen Angestellten arbeiten Teilzeit, bei den Männern sind es 20 Prozent. «Tendenziell verzeichnen wir in der Pflege die höchsten Teilzeitraten», sagt Mediensprecherin Andrea Rüegg. Zunehmend würden vor allem in der Pflege aber auch Väter ihre Pensen reduzieren.

«Das KSA begrüsst Teilzeitpensen, da diese den Schichtbetrieb begünstigen, die Mitarbeitenden ausgeglichen sind und von aussen frischen Wind mitbringen», erklärt Rüegg. Für einen ausgewogenen Mitarbeiter-Mix seien jedoch Vollzeit-Angestellte unverzichtbar. Diese sorgten für Kontinuität und könnten eher Zusatzfunktionen übernehmen. Sie seien zudem prädestiniert dafür, Know-how weiterzugeben.

Fast keine Teilzeitler bei Zubler

Von den 310 Mitarbeitenden vom Verkehrsbetrieb AAR bus+bahn arbeiten nur gut 26 Prozent Teilzeit. «Mehrheitlich betrifft es das Fahrpersonal der Busbetriebe und das Reinigungspersonal», erklärt Erwin Rosenast, Verantwortlicher Kommunikation. Von den 82 Teilzeitjobs beanspruchen aber immerhin deren 36 die Männer. «Auch wenn der Führungs- und Koordinationsaufwand grösser ist, begrüssen wir Teilzeitpensen», sagt Rosenast. «Engagement und Motivation sind hoch.»

Nicht überraschend bietet sich in der Baubranche ein anderes Bild. Peter Zubler, Geschäftsleiter der Zubler AG in Aarau, beschäftigt von den 125 Mitarbeitenden nur gerade drei Frauen in Teilzeit. Auf dem Bau ist Teilzeit noch unüblich und selten.

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