Suhr/Arosa

«Ich hatte keine Zeit, Angst zu haben»: Wie eine Aargauerin der Flammenhölle in Arosa entkam

Marica Malbasic war mit ihrem Partner Reini Kuhn beim Brand im «Posthotel» in Arosa.

Marica Malbasic war mit ihrem Partner Reini Kuhn beim Brand im «Posthotel» in Arosa.

Marica Malbasic erzählt, wie sie mit ihrem Partner Reini Kuhn den «Posthotel»-Brand überlebte. Sie war einer der Hotelgäste, die mit Rauchvergiftung im Spital landeten.

«Ich weiss nicht, ob wir ohne die Hilfe der Feuerwehr rausgekommen wären.» Am Freitag, gegen 16 Uhr. Es ist genau eine Woche her, seit in Arosa im «Posthotel» ein Feuer ausbrach. Neben dem Fussballstadion Brügglifeld sagt die «Sportplatz»-Wirtin Marica Malbasic (56): «Mir selber geht es wieder blendend.» Während sie am Dienstag in Chur aus dem Spital entlassen werden konnte, wurde ihr Lebenspartner Reini Kuhn (85) gleichentags vom Bündnerland in den Aargau überflogen. Die beiden führen seit 20 Jahren das Restaurant Sportplatz. Er war jahrzehntelang Präsident des FC Suhr. Am Freitag lag er noch immer im Kantonsspital Aarau.

Reini Kuhn und Marica Malbasic wurden bei einem der grössten Hotelbrände der letzten Jahre am schwersten verletzt. Sie erlitten Rauchvergiftungen. «Ich hatte keine Zeit, Angst zu haben. Ich dachte nur: Hoffentlich kommen wir da raus!», erinnert sich Marica Malbasic an die dramatischen Momente am Freitag, 30. Dezember.

Wegen TV-Serie war sie wach

Tags zuvor war sie zusammen mit ihrem Partner ins Schanfigg gefahren. Mit dem Zug. Die beiden Aargauer wollten wie ihm Vorjahr in den Büdner Bergen Silvester verbringen. Marica Malbasic und Reini Kuhn sind Stammgäste in Arosa. Wenn immer es ging, sind sie im «Posthotel Holiday Villa» abgestiegen. So auch letzte Woche. Sie hatten im zweiten Stock das Zimmer 232.

Am Freitag wollte das Wirtepaar nach Lenzerheide. Sie fuhren mit der neuen Luftseilbahn, der Urdenbahn. Doch dann mussten sie umkehren. «Der Wanderweg hinab nach Lenzerheide war gesperrt», erzählt Marica Malbasic. Um 15.15 Uhr waren sie wieder zurück im «Posthotel» in Arosa. Die Wirtin weiss das so genau, weil sie das TV-Gerät einschaltete und auf ORF2
gerade die von ihr geschätzte Serie «Sturm der Liebe» begann. Während sie TV schaute, legte sich ihr Partner aufs Bett: «Er hat geschlafen.»

Danach überstürzten sich die Ereignisse: «Etwa um 16 Uhr roch es plötzlich nach Rauch.» Die beiden Aargauer logierten fast über dem Feuer. Marica Malbasic weckte ihren Partner und öffnete die Türe. Da war kein Durchkommen: «Der Gang war voller Rauch.» Sie ging zum Fenster, rief um Hilfe. Man schrie ihr von unten zu, das Fenster wieder zu schliessen und zu warten.

Hotel in Arosa steht in Flammen

Hotel in Arosa in Flammen

Arosa - 30.12.16 - Der am Nachmittag im Posthotel Holiday Villa ausgebrochene Brand wütet bis am späten Freitag Abend. Drei Personen wurden per Helikopter ins Spital gebracht, mehrere weitere Gäste wurden vor Ort von den Rettungskräften behandelt. Rund 100 Einsätzkräfte sind vor Ort. Die Brandursache ist zur Zeit noch unbekannt. Der Zugverkehr nach Arosa wurde unterbrochen, nimmt aber am Samstag Morgen den Betrieb wieder auf. Das 4-Sterne-Hotel gehört zur internationalen Holiday Villa Hotels Gruppe mit Sitz in Malaysia.

Tagelang schwerer Husten

«Plötzlich ertönte aus dem Gang ein ‹Hallo› von zwei Feuerwehrmännern», erzählt Marica Malbasic. Sie hielt sich einen Schal vor das Gesicht und wurde von einem der Feuerwehrmänner nach unten geführt. Hinter ihr Partner Reini. Am Schluss wurden sie durch ein Fenster ins Freie gehoben – und dort sofort mit Sauerstoff versorgt. Marica Malbasic sagt: «Die ganze Hilfe ist sehr schnell und gut abgelaufen.» Und doch sind ihr die dramatischen Momente vorgekommen wie eine Ewigkeit. Als Erstes hat die Rega Reini Kuhn nach Chur geflogen. Dann Marica Malbasic. Und irgendwann auch ein 8-jähriges Mädchen. Insgesamt wurden 13 der rund 150 Hotelgäste verletzt. Die meisten allerdings nur leicht.

Bis am Montag Abend musste Marica Malbasic eine Sauerstoffmaske tragen. Und sie musste das Gift, das sie beim Brand eingeatmet hatte, förmlich wieder heraushusten. Marica Malbasic ist des Lobes voll über die Leistung des Bündner Spitals: «Wirklich mega. Tipp-topp. Die Leute waren sehr freundlich.» Einmal sei ein Polizist vorbeigekommen und habe sich nach ihrem Befinden erkundigt und Hilfe angeboten.

Polizei fand Handy auf Parkplatz

Für Marica Malbasic steht fest: «Ich gehe wieder nach Arosa.» Sobald sie und Reini Kuhn wieder gesund sind. Doch zuerst wird der Sohn von Marica Malbasic hochgeschickt. Mit einem klaren Auftrag: «Unser Anliegen ist es, der Feuerwehr und dem Spital zu danken.»

Beim Brand wurde das ganze Gepäck von Marica Malbasic und Reini Kuhn zerstört. Während der Rettung ist ihr auch noch das Handy aus dem Hosensack gefallen. Doch seit Donnerstag hat sie ihr «Nokia» wieder. Die Polizei hat es auf dem Parkplatz vor dem Hotel gefunden – und per Post in den Aargau geschickt.

Übrigens: Das Restaurant Sportplatz beim Brügglifeld war nur zwei Tage länger geschlossen als geplant. Es ist seit Donnerstag wieder offen.

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