An den Wänden stehen Rudergeräte, Holzkisten und Gewichte. Der Geruch des Gummibodens vermischt sich mit jenem von Benzin und Öl. Hantelscheiben warten auf massive Chromstangen. Die digitale Stoppuhr hoch oben an der Wand ruht noch.

Das Crossfit Aarau befindet sich an der Weihermattstrasse im Telli-Quartier. Die Abendsonne verbreitet eine wohlige Stimmung. Das massive Eingangstor steht offen und lässt die Frühlingswärme in den quadratischen Raum fliessen. «Früher diente er als Busgarage», sagt Studiobetreiber Fabio Marchesan. Und erklärt: «Crossfit ist eine funktionelle Art zu trainieren, diese orientiert sich an Alltagsbewegungen. Wir wollen wegkommen vom sitzenden Trainieren, wie es in herkömmlichen Centern praktiziert wird.»

Übersetzung zweckmässig

Die Garderobe befindet sich im Untergeschoss. Auf einer alten Turnhallen-Sportbank liegen Sporttaschen. «Motorex» steht auf den Mülltonnen. Offensichtlich handelt es sich um umfunktionierte Ölfässer aus früherer Zeit. Die Treppe hoch, zurück auf die Trainingsfläche: Hier sind rund zehn Personen im Halbkreis um Trainer Fabio Marchesan versammelt.

Mit schwarzem Filzstift ist auf die gelbe Kachelwand das Tagesprogramm geschrieben: «Every 2 mins, 10 russian KB swing, squat jumps, 300 m row, 20 thrusters, 10 burpees over the erg.» – Wie bitte? Der Neuling ist am Ende seines Lateins. Zum Glück erklärt und zeigt der Trainer jede Übung.

Nach einer kurzen Einführung geht es los: Auf Marchesans Kommando hin wird gerannt, man legt sich hin und rennt wieder los. Der Puls ist schon angeheitert, als jeder zu einer «Cattle Bell» greift, einem kuhglockenförmigen Gewicht. Ein paar Wiederholungen und einige klärende Worte später erwacht die Stoppuhr.

8 Intervalle à 2 Minuten sind zu bewältigen. In den zwei Minuten muss die «Cattle Bell» mit beiden Händen festgehalten und mit gestreckten Armen zehnmal auf Kopfhöhe geschwungen werden, dazu kommen – ohne Gewicht – zehn Strecksprünge. Die sauren Beine flehen schon nach dem dritten Intervall um Gnade, der Kopf hat zu diesem Zeitpunkt längst aufgehört zu zählen.

Man kämpft als Team

Die Gruppe steht in einem Halbkreis. Sie springt und schwingt. Klar, mit den 16 Kilo Eisen ist man auf sich allein gestellt, doch egal wie gut man sich kennt: Die Gruppe kämpft als Team. Wie die Stoppuhr zum letzten Mal den Beginn der 2 Minuten ankündigt, ist jede Stirn schweissnass.

Trotz müden Armen und noch müderen Beinen: Weiter geht es. Das «work-out of the day», der Hauptteil, wird erklärt: Ein Zyklus beinhaltet: 300 Meter Rudern, gefolgt von zehnmal Kreuzheben und zehnmal aus liegender Position aufstehen und über das Rudergerät springen.

Trainingspartner als Antreiber

Während der eine mit dem ersten Zyklus beginnt, wartet sein Trainingspartner und feuert ihn an. Klatschend begleitet er ihn über die fiktive Ziellinie der Ruderregatta. Mit anspornenden Worten hilft er mental mit, die Kurzhanteln zu stemmen.

Sobald der zuerst Gestartete seine Beine ein letztes Mal zu einem Sprung über das Rudergerät zwingt, nimmt der andere die 300 Meter in Angriff. Mit bebendem Körper versucht ihn der Kollege anzutreiben. Bald liegen die Ersten am Boden, rote Köpfe erinnern an den Sonnenuntergang draussen. Nach vier Zyklen ist die Zeit abgelaufen.

Mit einer Runde High-Fives und einem gemeinsamen Abschlussfoto wird die getane Arbeit gefeiert. Dann gehts unter die Dusche. Das Gefühl beim Verlassen der Garage: müde und zufrieden. Dennoch ist der Neuling nicht unglücklich darüber, dass er tags darauf keine Hanteln stemmen muss, trotz dem Verständnis für jene, die sich bereits aufs nächste Training freuen.

Heute Samstag feiert das Crossfit sein einjähriges Bestehen. Am Morgen wird trainiert, ab 13 Uhr heisst es «Grill und Chill».