Aarau
Im Aarauer Frey-Kanal bahnt sich eine Fisch-Sensation an

Im Gewässer im Telli-Wald hat Peter Jean-Richard laichbereite Nasen entdeckt. Sollten sie tatsächlich Eier abgelegt haben, hätte das nationale Bedeutung.

Hubert Keller
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Im renaturierten Kanal beobachtet: Mit den typischen hellen Punkten am Kopf zeigt die Nase ihre Laichbereitschaft an. V. Schiess

Im renaturierten Kanal beobachtet: Mit den typischen hellen Punkten am Kopf zeigt die Nase ihre Laichbereitschaft an. V. Schiess

Peter Jean-Richard ist begeistert: Im Mai und Juni haben er und Kollegen vom Bachverein im Frey-Kanal ganze Gruppen von laichbereiten Nasen beobachtet. «Schon seit einiger Zeit wissen wir, dass auch im Frey-Kanal Nasen leben», erklärt Jean-Richard. Bisher hat er aber angenommen, dass sich hier nur Jungfische aufhalten und diese im fortpflanzungsfähigen Alter wieder in die Aare und die Suhre abwandern. «Wenn nun aber die Nasen auch im Frey-Kanal laichen, wäre das eine Sensation. Und der Frey-Kanal bekäme nationale Bedeutung.»

Die Nase erreicht bei uns eine Länge von rund 50 Zentimetern. Der Fisch lebt dort, wo er mit Algen bewachsene Steine abschaben kann. Dafür ist sein Maul, dem er seinen Namen verdankt, wie geschaffen. Die Kopfspitze sieht aus wie eine stumpfe Nase. Die Maulspalte verläuft quer, die Unterlippe ist scharfkantig und verhornt. Zur Laichzeit im Frühsommer ziehen die Nasen in Schwärmen flussaufwärts oder dringen in geeignete Nebenbäche ein. Beide Geschlechter zeigen dann einen Laichausschlag in Form von sternförmigen Punkten am Kopf. An diesen hat Peter Jean-Richard auch die laichbereiten Tiere erkannt. Die Weibchen bekommen zusätzlich einen rötlich schimmernden Bauch. Während der heftigen Laichspiele legen sie 1,5 Millimeter grosse Eier ab, die am Kies kleben bleiben. Anschliessend wandern die Altfische in ihre Reviere zurück.

Jungfische müssen Beweis bringen

Vor zwanzig Jahren schien die Nase, einer der grösseren Fischarten hierzulande, noch ungefährdet. Der Rückgang erfolgte unmerklich, wie Jean-Richard erklärt. Heute ist die Nase eine seltene und bedrohte Fischart.

Eine der Ursachen für den Rückgang dieser einstigen Massenfischart ist vor allem die Verbauung der Fliessgewässer. So werden viele Laichplätze zerstört und die Laichwanderungen verhindert. Im Frey-Kanal sind in den vergangenen Jahren sukzessive kleinere und grössere Massnahmen zur Revitalisierung des Gewässers getroffen worden. Alte Wasserläufe sind miteinander verbunden worden, Mulden wurden angelegt, das ehemalige Wehr «Rüscheli» wurde saniert.

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) führte zwischen 1995 und 2004 ein Monitoring der Laichplätze der Nase durch. Die rund hundert Laichplätze befinden sich an der Saane, der Aare, der Reuss, dem Rhein sowie ihren Zuflüssen. Sie sind ziemlich weit voneinander entfernt und isoliert.

Vielleicht haben nun aber die Nasen, nebst der Suhre auf der Höhe der ARA und der Aare im Rüchlig, auch den Frey-Kanal als neuen Laichplatz entdeckt. Schon bisher war der Frey-Kanal, ein kantonales Fischschutzgebiet, ein wertvoller Lebensraum für einige gefährdete Fischarten. Den Beweis, ob die Nasen wirklich Frey-Kanal gelaicht haben, werden im Herbst die Jungfische erbringen müssen. Peter Jean-Richards Begeisterung und die seiner Kollegen im Bachverein wäre wohl grenzenlos.

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