Gönhard
Im Quartier Gönhard gibt es einen neuen Grosskindergarten

Der aargauische Systemwechsel auf sechs Primarschuljahre kommt die Stadt teuer zu stehen. Der Stadtrat beantragt in einem ersten Schritt beim Einwohnerrat drei Projektierungskredite in der Höhe von insgesamt 2,79 Millionen Franken.

Heidi Hess
Drucken
Teilen
Im Schachen nutzen Primarschüler die frei werdenden Zimmer im Oberstufenschulhaus.

Im Schachen nutzen Primarschüler die frei werdenden Zimmer im Oberstufenschulhaus.

Emanuel Freudiger

Die Zeit drängt. In 18 Monaten, im August auf Beginn des Schuljahres 2014/15, brauchen die Schulen Aarau wegen des Systemwechsels 6/3 zusätzliche Schulzimmer. Den Systemwechsel von 5/4 auf 6/3 (6 Jahre Primarschule, 3 Jahre Oberstufe) hat die Aargauer Stimmbevölkerung im März 2012 beschlossen.

Laut dem Planungsbericht der Brugger Beratungsfirma Metron, der letzten Oktober veröffentlicht wurde, ist die Erweiterung und der Kindergarten-Neubau bei den Schulhäusern Telli und Gönhard dringend (die az Aargauer Zeitung berichtete).

Kosten beim Schulhaus Telli

In der Telli setzt der Stadtrat auf die Variante Aufstockung des Schulhauses mit einem Projektierungskredit von 630000 Franken. 300000 Franken kostet der Projektierungskredit für den Neubau einer vierten Kindergartenabteilung neben dem bestehenden Kindergarten.

Kreisschule Buchs-Rohr

Die Stadt Aarau strebt eine Kooperation mit der Kreisschule Buchs-Rohr an - noch offen ist die Organisationsform. Langfristig kann dies zu Einsparungen auf Ebene Bezirksschule führen. Auch auf der Primarstufe könnten flexible Grenzen zwischen den Schulkreisen Buchs und Aarau dazu führen, dass langfristig ein Klassenzug eingespart wird. (HHS)

Die Baukosten dürften sich auf 5 Millionen Franken belaufen für das Schulhaus mit drei zusätzlichen Primarschulzimmern. Rund 1,4 Millionen Franken kostet die Variante neuer Holzbau für eine vierte Kindergartenklasse – enthalten sind darin auch die Kosten für einen Erdwall, der vor Hochwasser schützen soll. Hinzu kommen beim Kindergarten in der Telli – spätestens nötig im Jahr 2017 – Kosten der Dach- und Fassadensanierung für rund 700000 Franken. Diese Sanierung sollte wegen des Gesamterscheinungsbildes schon jetzt eingeplant werden.

Neuer Kindergarten im Gönhard

Die meisten Kosten fallen im Gönhard-Schulhaus an. Dort rechnet man mit drei zusätzlichen Primarschul- und einer Kindergartenklasse.

Von einem Modulbau-Provisorium, das auf eine Nutzungszeit von zehn Jahren berechnet ist (Kostenpunkt: 7,5 Millionen Franken), sieht der Stadtrat allerdings ab. Der Stadtrat bevorzugt für insgesamt drei Kindergärten einen Neubau, weil beim jetzigen Kindergarten erheblicher Sanierungsbedarf besteht. Ausserdem ist ein Neubau, so die Begründung, für eine Nutzungsdauer von über 40 Jahren ausgelegt. Auf knapp 13 Millionen belaufen sich die Gesamtkosten für die Variante Kindergartenneubau im Gönhard. Der dafür benötigte Projektierungskredit beträgt 1,89 Millionen Franken. Ein Neubau könnte allerdings kaum rechtzeitig auf das Schuljahr 2014/2015 bereit stehen. Nötig wären zur Überbrückung Container-Provisorien.

Kooperation ist gefragt - Kommentar von Heidi Hess

Es erstaunt kaum, dass der Stadtrat den Ressortinhaber Bildung entlastet hat: Lukas Pfisterer kann sich künftig voll um Schulbelange kümmern.
Die Aufgaben, die das Bildungsressort der Stadt Aarau in der nächsten Zeit zu bewältigen hat, sind gewaltig.

Dabei ist nicht nur die Stadt Aarau von den Umstellungen, die der Systemwechsel mit sich bringt, betroffen. Im ganzen Kanton, in allen Gemeinden müssen die Schulvorsteher die Schulraumplanung bei hohem Tempo angehen: Vor nicht mal einem Jahr haben die Aargauer Ja gesagt zum Systemwechsel 6/3. Schon in anderthalb Jahren, ab August 2014, besuchen die Schulkinder sechs Jahre lang die Primarschule und nur noch drei Jahre lang die Oberstufe. In Primarschulhäusern sind deshalb mehr Schulzimmer nötig, in Oberstufenschulhäusern hingegen weniger.

Dem Volksentscheid folgte die Planung. Im Auftrag der Stadt Aarau hatte ein Beratungsbüro im Herbst Vorschläge abgeliefert. Schon in vier Wochen sollen der Einwohnerrat über Projektierungskredite entscheiden und noch vor den Sommerferien Baukredite bewilligen.

Der Zeitplan ist mehr als ambitiös. Der Stadtrat ist deshalb auf die konstruktive Mitarbeit des Einwohnerrates angewiesen. Nur so kann der Systemwechsel gut über die Bühne gehen.
Diese Mitarbeit aber ist in Zeiten des Sparens kaum selbstverständlich - mit hitzigen Diskussionen ist zu rechnen.

Entscheid an nächster Sitzung

Entspannt sieht man dem Systemwechsel im Schachen entgegen. Frei werdende Zimmer im Oberstufenschulhaus könnten ab 2014/15 auch von Primarschulklassen genutzt werden. Zwar rechnet man im Schachen mit einer dritten Kindergartenabteilung – zusätzlich zu Damm und Asylstrasse. Dies allerdings laut neuester Schülerprognosen erst auf das Schuljahr 2015/2016. Auch beim Aareschulhaus genügen vorderhand die bestehenden Schulzimmer. Längerfristig rechnet man jedoch mit Umbau- und Umnutzungskosten kosten von 1,1 Millionen Franken.

«Die rechtzeitige Bereitstellung von genügend Schulraum» betrachtet der Stadtrat als grosse Herausforderung. Der Terminplan ist knapp. Schon an seiner nächsten Sitzung am 25. Februar soll der Einwohnerrat über die Projektierungskredite entscheiden. Noch vor den Sommerferien sollen die Anträge zu den Baukrediten folgen.