Aarau
Ihre Kunst verleiht jenen eine Stimme, die stumm geworden sind

Die westbengalische Künstlerin Piyali Sadhukhan stellt im Forum Schlossplatz aus. Die feministische Künstlerin war die letzten fünf Monate Artist in Residence des Gästeateliers Krone in Aarau.

Hubert Keller
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Die Künstlerin Piyali Sadhukhan hat während ihres Aarauer Aufenthalts Beeindruckendes geschaffen.

Die Künstlerin Piyali Sadhukhan hat während ihres Aarauer Aufenthalts Beeindruckendes geschaffen.

Hubert Keller

Piyali Sadhukhan, 1979 im westbengalischen Kolkata (Kalkutta) geboren, war die letzten fünf Monate Artist in Residence des Gästeateliers Krone in Aarau. Bis zum 21. Juni stellt sie ihr Werk im Forum Schlossplatz aus. Dessen Leiterin, Nadine Schneider, stellte Piyali Sadhukhan an der Vernissage als feministische Künstlerin vor und zitierte sie so: «Solange es Gewalt an Frauen gibt, mache ich feministische Kunst.»

In der Kunstszene Indiens spielt Sadhukhan eine wichtige Rolle. Hier, in der Schweiz, interessierte sie ein Thema, das auch ihre Heimat umtreibt, die Migration. Menschen in Not und auf der Flucht, Arbeitslose, Obdachlose, Opfer von Erpressungen und hegemonialen Zuweisungen des Westens hätten ihren Weg nach Westbengalen, in die allumfassende Umarmung der Grossstadt Kolkata gefunden, berichtet Sadhukhan. «Auch in der Schweiz scheinen viele Menschen aus verschiedenen Ländern einzuwandern, um hier ein Auskommen zu finden oder zumindest hier zu leben, irgendwie.»

Von unmenschlichen Instinkten

Die beiden Länder und deren politisch-sozialen Bedingungen seien zu unterschiedlich, als dass ein Vergleich Sinn gemacht hätte, sagt sie. «Was aber für Einwanderer in beiden Ländern ähnlich zu sein scheint, ist Folgendes: Sie alle haben ihre geliebte Familie und Freunde verlassen, sie alle erzählen Geschichten vom Leid und von unmenschlichen Instinkten, die unsere Welt in einen brodelnden Hexenkessel verwandeln.»

Sadhukhan verleihe jenen eine Stimme, die selbst stumm (geworden) sind, erklärte die Kuratorin der Ausstellung. «Plastisch, körperlich und fleischig sind deshalb ihre Skulpturen, Installationen und Wandarbeiten – sie schreien förmlich nach Aufmerksamkeit.»

Sadhukhan spricht von einem Strudel der Verwirrungen, der sie hier erfasst habe, und von Ratlosigkeit. Es sei ihr schwergefallen, die Informationen, die sie aus den Erzählungen erhalten habe, einzuordnen. Also entschied sie sich, die Ratlosigkeit künstlerisch zu verarbeiten.

Um eine Brücke in ihre Heimat zu schlagen, hat sie ihren Lebenspartner Saumik Chakroborty eingeladen, sein künstlerisch-dokumentarisches Filmprojekt «Riders on the Wheels of Waste – Settlers in the Wasteland of Bagjola» zu präsentieren.

Ausstellung Forum Schlossplatz Aarau, Piyali Sadhukhan, 13. bis 21. Juni, Mi/Fr/Sa 12-17 Uhr, Do 12-20 Uhr, So 11-17 Uhr. Mittwoch, 17. Juni, 12.15 Uhr, Gespräch von Josiane Imhasly mit der Künstlerin.