Aargau
Holderbank will kein Asylheim mehr – jetzt verhandelt Hofmann

Der Kanton kümmert sich ums Asylheim Holderbank – aber auch andere Gemeinden warten auf Massnahmen. So will etwa Oftringen mehr Aufsicht in den Unterkünften.

Sabine Kuster
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Holderbank will keine Asylunterkunft mehr – nun verhandelt SP-Regierungsrat Urs Hofmann

Holderbank will keine Asylunterkunft mehr – nun verhandelt SP-Regierungsrat Urs Hofmann

Keystone

Die Gemeinde Holderbank will keine Asylunterkunft mehr. Zu diesem Zweck reichte sie beim kantonalen Sozialdepartement ein Gesuch ein, denn Gemeindeammann Simon Läuchli fürchtet um das gute Image des Dorfes: Die Gemeinde habe Land zu verkaufen und ein schlechtes Image sei nicht verkaufsfördernd. Radio DRS berichtete Ende Dezember darüber.

Gegenüber der az Aargauer Zeitung sagte Läuchli, sogar in seinen Ferien in Spanien sei er auf die Asylunterkunft angesprochen worden und von der Polizei habe er gehört, Holderbank sei als Drogenumschlagplatz so bekannt, dass als Asylbewerber getarnte Drogendealer bei der Aufnahme wünschten, in Holderbank unterzukommen. Im Dezember wurde bekannt, dass das Verfahren gegen die so genannte «Holderbank-Connection», ein Dealer-Netzwerk, bis jetzt rund eine halbe Million Franken gekostet hat.

Standort Holderbank bleibt

Jetzt hat der Kanton reagiert: Regierungsrätin Susanne Hochuli teilte der Gemeinde in der Antwort des Sozialdepartementes mit, ihr Amtskollege und Polizeidirektor Urs Hofmann sei zu einem Gespräch bereit. Auch André Zumsteg, Abteilungsleiter der Kantonspolizei, wird zur Besprechung im März kommen.

«Ich schätze das Gesprächsangebot des Kantons und die Bemühungen um Lösungen», sagt Gemeindeammann Läuchli, «aber zufrieden sind wir noch nicht.» Im Brief hiess es nämlich, die Unterkunft könne vorderhand nicht aufgelöst werden.

Wichtig: Unauffällige Unterkunft

Läuchli hat Verständnis dafür, dass der Kanton auf die Schnelle keine neue Unterkunft «herbeizaubern» kann. Zudem sei die Situation im Dorf besser geworden, seit die Unterkunft nicht mehr von Securitas-Leuten überwacht werde. An deren Präsenz haben sich die Bürger im vergangenen Herbst mehr gestört als an den Asylbewerbern. Zu sehr sei das Gebäude dadurch aufgefallen, sagt Läuchli, der selbst in der Nähe wohnt. «Die Asylbewerber sind sauber angezogen und grüssen freundlich, menschlich sind sie selten ein Problem.»

Holderbanks Hauptproblem ist, dass dort abgewiesene Asylbewerber untergebracht sind. Es dauert Monate, bis sie entweder freiwillig ausreisen, ausgeschafft werden oder einfach untertauchen. Zudem liegt die Unterkunft direkt an der Hauptstrasse und sie ist mit 40 Plätzen relativ gross.

13 Aargauer Gemeinden haben aber noch mehr Asylbewerber: Buchs (160), Aarau (130), Neuenhof (90), Untersiggenthal (85), Wettingen (80), Oftringen (75), Rekingen (60), Birr (60), Wohlen (55), Kaiseraugst (55), Möhlin (50), Villmergen (50), Stein (45) – die Zahlen sind gerundet und schwanken. Die Personen sind meist auf mehrere Unterkünfte verteilt.

Gemeinden machen Druck

Viele dieser Gemeinden sind im Kontakt mit dem Kanton und wollen Verbesserungen. Untersiggenthal forderte eine bessere Betreuung und dass auch nachts jemand präsent ist. Seither gebe es weniger Probleme, sagt Gemeindeammann Marlène Koller – auch weil nun mehrheitlich Familien untergebracht sind. «Aber wir mussten zuerst Druck machen beim Kanton.» Nun wird noch ab und zu der Feuerwehralarm gedrückt, wenn Bewohner Streit haben – ein Phänomen, das die meisten Gemeinden kennen. «Das Ausrücken der Feuerwehr verrechnen wir nun dem Kanton», sagt Koller.

Lieber mehr Kontrollen

Auch Oftringen will mehr Aufsicht in den Unterkünften; die Zutrittskontrolle wurde nach Gesprächen mit dem Kanton wieder eingeführt. «So können wir im Moment mit der Situation leben», sagt Gemeindeammann Julius Fischer. «Es sind aber nur Übergangslösungen, die Probleme müssen von Grund auf diskutiert werden.» Dem stimmen auch andere Gemeinden zu: Sie sind bereit, Asylbewerber aufzunehmen, weil sie die Notwendigkeit sehen. «Einfach Nein sagen und bezahlen, das kanns auch nicht sein», findet Gemeindeschreiber Sascha Roth in Stein. Aber happy ist niemand.

Immerhin: In Aarau, Villmergen, Rekingen, Birr und Stein gibt es momentan keine Probleme. Villmergens Gemeindeschreiber Markus Meier sagt gar: «Es gibt null Probleme und wir sind mit der Betreuung zufrieden.»

In Rekingen laufe der Betrieb einwandfrei, abgesehen von seltenen Bagatellen, sagt Gemeindeschreiber Martin Hitz. «Aber wir würden gerne über die Zukunft Bescheid wissen. Es wäre besser, wenn in diesen Wohnungen Steuerzahler wohnten. Wir sind finanziell nicht auf Rosen gebettet.» Eine Antwort habe man vom Kanton nie erhalten.

In Birr funktioniere es «dank massiver Polizeipräsenz», sagt Gemeindeammann Markus Büttikofer. Ihn stört ausserdem, dass die Eigentümer solcher Unterkünfte Geld verdienen mit Liegenschaften, die sie in diesem Zustand sonst an niemanden vermieten könnten.

«Die ideale Unterkunft gibts nicht»

Die Gemeinden wünschen sich generell, dass die Unterkünfte nicht im Dorfzentrum stehen und am liebsten mit Familien belegt sind. Aus der Sicht des Kantons gibt es
die ideale Unterkunft jedoch nicht.

Magnus Hoffmann, Mitglied Steuerungsausschuss Asylwesen des Kantons, sagt: «Je nachdem, ob Familien oder Einzelpersonen untergebracht werden sollen, gibt es unterschiedliche Anforderungen an Infrastruktur und Lage.» Vor zwei Jahren noch waren die Asylunterkünfte des Kantons überfüllt. Heute sagt Hoffmann: «Wir sind immer am Suchen», aber momentan habe der Kanton genügend Plätze.