Er ist leicht zu übersehen: der Eingang in die Meisel-Promenade im Oberholz. Ein Wanderpfad mit Geschichte. «Der idyllischste, romantischste Waldspazierweg Aaraus», findet Eugen Wehrli, der ehemalige Stadtoberförster. Wehrli findet es schade, dass die Geschichte des Pfades in Vergessenheit gerät. Deshalb führt er die az an einem der ersten Frühlingstage zum Pfad.

«Früher flanierten hier noch viele Aarauer», sagt er. Heute verweist lediglich der Meiselstein auf den vergangenen Glanz: das Denkmal für Xaver Meisel, der bekannte Stadtoberförster aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Einer, der sein Leben dem Wald verschrieben hatte. Wehrlis Vorvorgänger.

Beim Wegweiser-Standort «Hasenberg» geht es los: Nach 50 Metern in Richtung der Echolinde zweigt ein kleiner Pfad ab. Kein Hinweis, keine Beschilderung, Blätter verdecken den Weg. Mit seinen Wanderstöcken steigt Wehrli die alte Holztreppe hoch. «Hier war im 18. Jahrhundert ein beliebter Platz für Waldfeste», erklärt er.

Unter den Füssen knistert das Laub, Wind rauscht durch die Bäume. Entlang der abschüssigen Kante des Steinbruchs bieten verbogene Geländer minimen Schutz. Stramm ragen die mächtigen Bäume in die Höhe. Sonnenstrahlen brechen durch das noch karge Geäst.

Auf historischem Pfad

Wehrli deutet auf die riesigen Douglasien: Die nordamerikanischen Nadelbäume stammten aus dem vorletzten Jahrhundert. Nach einem Kahlschlag habe man sie importiert, weil sie schneller wachsen als hiesige Bäume. Für den damaligen Holzbedarf eine wertvolle Eigenschaft. «Heute lässt man den Wald eher natürlich wachsen», so Wehrli. Sogar Totholz bleibt stehen.

Bald gelangt Wehrli zum besagten Denkmal, dem Meiselstein. Eine Sitzbank lädt ein zum Verweilen: Der Ausblick reicht von der Wasserflue bis zur Staffelegg. Unten im Schachen braust ein Zug vorbei. Dann Vogelgezwitscher, sonst Ruhe. Für Wehrli ist es heutzutage fast zu still.

Früher war das anders: Aus einem Artikel des Aargauer Tagblatts von 1966 geht hervor, dass Aaraus früher weithin berühmte Wälder von Auswärtigen besucht wurden. Und dass dies Meisel zu verdanken gewesen sei. Überall, wo es ging, legte er Wege an, pflegte die Promenaden, fällte Bäume für den Ausblick der Wanderer. Beim etwas weiter entfernten verheissungsvoll klingenden Aussichtspunkt «Blick ins Aaretal» ist davon nicht mehr viel übrig: Bäume versperren die Sicht.

Vorbei am Blutbannstein

Direkt darunter verläuft die Bronner-Promenade, benannt nach dem Dichter und Professoren Franz Xaver Bronner. Der dritte Wanderpfad mit Verweis auf eine Aarauer Persönlichkeit befindet sich schliesslich am Hungerberg: die Meyersche Promenade. Diese wird dem Industriellen Johann Rudolf Meyer zugeschrieben, der am Hungerberg nach Erz gesucht hat (az von gestern).

Wer indes auf der Meisel-Promenade weitergeht, passiert irgendwann den Blutbannstein. Und damit die ehemalige Grenze aus dem 18. Jahrhundert, als Aarau das Recht besass, mit Galgen, Schwert oder Rad zu richten.

Von der Besonderheit der MeiselPromenade ist auch der aktuelle Stadtoberförster Christoph Fischer überzeugt: Eine Beschilderung des Weges fände er eine gute Idee. Doch noch sei nichts Konkretes geplant.