Suhr
Im Notfall hilft den Helfern das Adrenalin – und eine gute Ausbildung

Die Fahrer des Vereins Mobil im Alter lernen, wie sie gehbehinderten Kunden ins Auto helfen und bei medizinischen Schwierigkeiten richtig reagieren. Dies zum Beispiel bei Weiterbildungsveranstaltungen.

Sibylle Haltiner
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So wird es gemacht: Hansruedi Häny zeigt, wie ein Bewusstloser am besten aus dem Auto gezogen wird.Sibylle Haltiner

So wird es gemacht: Hansruedi Häny zeigt, wie ein Bewusstloser am besten aus dem Auto gezogen wird.Sibylle Haltiner

«Retour zur offenen Tür gehen und den Rollator bremsen. Wenn die Klienten mit der Wade das Auto spüren, können sie sich hinsetzen.» Hansruedi Häny erklärte, wie der Einstieg ins Auto klappt, wenn man auf Gehhilfen angewiesen ist. «Und passt auf den Kopf auf – auf denjenigen der Kunden und auf euren», mahnte er. Gegen 40 freiwillige Fahrerinnen und Fahrer des Vereins Mobil im Alter (MiA) nahmen am Freitagabend an der Weiterbildung im katholischen Pfarreizentrum teil.

Häny, Leiter der Spitex Suhr, demonstrierte die wichtigsten Handgriffe, um ältere Menschen sicher ins Auto zu begleiten und wieder aussteigen zu lassen. Die Fahrer konnten gleich selbst ausprobieren, wie sie dabei am besten vorgehen. Und erlebten, wie schwierig es ist, von einem Rollator aus auf den Beifahrersitz zu gelangen. «Probiert die Hilfsmittel selbst aus und stützt Euch richtig ab. Dann merkt ihr, wie es sich anfühlt, wenn einem jemand den Stock wegnimmt», schlug Häny vor.

Der Verein Mobil im Alter hat sich zum Ziel gesetzt, der Isolation älterer Menschen entgegenzuwirken. Senioren aus Unter- und Oberentfelden sowie Suhr können auf diesen Dienst zurückgreifen. Obwohl Transporte zum Arzt oder in die Therapie einen grossen Teil der Fahrten ausmachen, hat MiA ein anderes Ziel. «Wir bringen die Leute auch zum Einkaufen, fahren sie zu einer Freundin oder in die Cafeteria», sagt Hansjörg Lüthi, Präsident des Vereins. «Diese Plauschfahrten möchten wir noch mehr ausbauen, damit die Seniorinnen und Senioren ihre sozialen Kontakte weiterhin pflegen können.»

Rund 30 Fahrerinnen und Fahrer engagieren sich in Entfelden, 17 sind es in Suhr. Zusätzlich koordinieren Telefonistinnen die Einsätze. Drei Anlässe pro Jahr bringen alle zusammen. «Diese Treffen sind wichtig», sagt Lüthi, «wenn man sich kennt, arbeitet man besser zusammen.» Zwei Veranstaltungen sind rein gesellig, eine widmet sich jeweils der Weiterbildung.

Die Fahrer engagieren sich freiwillig, viele sind bereits pensioniert. Bei ihren Einsätzen erleben sie durchaus auch einen Gewinn für sich selbst. Gute Gespräche mit Kunden, Freude am Kontakt mit älteren Menschen oder das gute Gefühl, wenn man sich sozial engagiert, nennen sie als Triebfeder. Und: «Vielleicht braucht man dieses Angebot später auch selbst.»

Medizinische Schwierigkeiten standen im Mittelpunkt der Weiterbildungsveranstaltung. Neben dem richtigen Umgang mit Gehhilfen lernten die Fahrer, worauf sie beim Aufbieten eines Krankenwagens achten müssen und an welchen Symptomen man einen Schlaganfall erkennt. Da sie vorwiegend mit älteren Menschen unterwegs sind, müssen die MiA-Freiwilligen jederzeit mit Notfällen rechnen, obwohl die meisten noch nie mit solchen Situationen konfrontiert waren.

Doch nun wissen sie, wie sie einen Bewusstlosen aus dem Auto ziehen könnten, um ihn in eine stabile Seitenlage zu bringen. Und wer sich das bisher nicht zugetraut hat, dem versicherte Hansruedi Häny: «In einer solchen Situation steht euch das Adrenalin bis zum Halszäpfchen, da spielt das Gewicht keine Rolle.»

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