Es war kein glückreicher Sommer für den Aarauer Immobilienunternehmer (68): Im Juni und Juli 2016 handelte er sich gleich zweimal Ärger mit dem Gesetz ein. Das brachte ihn diese Woche vor das Bezirksgericht Aarau. Er hatte einen Strafbefehl angefochten, mit dem er wegen Sachbeschädigung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie wegen Nichtbeachten eines Fahrverbots verurteilt worden war – zu einer Busse von 6000 Franken und einer bedingten Geldstrafe von insgesamt 40'200 Franken.

Absichtlich Verbotenes gemacht

Die Sachbeschädigung hatte der Beschuldigte nicht eigenhändig begangen, jedoch den Auftrag dazu erteilt. Der Mann ist Mehrheitsaktionär einer Firma, die in Oberentfelden entlang der Suhrentalstrasse drei Parzellen besitzt. Darauf steht unter anderem ein grösseres Gebäude, in dem ein Garagenbetrieb eingemietet ist. Dieser ist von der Suhrentalstrasse und der A1 nur schlecht einsehbar – wegen einiger Büsche und Sträucher. Der Immobilienunternehmer gab deshalb bei einem Forstunternehmen den Rückschnitt des Gehölzes in Auftrag. Mehrfach, über Jahre hinweg. Bloss: Die Sträucher standen gar nicht mehr auf dem Grundstück des Beschuldigten, sondern bereits auf der danebenliegenden Strassenparzelle – und diese gehört dem Kanton Aargau. Das war dem Beschuldigten bewusst, wie er vor Gericht zugab.

Lange fiel der regelmässige Rückschnitt niemandem auf – bis im Juni 2016. Da informierte ein Mitarbeiter der Gemeinde den zuständigen Strassenmeister des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt. Dieser erstattete daraufhin Strafanzeige. Im Strafbefehl wird die Schadenssumme mit zirka 3000 Franken beziffert.

Polizistin missachtet

Zum zweiten Vorkommnis kam es wenige Tage nach dem Hecken-Rückschnitt. Es war der erste Freitag im Juli, und für Aarau heisst das: Maienzug. Das wusste auch der Beschuldigte, als er morgens mit seinem Auto von Rohr herkommend auf der Tellistrasse Richtung Innenstadt fuhr. Beim Girixweg – er mündet kurz nach dem Telli-Zentrum in die Tellistrasse – stand ein Absperrgitter samt Fahrverbotstafel, daneben eine Polizistin aus dem Korps der Stadtpolizei. Sie hatte den Auftrag, niemanden durchzulassen. Der Beschuldigte wollte jedoch zu seinem Büro-Parkplatz, dessen Zufahrt nur wenige Meter hinter der Strassensperre lag. Er scherte mit seinem Auto bereits aus, um die Sperre zu umfahren, als ihn die Polizistin mittels Armbewegung zum Anhalten aufforderte. So steht es im Strafbefehl.

Verteidiger forderte Freispruch

Er habe das der Polizistin erklärt, dass er bloss zu seinem Büro wolle, sie habe jedoch nicht darauf reagiert, gab der Beschuldigte vor Gericht zu verstehen. Die ebenfalls vorgeladene Polizistin hingegen schilderte, der Mann habe gesagt, das Fahrverbot interessiere ihn nicht, er werde jetzt da durchfahren. Es sei ihr nicht einmal Zeit geblieben, um per Funk Rücksprache mit dem Einsatzleiter zu halten, da sei der Beschuldigte mit dem Auto schon losgefahren und habe sie mit der Stossstange am Bein touchiert. Nur leicht zwar, aber sie habe daraufhin mit der Hand auf die Motorhaube geschlagen und laut «Halt» gerufen. Da der Mann nicht gehalten habe, hätte sie einen Schritt zur Seite machen müssen. Dabei verstauchte sie sich aufgrund eines Misstritts den Fuss.

Der Verteidiger des Beschuldigten, ein renommierter Aarauer Anwalt, verlange, sein Mandant sei von allen Vorwürfen freizusprechen. Punkto Sachbeschädigung argumentierte er unter anderem, der Strassenmeister des Kantons sei gar nicht befugt gewesen, Strafantrag wegen Sachbeschädigung zu stellen. Was den Vorfall am Rande des Maienzugs betraf, führte er an, dass das Fahrverbot vorgängig nicht im amtlichen Publikationsorgan ausgeschrieben worden war, es sei also gar nicht gültig gewesen. Was sein Mandant zu der Polizistin gesagt habe, sei überdies eine «Mitteilung» gewesen, keine Drohung. Die Gewaltanwendung – das Touchieren ihres Beins mit der Stossstange – habe nicht die für eine Verurteilung erforderliche Intensität gehabt.

Mit seinem Plädoyer hatte der Anwalt nur teilweise Erfolg. Zwar wurde der Unternehmer bezüglich Missachtung des Fahrverbots freigesprochen – es war wohl tatsächlich nicht ordnungsgemäss publiziert worden –, er ist jedoch schuldig der Sachbeschädigung und der Gewalt und Drohung gegen die Polizistin. Das Verschulden des Mannes sei jedoch sehr leicht, sagte Gerichtspräsidentin Patricia Berger, weshalb sie die Strafe am unteren Rahmen ansetzte.

Rekordverdächtige Geldstrafe

Die Busse muss der Mann nun nicht zahlen. Und die Anzahl der Tagessätze – 60 im Strafbefehl – wurde auf 40 gesenkt. Doch aufgrund seiner finanziellen Situation – laut dem letzten vorliegenden Steuerbescheid hatte der Mann ein steuerbares Einkommen von 1,2  Millionen Franken – setzte Berger die Höhe eines Tagessatzes auf 2700 Franken an. Macht eine bedingte Geldstrafe von total 108'000 Franken. Ein Betrag in einer Höhe, wie er vom Aarauer Bezirksgericht nur äusserst selten ausgesprochen wird. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.