Aarau
Ihre Kunden haben eine nasse Nase und gehen brav bei Fuss

Nathalie Graber hat sich ihr Hobby zum Nebenberuf gemacht und einen Gassi-Service gegründet, der besonders für Berufstätige oder ältere Personen eine willkommene Entlastung darstellt.

Lee Ann Müller
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Nathalie Graber mit ihrem Hund Morris, der bei jedem Spaziergang dabei ist.lee

Nathalie Graber mit ihrem Hund Morris, der bei jedem Spaziergang dabei ist.lee

Sie sind bei Wind und Wetter draussen, legen pro Tag zu Fuss etliche Kilometer zurück, von denen ein Büroangestellter nur träumen kann. Sie lassen ihre Kunden spielen und sich austoben. Die Rede ist von den sogenannten «Dogwalker», Menschen, die fremde Hunde zum Spazieren ausführen, wenn deren Halter verhindert sind. So auch Nathalie Graber aus Aarau. Sie will mit ihrem Gassi-Service «hunderwegs» professionell Spaziergänge für Hunde anbieten.

Bereits als Kind träumte sie von einem eigenen Hund. «Wir hatten Katzen, Meerschweine, Enten, alle möglichen Tiere. Aber ein Hund kam nicht ins Haus», erzählt sie. Als sie vor zwei Jahren den griechischen Strassenhund Morris adoptierte, wuchs die Idee eines eigenen Gassi-Services: «Ich merkte, wie froh ich selber manchmal war, Morris in guten Händen zu wissen, wenn ich mal keine Zeit für ihn hatte.»

Für einen gewerbsmässigen Betreuungsdienst von 6 bis 19 Tieren ist gemäss Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen eine spezielle Ausbildung nötig. Sie umfasst einen mehrtägigen Kurs sowie ein Praktikum. «Zuerst habe ich den Kurs mehr für mich selber gemacht», sagt Graber, «doch als ich das Zertifikat in den Händen hielt, war ich startklar und einem eigenen Unternehmen stand nichts mehr im Weg.»

Die Beschnupperungsphase läuft

Seit dem ersten Januar sind Betreuungsdienste für Tiere, zu denen auch der Gassi-Service «hunderwegs» gehört, jedoch nicht nur melde-, sondern auch bewilligungspflichtig, zumindest wenn pro Tag mehr als fünf Hunde ausgeführt werden und der Dienst somit gewerbsmässig ist.

Die Bewilligung des Kantonalen Veterinärdienstes ist beantragt und in Bearbeitung, der Gassi-Service befindet sich darum sozusagen noch in der Beschnupperungsphase. Bevor es richtig losgeht, will Nathalie Graber ihre Gasthunde und deren Halter besser kennenlernen. «Es ist wichtig, dass sich alle gut verstehen und riechen können», sagt sie.

Um besser auf die Individualität der Tiere eingehen zu können, will sie pro Spaziergang neben Morris höchstens zwei weitere Hunde mitnehmen. «Jeder Hund ist anders, und ich muss entscheiden, ob einer an die Leine kommt, oder frei laufen kann. Schliesslich trage ich die Verantwortung für die Hunde während des Spaziergangs», sagt sie.

Ob es denn nicht mühsam sei, bei Wind und Wetter spazieren zu gehen? «Nein», lacht Nathalie Graber. Klar gebe es immer Dafür und Dagegen, aber die gehörten zu jedem Job und mit einem Hund müsse man nun mal pro Tag zwei- bis dreimal raus an die frische Luft. Die Spaziergänge kosten pro Hund und Stunde 25 Franken, inklusive Abholservice.

Ein Ausbau ist in Planung

Alles auf eine Karte will Nathalie Graber noch nicht setzen und arbeitet nebenbei weiterhin in einem kleinen Pensum als Sachbearbeiterin. «Wenn die Nachfrage gross ist, könnte ich mir aber vorstellen, den Gassi-Service auszubauen», sagt sie. Sie sei zuversichtlich, schliesslich spreche ein solches Angebot ein breites Spektrum von Leuten an: Erwerbstätige, Senioren oder Verletzte, die für eine gewisse Zeit nicht mehr spazieren gehen können.

Aber auch für die Hunde selber sei es interessant, da sie soziale Kontakte untereinander knüpfen können. «Ich persönlich denke, dass solche Betreuungsdienste hierzulande im Kommen sind», sagt Graber.

Wie viele Gassi-Services es zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich im Kanton Aargau gibt, ist nicht genau eruierbar. «Die Anzahl der Gassi-Unternehmen ist aufgrund der neuen Bewilligungsregelung noch nicht umfassend erfasst, sodass eine exakte Zahl nicht genannt werden kann», sagt Rahel Wüthrich vom Kantonalen Veterinärdienst.

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