Rund ein Dutzend Zuhörer verfolgten das Podiumsgespräch im Tanzsaal der «Kettenbrücke» in Aarau. Das Gespräch fand im Rahmen des Theaterprojektes «Zabawa – Protokoll einer Party» statt, welches von Szenart, der Gruppe für aktuelles Theaterschaffen aus Aarau, produziert wird.

Eine Woche zuvor hatten die zwei Theaterstücke des Projektes, in denen sich jeweils ein Männerensemble und ein Frauenensemble an einer angekündigten Party einfinden, in der «Kettenbrücke» und im «Boiler-club» simultan Premiere gefeiert.

Während der Podiumsdiskussion sollte nun die Thematik der Stücke mithilfe von Szenekennern und Schauspielern in reale Verhältnisse eingebettet und diskutiert werden. «Es ist der Versuch, die Stücke und unser Projekt ganzheitlich zu deuten, ihnen einen umfassenden Rahmen zu geben», erklärte Anna Byland, Produktionsleiterin von Szenart.

Wichtig sind Musik und Umfeld

An der Diskussion unter der Leitung von Einwohnerrätin Lelia Hunziker nahmen teil: Georgios Antoniadis, Geschäftsleiter «Kettenbrücke», Urs Urech, soziokultureller Animator und Jugendarbeiter, die Zabawa- Schauspielerinnen und -Schauspieler Kathrin Jordi, Sandra Merz, Maurus Keusch und Dominik Baumann sowie Michael Ganz, Stadtrat von Aarau und Inhaber des «Boilerclubs». Letzterer konnte nicht persönlich anwesend sein und wurde deshalb per Internettelefon zugeschaltet.

Ganz und Antoniadis haben beide vor nun 10 Jahren die Leitung ihres Clubs übernommen und dürfen an einem durchschnittlich besuchten Freitag oder Samstag zusammen rund 1000 Gäste begrüssen. Für die Club-Betreiber ist klar, dass eine erfolgreiche und erinnerungswürdige Party in erster Linie von der Stimmung der Gäste abhängig ist.

Diesen Eindruck bestätigen auch die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler der Theaterproduktion. Viel Wert legen diese auch auf die im Club gespielte Musik und auf das Umfeld, das sie zu der Party begleitet.

Gewaltproblem nicht mehr akut

Zum Thema Gewalt im Ausgang konnten die Schauspieler nicht viel sagen, ganz direkt konfrontiert mit gewalttätigen Auseinandersetzungen wurden sie noch nie. Antoniadis sagte, er beobachte in der «Kettenbrücke» die Tendenz, dass immer mehr auch Frauen aneinandergeraten, ergänzte aber, dass sich die Problematik rund um Gewalt, die noch vor zwei, drei Jahren kontrovers diskutiert wurde, stark beruhigt habe.

Doch welche Bedürfnisse sucht man an einer Party überhaupt zu befriedigen. Auf jeden Fall, so Kathrin Jordi, sei sie im Ausgang nicht auf der Suche nach ihrem Traummann. Denn sonst sei die Enttäuschung eigentlich vorprogrammiert.

Kurzweilige Zeit der Ablenkung

So geht es am Ende wohl doch schlicht darum, eine gute, kurzweilige Zeit der Ablenkung zu geniessen. Ob ein solches Vorhaben erfolgreich ist, ist von vielen Faktoren abhängig. Findet man mit dem richtigen Umfeld zur rechten Zeit den passenden Club? In diesem Sinne müssen sich der Besuch einer Party und der Besuch eines Theaters nicht grundsätzlich unterscheiden. Womit schliesslich wieder der Bogen zu den Zabawa-Theaterstücken geschlagen werden kann. Für Hannes Leo Meier, dem künstlerischen Leiter von Szenart, liegt die Kraft der Inszenierungen darin, dass sie trotz gemeinsamem Ausgangspunkt so unterschiedlich ausgefallen sind.

Mit der bisherigen Besucherzahl ist Meier zufrieden. Es sei normal, dass die zweiten Vorstellungen nach der Premiere kleinere Einbrüche erleben. Am vergangenen Samstag seien wieder sehr viele Zuschauer in die beiden Clubs gekommen.