Schlicht, aufgeräumt, unaufgeregt, gehaltvoller. So präsentiert sich die Plattform «We Love Aarau» im neuen Jahr. Monatelang hat Silvia Dell’Aquila, der Kopf hinter der Plattform, gemeinsam mit Andreas Ott vom Büro a+o und Roger Burkhard an der Seite gefeilt, Vorschläge skizziert und Ideen verworfen.

Jetzt ist es geschafft, das Endprodukt genau so, wie sie es haben wollte. «Die Seite ist erwachsen geworden», sagt Dell’Aquila und lacht. Neu finden Aarauer hier nicht nur Ausgehtipps, Nachmieter und neue Wohnungen. Unter der Rubrik «Magazin» gibt es Rezeptideen von Rebecca Moser, Musikempfehlungen vom «Dezibelle», Lesetipps von der Stadtbibliothek und Zeitreisen in das alte Aarau mit Historiker und Journalist Hermann Rauber. Ausserdem wird jeden Monat eine spannende Person aus Aarau vorgestellt.

Die ganz grosse Neuerung betrifft die Veranstaltungen: Hatte Dell’Aquila bisher auf ausgewählte Anlässe hingewiesen, bietet sie nun auf ihrer Website einen Kalender, der das gesamte Kultur- und Ausgehangebot der Stadt abbildet.

Lang ersehnter Kalender

Ein guter, vollumfänglicher Aarauer Veranstaltungskalender also, wie er im Rahmen des neuen Kulturkonzeptes immer wieder diskutiert und gefordert wurde. Springt «We Love Aarau» hier vorzeitig in die Bresche? Dell’Aquila gibt sich zurückhaltend. Kulturveranstalter und Organisationen wie das Tourismusbüro aarau info seien bereits an Bord, auch die Kulturstelle zeige sich interessiert. Ob die Stadt das Angebot nutzen will und sich finanziell beteiligt, ist aber noch nicht geklärt. Für Dell’Aquila ist klar: «Hinter der Seite stecken viel Arbeit und ein finanzielles Risiko meinerseits. Für die Nutzung der Daten sind wir auf eine finanzielle Beteiligung der Stadt angewiesen.»

Mit «We Love Aarau» Geld verdienen; nicht zuletzt auch ein Grund für den Relaunch der Seite. Startete Dell’Aquila 2008 mit einer einfachen Seite für Partyföteli, Immobilieninserate und Veranstaltungstipps und 400 Newsletter-Abonnenten, sind es heute über 1300 Abonnenten. «Ich habe damals einfach damit angefangen, ohne den grossen Erfolg im Hinterkopf.» Sie habe bloss daran geglaubt, dass es die Aarauer interessieren könnte, was in der Stadt so passiere.

Wird es nun politisch?

Und das tut es: Was online geht, wird gelesen. Über die Social-Media-Kanäle erreicht «We Love Aarau» pro Artikel locker einige Tausend Leser. Dafür investiert Dell’Aquila pro Woche gut und gern einen Tag Arbeit, dazu kommt die der freien Autoren und Helfer. Zwar können dank der Werbefenster die laufenden Kosten gedeckt werden. Mehr aber nicht, auch die Autoren gehen bislang leer aus. «Das möchte ich ändern, Ziel soll sein, dass wer für die Seite arbeitet, dafür auch einen Batzen bekommt.»

Sieben Jahre Fronarbeit – warum? «Ich nehme wahr, dass die Plattform etwas ist, das die Leute anspricht. Das ist mein Antrieb», sagt Dell’Aquila. Wenn sie in der Beiz höre, dass Leute am Nachbartisch über «We Love Aarau» sprechen, dann mache sie das stolz. «Ich bin gern ‹We Love Aarau›», sagt sie. «Und ich merke, dass ich mit der Seite etwas bewegen kann.» Seien es Projekte, Hilfsaktionen oder Bands, die dank einer Erwähnung gefördert werden können. Oder Petitionen, wie die zum Maienzug-Vorabend mit dem Titel «Live-Musik gehört zum Vorabend», die innert 48 Stunden von 508 Personen unterzeichnet wurde.

Wird «We Love Aarau» nun politisch? Nein, sagt SP-Einwohnerrätin Dell’Aquila, die Seite sei neutral. «Aber es soll ein Gefäss sein, das die Stimmung in der Stadt einfängt, die Entwicklungen beschreibt und Diskussionsstoff liefert.» Für solche Beiträge stehe das Gefäss «Stadtgespräch» offen.