Sie zischen pfeilschnell durch die Gassen der Altstadt. «Es sind die Düsenjäger unter den Vögeln», sagt Bruno Zeller. Zwischen Ende März und Mitte Mai kehren die Mauer- und Alpensegler jeweils aus ihren Überwinterungsgebieten in Afrika zurück.

Auch in Aarau sind sie bereits wieder gesichtet worden. Sie fliegen lockere Mauern an, nisten in Nischen an den Gebäuden, auf Mauerkronen unter den Dachaufbauten. Von Bau- und Renovationsmassnahmen sind die Segler deshalb sehr direkt betroffen.

Damit die Nistmöglichkeiten erhalten bleiben, führt die Stadt Aarau das im letzten Jahr begonnene Seglerinventar in Zusammenarbeit mit dem Natur- und Vogelschutzverein BirdLife fort.

«Zwanzig freiwillige Helfer beobachten die Segler, wie sie sich plötzlich aus einem Verband lösen und im Gleitflug in die Tiefe sausen und einen Nistplatz anfliegen», sagt Bruno Zeller. Zwischen 1990 und 2008 war der in Rombach wohnhafte pensionierte Lehrer Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins.

«Der Frühling 2013 war kalt», erklärt er. Viele Segler hätten deshalb nicht gebrütet. «Das ist auch der Grund, weshalb das Inventar dieses Jahr vervollständigt werden soll.»

480 Nistplätze in der Stadt

Im vergangenen Jahr wurden 128 natürliche Nistplätze von Mauer- und Alpenseglern entdeckt. Insgesamt weiss man von gegen 480 Nistplätzen in Aarau, inbegriffen die von den Naturfreunden erstellten künstlichen Nisthilfen. Die grosse Zahl freut Bruno Zeller. Dennoch seien die Segler in Mitteleuropa gefährdet. «Da sie standorttreu sind, reagieren die Vögel mit starken Verlusten, wenn ihre Nistplätze verschwinden.»

Wenn ein Nistplatz wegen Um- und Neubauten aufgegeben werden muss, wird deshalb Ersatz geschaffen. Dies ist gesetzlich so geregelt. «Ein Problem ist das nicht», sagt Zeller, «wir haben ein gutes Einvernehmen mit der Stadt und die Bauherren sperren sich nicht dagegen.»

Wie sehr ihn Vögel faszinieren, das verrät einem Bruno Zeller mit jeder Silbe. «Die Segler verbringen den grössten Teil ihres Lebens in der Luft, sie essen und paaren sich in der Luft. Der Mauersegler schläft sogar fliegend in 1000 bis 3000 Metern Höhe, meist in wärmeren Luftschichten.»

Auffällig sind die langen Flügel und die sehr kurzen Beine, die nicht einmal zum Hüpfen zu gebrauchen sind. Deshalb landen die Segler auch nicht freiwillig auf dem Boden, sondern nur an steilen Wänden. Von da aus können sie sich fallen lassen. Früher waren das vor allem hohe Felswände, heute sind es Bauwerke in den Städten.

Die Jungvögel der Mauersegler schlüpfen Anfang bis Mitte Juni. Sie haben nur wenige Wochen Zeit, um die Flügel zu trainieren, bis sie sich Ende Juli auf die Reise Richtung Süden machen. «Die Flügel stärken sie mit Liegestützen. Sie stützen sich gleichsam auf den Ellbogen auf und bewegen den Körper auf und ab.»

Die Segler künden den Sommer

Sobald sie sich vom Nistplatz entfernt haben, gibt es kein Zurück mehr. Erst nach dem Winter kehren sie heim und künden in ihrer angestammten Stadt den Sommer an. Mithilfe der Beringung der Vögel habe man sogar nachweisen können, dass sie mit ihrem alten Partner in den gleichen Nestern wie im Vorjahr abwechselnd brüten. «Untreue kommt aber auch bei den Vögeln vor, und manchmal bevorzugen sie ein benachbartes Nest», sagt Zeller.

Der Mauersegler ist der kleinste und häufigste Segler, der bei uns vorkommt. Er ähnelt einer Schwalbe, ist aber mit 16 Zentimeter grösser als diese und mit 50 Gramm doppelt so schwer. Er hat eine Spannweite von 40 Zentimetern und ein dunkelbraunes Gefieder. Der Alpensegler ist grösser als der Mauersegler und seltener. Leicht erkennbar ist er an seiner weissen Unterseite, die durch ein braunes Brustband unterbrochen ist.