Aarau
IB Aarau sponsert Dammbau-Projekt in Kenia

Von der Kindernothilfe Schweiz erhalten 600 Frauen einer Selbsthilfegruppe in Kenia für sich und ihre Kinder Essen gegen Arbeit – bis sie der Damm ernährt. Finanziell mitgetragen wird das Projekt von der IB Aarau.

Ralph Stamm
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In Vorfreude auf die Regenzeit. Der Damm wird dafür sorgen, dass die Frauen ihre Felder bewässern können. zvg

In Vorfreude auf die Regenzeit. Der Damm wird dafür sorgen, dass die Frauen ihre Felder bewässern können. zvg

Kaum je kommt es in unseren Breitengraden vor, dass kein Wasser fliesst, wenn wir den Hahn aufdrehen. Das ist nicht überall auf der Welt so. Im kenianischen Athwana bauen zurzeit über 600 Frauen einer Selbsthilfegruppe an einem Damm, der garantieren soll, dass die Felder auch dann noch bewässert werden können, wenn rundherum alles staubtrocken ist.

Das Besondere daran: Teilfinanziert wird das Projekt durch die Bevölkerung der Region Aarau. Genauer: über das Sponsoringbudget der Industriellen Betriebe Aarau (IBA). Dieses wird durch den Gewinn aus den Strom- und Wassergebühren gespeist.

«Unser Sponsoringbudget kommt nicht nur regionalen Jugend-, Kultur- und Sportprojekten zugute, sondern auch der Entwicklungshilfe», erklärt IBA-CEO Hans-Kaspar Scherrer. «Bedingung für die Unterstützung des Wasserdammprojekts in Kenia war, dass es nachhaltig geführt wird.»

Dafür sorgt Mieke Eberhardt, Geschäftsführerin der Kindernothilfe Schweiz mit Sitz in Aarau. Vor Jahresfrist hat sie die IBA kontaktiert, um für das Wasserdammprojekt Spendengelder zu erhalten. 55000 Franken hat das Projekt gekostet. Ein Zehntel davon wird durch den Beitrag von der IBA gedeckt.

In Kenia überzeugte sie sich im November persönlich vom Nutzen des Projekts. Mit Pickel und Schaufel heben die Frauen täglich das Staubecken aus und erhalten im Gegenzug Grundnahrungsmittel wie Bohnen und Mais, um ihre Kinder zu ernähren. «Die Frauen sind enorm stolz, dass sie gemeinsam etwas schaffen, was bisher nicht einmal den lokalen Behörden gelungen ist.»

Die Kindernothilfe unterstützt nur vorübergehend, bis die Regenzeit im Oktober beginnt und sich das Staubecken füllt. Fünf Meter ist es tief und 50 mal 20 Meter breit. Das Fassungsvermögen ist gross genug, um das Ackerland all jener Frauen und ihrer Familien zu bewässern, die zurzeit am Dammbau beteiligt sind.

«Hilfe zur Selbsthilfe» nennt dies Eberhardt. Das hat auch die IBA überzeugt. «Wir wollten ein Projekt unterstützten, welches die Menschen vor Ort dazu befähigt, langfristig für sich selbst zu sorgen», so Scherrer.

Das Projekt der Kindernothilfe drängte sich im Sommer 2011 geradezu auf. Damals starben als Folge der anhaltenden Dürre am Horn von Afrika Hunderttausende von Menschen. Die Bilder der langen Menschenschlangen vor den spärlichen Wasserquellen gingen um die Welt.

Zahlreiche Hilfsorganisationen – darunter auch die Kindernothilfe – sorgten mit Hilfslieferungen für die Linderung der schlimmsten Not. Gleichzeitig suchte sie nach Möglichkeiten, Menschen mit Wasser und Lebensmitteln langfristig zu versorgen. Sichtbares Resultat ist der Wasserdamm, der noch diesen Sommer fertiggestellt werden soll.

Und dann? «Dann muss es nur noch regnen, damit sich das Staubecken füllen kann», sagt Mieke Eberhardt. «Leider liegt dies nicht in unserer Macht.»

Die IBA plant derweil bereits, ein weiteres Projekt der Kindernothilfe zu unterstützen. In einem anderen kenianischen Dorf soll eine Dieselpumpe durch eine Fotovoltaikanlage ersetzt werden, um das Grundwasser an die Oberfläche hochzupumpen. Hans-Kaspar Scherrer: «Gut möglich, dass wir auch an dieses Projekt wieder einen Beitrag leisten werden.»

Für die hiesigen Strombezüger sollte dieser Entscheid finanziell nicht ins Gewicht fallen. Dafür werden sie die nächste Stromrechnung allenfalls mit einem Gefühl der Solidarität bezahlen.