az-Serie: Meine Geschichte
«Ich kannte Amerika besser als die Amerikaner»

Martin Hochstrasse wurde 1921 in Oberentfelden geboren. Er lebte mehrere Jahr in den USA, arbeitete als Kaufmann, später in der Bürstenfabrik Walther und war insgesamt 12 Jahre im Gemeindereat in Oberentfelden.

Florian Müller
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«In einer kleinen Wohnung gegenüber der Kirche in Oberentfelden bin ich im Jahre 1921 geboren. Die Primarschule absolvierte ich Oberentfelden, die Bezirksschule in Kölliken. Ich erinnere mich, wie wir auf dem Schulweg die verrücktesten Sachen machten. Mit dem Velo liessen wir uns zum Beispiel von Lastwagen ziehen. Zum Glück fuhren sie noch nicht so schnell wie heute. Wir wollten uns gegenseitig mit Unsinn überbieten. Aber dies gehörte irgendwie zur Ausbildung.

Für drei Jahre in die USA

Nach der Kantonsschule wollte ich schnell ins Erwerbsleben eintreten, um zu schauen, wie dies funktioniert. Ich arbeitete zwei Jahre lang für die Bürstenfabrik Walther in Oberentfelden. 1941 absolvierte ich die Rekrutenschule in einer engagierten Truppe. Ich bin kein Militärkopf, war aber bereit, meinen Beitrag gegenüber meinem Land zu leisten.

Nach dem Krieg hatte ich eine Freundin, die ich gerne geheiratet hätte. Und auch sie hätte mich gerne geheiratet. Aber ich wollte unbedingt erfahren, wie es im Ausland ist. In einem offenen Gespräch beendete ich die Beziehung zusammen mit meiner Freundin. Insgesamt war ich drei Jahre in den USA. Dort reiste ich fünf- mal an die Westküste. Dank dem Sightseeing kannte ich Amerika besser als die Amerikaner.

In New Yorks Fifth Avenue habe ich gesehen, dass die Läden zwar teure Kent-Bürsten aus England führen, aber keine Walther-Bürsten aus Oberentfelden. Die waren ja noch schöner. Ich versuchte, zu vermitteln. Als Schweizer Störenfried wurde ich zuerst aus den Geschäften rausgeschmissen. Später gelangen mir aber doch interessante Geschäfte. Meine Kontaktfreudigkeit half mir dabei. Ich kannte zum Beispiel einen Senator aus Washington. Einmal nahm er mich mit und zeigte mir sogar das Pentagon.

Angehörige verhindern Heirat

Zurück in der Schweiz machte ich eine neue Bekanntschaft im Spital Aarau. Das Schicksal wollte es, dass mich eine Krankenschwester pflegte, die später meine Freundin wurde. Wir waren total verliebt, aber in einem Alter, als man dies schon realistisch sah. Es war die grosse Liebe. Doch ihre stockkatholischen Angehörigen verhinderten unsere Heirat, indem sie ihr mit allem Möglichen und Unmöglichen drohten. Wir trennten uns, weil wir einsahen, dass ihre Familie uns ein Leben lang plagen würde. Dies war eine schlimme Zeit für mich. Ich heiratete später.

Unterentfelder machten Probleme

Von 1970 bis 1982 sass ich im Gemeinderat in Oberentfelden, davon acht Jahre als Gemeindeammann. Ich war zeitlebens politisch aktiv, habe aber nicht im Entferntesten daran gedacht, als Behördenmitglied zu kandidieren. Schon mein Vater war im Freisinn. Sie haben mich zur Kandidatur überzeugt.

Die Arbeit als Gemeindeammann machte grossen Spass. Ich erinnere mich an Probleme mit den Unterentfeldern. Es ging um eine Fusion, die für das kleine Unterentfelden völlig unmöglich schien. Sie hatten Angst vor dem grösseren Oberentfelden. Ein intensives Seilziehen entstand mit vielen Reaktionen aus der Bevölkerung. Schlussendlich siegte aber die Vernunft, als die beiden Gemeinden immerhin eine gemeinsame Bezirksschule eröffneten.»