Aarau

IBAarau: Billiger Strom stellt die Energie-Ziele infrage

Verwaltungsratspräsident Jolanda Urech erklärt die Entwicklungen auf Energiemarkt; rechts CEO Hans-Kaspar Scherrer und Vorstandsmitglied Corina Eichenberger.

Verwaltungsratspräsident Jolanda Urech erklärt die Entwicklungen auf Energiemarkt; rechts CEO Hans-Kaspar Scherrer und Vorstandsmitglied Corina Eichenberger.

«Der europaweit forcierte Ausbau der erneuerbaren Energien und des staatlich unterstützten Stroms aus Kohle führen zu Überkapazitäten und Preissenkungen», sagte CEO Hans-Kaspar Scherrer an der Generalversammlung der IBAarau AG.

Die Generalversammlung der IBAarau ist durchaus ein gesellschaftlicher Anlass. Und so fanden am Donnerstagabend im Zentrum Bärenmatte in Suhr das feine Essen mit Schweinsfilettranchen auf Morchelragout und die Klänge der Musikgesellschaft fast Unterentfelden fast ebenso grosses Interesse wie die marktwirtschaftlichen und energiepolitischen Ausführungen von CEO Hans-Kaspar Scherrer und Verwaltungsratspräsident Jolanda Urech, die ja gleichzeitig Präsidentin der IBA-Hauptaktionärin, der Stadt Aarau, ist.

Die Preise für Energie sinken. «Der europaweit forcierte Ausbau der erneuerbaren Energien und des staatlich unterstützten Stroms aus Kohle führen zu weiteren Überkapazitäten und zu Preissenkungen», sagte Scherrer. Günstige Energiepreise seien ja willkommen, sie entlasteten Firmen und Haushalte. Anderseits würden sie bei Investitionen aber auch zum Risiko.

Einsprache durch Umweltverbände

Wie Scherrer weiter ausführte, wartet die IBA immer noch auf die Erneuerung der Konzession für die Stromproduktion an der Aare, die letztes Jahr abgelaufen ist. Der Kantonsrat Solothurn hat die neue Konzession Mitte Dezember erteilt, die Aargauer Regierung dieses Jahr Mitte Februar. Innerhalb der Einsprachefrist sei von WWF Schweiz, WWF Aargau und Fischereiverbänden eine Einsprache gegen den Regierungsratsentscheid des Kantons Aargau eingereicht worden. Die Umweltverbände forderten eine bessere Lösung für den Fischabstieg. «Die Einsprache wird das Projekt nochmals um einige Monate verzögern», sagte Scherrer.

Je nach Entscheid des Verwaltungsgerichts werde die IBA die Pläne nochmals modifizieren müssen. Vorsorglich habe die IBAarau die 30-jährige Verlängerungsoption der bestehenden Konzession Ende 2014 ausgeübt. Scherrer: «Wir produzieren weiter wie bisher und freuen uns an den alten bewährten Maschinen, die auch nach 60 Betriebsjahren noch immer volle Leistung bringen und während des Hochwassers ihre Robustheit unter Beweis gestellt haben.»

Die IBAarau investiert stark in erneuerbare Energien und in Fernwärme. «Wenn die Kapazität der ersten fünf Wärmeverbunde in den nächsten Jahren voll ausgeschöpft ist, wird der CO2-Ausstoss von Aarau etwa um 25 Prozent reduziert werden können», sagte der CEO der IBA. Die Wärmeverbunde betreffen die Gebiete Kasino, Torfeld Nord, Telli, Schachen und Goldern. Mit der Beteiligung an der Fernwärme AG, einer Tochtergesellschaft der KVA Buchs, prüfe die IBA die Möglichkeit, mehr Abwärme nach Aarau zu bringen.

Umsatz ging leicht zurück

Auch Verwaltungsratspräsidentin Jolanda Urech ging auf die problematische Entwicklung des Energiemarktes ein: «Wenn das Rückgrat der Schweizer Stromproduktion, die Wasserkraft, wegen der Verluste und der mangelnden Ertragskraft nicht mehr erneuert werden kann, sind die Ziele der Energiestrategie 2050 nicht erreichbar.» Zudem seien auch die rekordtiefen Preise für Öl und Benzin kein Anreiz zum Energiesparen.

Wie Urech weiter ausführte, ging der Umsatz der IBAarau Gruppe im vergangenen Jahr um 4,3 Millionen oder knapp 3 Prozent auf 147,5 Millionen Franken zurück. Grund dafür sei der reduzierte Energieabsatz, insbesondere im Bereich Erdgas. Dennoch hat die IBAarau Gruppe in allen Aktivitäten positive Jahresergebnisse erzielt und das Jahresbudget übertroffen. Die Gesamtleistung beläuft sich auf 147,5 Millionen Franken, rund 3 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Das operative Ergebnis von 16,9 Millionen Franken (minus 0,9 Millionen gegenüber dem Vorjahr) widerspiegelt die witterungsbedingten Einflüsse. Der Strom-Absatz im IBA-Netz hat um 3,9 auf 519,8 Gigawattstunden (GWh) abgenommen. «In absoluten Zahlen ging erstmals auch der Absatz der Ökostromprodukte zurück», wie Hans-Kaspar Scherrer erwähnte.

Die Aktionäre interessierte natürlich vor allem auch der Wert ihrer Aktie. «Deren innerer Wert hat sich in den letzten 13 Jahren mehr als verdoppelt und beträgt heute 1120 Franken», sagte Jolanda Urech und schlug eine Dividende von 23 Franken je Aktie von 100 Franken vor. Die Ausschüttung entspricht etwa einem Drittel des Reingewinns oder 6,9 Millionen Franken. Zwei Drittel werden in das Unternehmen reinvestiert.

Einige Verkäufe hätten den Aktienkurs unter Druck gesetzt, führte Urech aus. «Wir gehen aber davon aus, dass sich mit der positiven Geschäftsentwicklung der IBA der Kurs der Aktie wieder nach oben bewegen wird.» Obwohl die Stadt Aarau 95,5 Prozent des Aktionariats besitzt, hat die IBAarau 857 Aktionäre. Der Einladung zur Generalversammlung folgten rund 300 Aktionäre.

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