So kennen die Aarauer den Künstler Tizian Baldinger: Bärtig, charismatisch und immer für eine Überraschung gut. Heute Mittwoch hat das Stadtoriginal kurzerhand auf Facebook angekündigt, dass er sich endgültig von seinem Bart verabschieden will.

«Ich habe schon so vielen Leuten in Aarau erzählt, dass ich meinen Bart abschneide und es dann doch nicht getan», sagt er auf Anfrage. Heute im Cabaret Voltaire in Zürich will er Nägel mit Köpfen machen.

«Ich haue meinen Bart ab für Geld»: Tizian Baldinger meldet sich vor der Auktion per Video-Selfie aus seinem WG-Zimmer in Zürich.

«Ich haue meinen Bart ab für Geld»: Tizian Baldinger meldet sich vor der Auktion per Video-Selfie aus seinem WG-Zimmer in Zürich.

Fünf Jahre für 25 Zentimeter

Fünf Jahre lang dauerte es, bis der Wuchs eine Länge von 25 Zentimetern erreichte. Mit der Bartpflege nahm er es dabei nicht ganz so ernst, bis seine Schwester ihm ein Bartöl schenkte. «Lustigerweise ist das Öl genau passend zur Aktion leer geworden», bemerkt er.

Baldinger und sein Bart haben einiges erlebt. Es war während diesen fünf Jahren, als er sich in der Kunstwelt einen Namen machte. Der Bart war stets sein haariger Begleiter, als er sein Glück als Party-Gastgeber und Konzeptkünstler mit dem Duo Géraldine et Tizian versuchte und sich später als Selbstinszenierungs-Performer und Installations-Artist etablierte. «Mein Bart ist ein Teil von meinem Gesicht, mit dem ich in den letzten Jahren bekannt geworden bin und dieser Teil wird jetzt geschoren und verkauft», so Baldinger. Für eine Abschiedszeremonie bleibe keine Zeit.

«Ich verkaufe meine Identität für Geld»

Die Bart-Auktion ist eine Antwort auf die Frage von Christian Jankowksi, Kurator des Cabaret Voltaire in Zürich: «What you do for money?» Damit trifft er bei Tizian Baldinger einen wunden Punkt. «Ich verkaufe meine Identität für Geld», kontert er keck. Somit ist es beschlossene Sache. Seiner Identität wird am Mittwochabend mit dem Rasiermesser ein Ende gesetzt.

Ein professioneller Barbier kümmert sich um den roten Wuchs. Ziel sei es, den Bart möglichst in einem Stück abzuschneiden. So kann er in seiner vollen Pracht auf einer Leinwand drappiert werden. Versteigert werde also ein «Bartbild», bemerkt der Künstler.

Den Ertrag aus der Ebay-Auktion investiere er gleich wieder in seine Kunst. Was dabei rauspringt, ist dabei nur Nebensache. Baldinger freut sich natürlich über eine zahlreiche Beteiligung an der Versteigerung. Doch, so betont er, es gehe ihm nicht ums Geld. 

Ein gemütlicher Bart

Was hat der Künstler nach der Kahlrasur vor? Mit neuem Gesicht und neuer Identität will sich Baldinger nach der Aktion in die Arbeit stürzen und neue Performances planen. Vor allem beschäftigt ihn die Frage, wie man eine neue Identität herstellen könne.

«Ganz blutt im Gesicht werde ich aber nicht durch die Gegend gehen», stellt er klar. Er lässt sich wahrscheinlich einen neuen Bart wachsen. Allerdings nicht wieder in dieser Länge. Baldinger spricht von einem gemütlichen Bart, der ihn im Winter warm hält.

Die Auktion startete bereits gestern Dienstag um 16 Uhr und wird am Sonntag 10. Juli um 16 Uhr enden. Interessierte können den Bart via diesen Link ersteigern. 

Tizian Baldinger, hier noch mit kurzem Bart

Tizian Baldinger, hier noch mit kurzem Bart