Auf engstem Raum leben rund 300 Männer zusammengepfercht in einer Asylunterkunft in Aarau. Sie teilen sich knapp zehn Toiletten und etwa gleich viele Duschen. In den winzigen Schlafräumen, in welche kaum frische Luft strömt, soll es ausserdem fürchterlich stinken.

Hier hat sich am frühen Samstagmorgen die blutige Auseinandersetzung zwischen drei iranischen Landsmännern zugetragen, wobei ein 27-Jähriger zwei Mitbewohner mit dem Messer angriff. Während er einen 43-Jährigen tödlich verletzte, schwebt das zweite Opfer dank einer Notoperation nicht mehr in Lebensgefahr.

«So kann es nicht weitergehen»

«So kann es nicht weitergehen»

Es stinke, gebe kein Sonnenlicht und die Platzverhältnisse seien extrem eng. Die Bewohner vom Aarauer Asylzentrum sehen einen Zusammenhang zwischen ihren Wohnbedingungen und der tödlichen Messerattacke vom Samstag.

Ein weiterer Bewohner des Asylzentrums hat die Bluttat mit eigenen Augen miterlebt; er sei aufgrund des Lärms erwacht und habe den blutverschmierten Täter vor sich gesehen. Er hatte das Messer noch in der Hand und schrie: "Wer will noch, ich bringe euch alle um!", beschreibt er die Szene gegenüber "TeleM1".

Gefängnisähnliche Zustände im unterirdischen Bau

Der Täter soll es im unterirdischen Bau nicht mehr ausgehalten haben. Mehrmals vor seiner Tat habe er um eine Verlegung in eine andere Asylunterkunft gebeten, weil ihm die Decke auf den Kopf falle. Auch andere Bewohner beschreiben die Unterkunft als unaushaltbar. 

"Es ist wie im Gefängnis", schildert ein älterer Mann mit einem traurigen Lächeln. Gewisse Bewohner würden über ein Jahr im unterirdischen Bau ausharren – praktisch ohne Sonnenlicht. "Die Menschen drehen hier durch", sagt ein anderer. Bereits fünf Personen seien ausgerastet und in die Psychiatrie eingeliefert worden.

Ob ein Zusammenhang zwischen Unterbringung und Tat besteht, kann die Aargauer Kantonspolizei noch nicht bestätigen. Mediensprecher Bernhard Graser sagt gegenüber "TeleM1": "Der Täter hat zwar Aussagen zu seinen Motiven gemacht, diese müssen jedoch erst mit jenen Aussagen von Zeugen abgeglichen werden."

Die Asylbewohner hingegen sind überzeugt, dass die unterirdische Liegenschaft den Täter in den Wahnsinn getrieben hat und erheben schwere Vorwürfe gegen den Betreiber der Unterkunft und den Kanton. (sam)