Aarau
Im Schachen entsteht eine neue Stadt: Der Zirkus Knie ist da

11 Lastwagen, 5 Traktoren, 60 Wohnwagen und rund 200 Mitarbeiter sind im Aarauer Schachen angekommen. In den nächsten Tagen werden hier Manegenkünstler und Mitarbeiter aus 14 Ländern mit Elefanten, Pferden und Zebras zu Hause sein.

Hubert Keller
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In drei Stunden entsteht eine ganze Zirkusstadt
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Tonmeister Stefano Carroli behält den Überblick.
Mit vereinten Kräften und mit viel Schwung wird die schwere Zeltblache ausgelegt.

In drei Stunden entsteht eine ganze Zirkusstadt

Chris Iseli

Fredy Knie jun. trinkt heissen Kaffee. «Wie wird das Wetter?», fragt er. Eine Antwort erwartet er nicht. Knie, der in der Manege die weissen Araber und schwarzen Friesen präsentiert, lobt das grosszügige Gelände, das seinem Circus im Schachen Aarau zur Verfügung steht. Er erinnert sich gut an das Jahr 1993: «Damals sanken wir in den durchnässten Wiesen ein.» Längst ist der Platz im Schachen gekiest worden. So gesehen und nur so, darf es weiter regnen.

Um 3.24 Uhr am Mittwoch hatte der erste der zwei Extrazüge mit insgesamt 53 Waggons Zofingen verlassen. Elf Lastwagen, fünf Traktoren, 135 Anhänger und 60 Wohnwagen, rund 200 Mitarbeitende, unter ihnen über 40 Artisten, hatten sich auf den Weg nach Aarau gemacht. Alle grossen Tiere, insbesondere die asiatischen Elefanten und die Pferde sind auf der Strasse transportiert worden. «Das geht schneller und ist für sie komfortabler», erklärt der für die Medien verantwortliche Peter Küchler.

37 Mitarbeiter stellen das Zelt auf

Morgens um sechs wird mit dem Zeltaufbau begonnen. Die vier Masten sind bereits am Vortag aufgestellt worden. 37 Arbeiter sind mit dem Zelt beschäftigt. Jeder Handgriff sitzt. Zeltmeister Roger Mühlematter kann auf ein eingespieltes Team zählen. Das Zeltdach, das sich aus acht Teilen zusammensetzt, wird hochgezogen. Mit einem Durchmesser von 44 Metern überspannt es die Zuschauertribüne und die Manege. Über 2000 Zuschauer haben darin Platz.

Während die Tribünenelemente verstrebt und die Sitze angebracht werden, sind etwas abseits die Boxen und Gehege für die Tiere fertig geworden. Franco Knie jun. begleitet seine Elefanten Delhi, Ceylon und MaPalaj persönlich in ihren Stall. Der Vollblut Araber Aladin wird als erster in die mit Streu dick ausgelegte Box geführt, stolze Andalusier und holländische Friesen folgen. Es ist neun Uhr. In drei Stunden ist eine ganze Zirkusstadt entstanden. Toiletten und Duschen, Esswagen, Sattlerei und Schreinerei, diese Stadt funktioniert autonom.

Kalbsbraten und Bohnen zum Zmittag

Aus dem Küchenwagen verbreiten sich würzige Bratendüfte. «Lammgigot, Kalbsbraten, Kroketten und Bohnen gibt es zum Zmittag», verrät der Küchenchef Nour Eddine Oulouda. Er verpflegt Leute aus 14 Nationen.

Vor allem die Marokkaner und Polen sind treue Zirkusarbeiter. «Zu 90 Prozent sind es von Saison zu Saison die selben,» sagt Fredy Knie jun. «Stelleninserate müssen wir in Marokko keine schalten, Ersatz bringen die Leute selber mit.»

Zwischen den Aufführungen in Zofingen und Aarau gibt es zwei Tage Pause. «Diese haben die Mitarbeitenden mehr als verdient», sagt Peter Küchler. Vom Freitag, 13., bis Montag, 16. Juli spielt der Circus Knie hier. Fredy Knie jun. ist mit dem Verlauf der Tournee zufrieden: «Das Programm kommt kolossal gut an.»

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