Aarau
Hotelbetten-Mangel schwächt die Kantonshauptstadt: «Wir müssen regelmässig auf umliegende Hotels verweisen»

Mit dem Ende des «Aarauerhofs» zählt Aarau gerade noch drei klassische Hotels. Das ist zu wenig. Denn so werde die Stadt als Veranstaltungsstandort massiv geschwächt.

Katja Schlegel
Drucken
Teilen
Das nun zentralste Hotel in Aarau, die «Kettenbrücke».

Das nun zentralste Hotel in Aarau, die «Kettenbrücke».

uhg

Hauptstadt des einwohnermässig viertgrössten Kantons der Schweiz, wird mit dem Ende des «Sorell Hotel Aarauerhof» künftig noch drei Hotels auf Stadtgebiet haben: das Hotel Kettenbrücke (27 Zimmer), der Gasthof zum Schützen (10 Zimmer) und das Hotel Sternen in Aarau Rohr (43 Zimmer). Bereits seit 2016 geschlossen ist das Hotel Argovia, eben erst wurden die Designapartments in der Aeschbachhalle wegen Konkurs dichtgemacht.

Aarau muss Tagungsort bleiben können

Der Verlust von Hotelbetten; eine Entwicklung, die Danièle Turkier, Geschäftsführerin des Tourismusbüros aarau info, besorgt zur Kenntnis nimmt. Denn das Angebot ist knapp: «Die Hotelbetten in der Stadt sind schon bei Normalbetrieb so gut belegt, dass wir regelmässig auf umliegende Hotels verweisen müssen. Von Grossanlässen ganz zu schweigen.»

Das Angebot in der Umgebung sei zwar gut, rasch werde aber die Lage zum Problem. Für nationale und internationale Gäste, Geschäftskunden beispielsweise, sei ein Hotel direkt am Bahnhof wichtig, sagt Danièle Turkier. «Ein Geschäftskunde, der für ein Meeting in die Schweiz fliegt und mit dem Direktzug von Kloten nach Aarau kommt, ist froh, wenn er ein zentral gelegenes Hotelzimmer hat.»

Zuwachs bei den Betten für Feriengäste

Mit der Schliessung des «Aarauerhofs» werde Aarau als Veranstaltungsstandort massiv geschwächt, sagt Danièle Turkier. Insbesondere im Sektor Tagungen und Kongresse. Und hier muss Aarau aufgrund seiner zentralen Lage weiterhin eine Rolle spielen, denn es gilt das KuK, das städtische Kultur- und Kongresshaus, auszulasten. Das wird insbesondere dann zum Thema, wenn dem KuK ab der Eröffnung der Alten Reithalle (geplant ist Oktober 2021) die Kulturveranstaltungen weitestgehend fehlen.

Während die Zahl der klassischen Hotelbetten schmilzt, konnte Aarau in den letzten Jahren einen Zuwachs bei den Betten für Feriengäste verzeichnen. «Bed and Breakfast» gibt es auf Stadtgebiet aktuell bei 16 Anbietern, dazu zahlreiche Airbnb- und andere Angebote (beispielsweise Gartenbenutzung für Zeltler).

Die Jugi fehlt schon seit Jahren

Was Aarau nebst klassischen Hotels fehlt, ist eine Jugendherberge. Zwar gab es eine bis Anfang der Neunzigerjahre; seither fehlte es aber an günstigen Übernachtungsmöglichkeiten. «Gerade dieses Jahr, da viele im eigenen Land Ferien verbracht haben, beispielsweise auf Velo- oder Wandertouren, waren solche Übernachtungsmöglichkeiten absolute Mangelware», sagt Turkier. Das Bedürfnis ist aber seit Jahren erkannt, auch seitens Stadt. Immer wieder werden entsprechende Anläufe unternommen; bisher ohne Erfolg.

So viele Übernachtungsgäste zählt Aarau

75'000 Übernachtungen hat das Tourismusbüro «aarau info» für das Jahr 2019 in Aarau und der Umgebung registriert. 72'600 Übernachtungen entfallen auf Hotels (47'400 Schweizer und 25'200 Ausländer), 2400 auf Bed and Breakfast, kurz BnB. Diese Zahlen stammen aber nur von Hotels und BnBs, die «aarau info» eine Tourismusabgabe zahlen. Diese ist freiwillig, eine obligatorische Kurtaxe kennt der Kanton Aargau nicht. Im Gegenzug erhalten die Hotels und BnBs von «aarau info» einen «Gästeverführer»; die Gäste erhalten eine Auswahl an Vergünstigungen für Aktivitäten und eine Tageskarte der A-Welle für die freie Fahrt innerhalb der gewünschten Zonen. Die effektiven Übernachtungszahlen dürften deshalb deutlich höher liegen, insbesondere in der Sparte BnB. Auch Langzeitgäste werden in dieser Statistik nicht erfasst.

Für 2020 nennt «aarau info» (bis Ende Oktober für Hotels und bis Ende Juni für BnB) folgende Zahlen: Total 35'500 Übernachtungen, davon 34'500 im Hotel (24'000 Schweizer, 10'500 Ausländer) und 1000 im BnB. Der Anteil der Übernachtungen im «Sorell Hotel Aarauerhof» in Bezug auf das Total war die letzten Jahre über beträchtlich. Den Wegfall der Betten bezeichnet «aarau info» jedenfalls als «markant». (ksc)