Aargauerplatz

Hoher Besuch: Aarau übt für den Staatsempfang vom Freitag

Ein Staatsempfang in Aarau ist keine alltägliche Sache und will deshalb gut vorbereitet sein. Heute Nachmittag wurde auf dem Aargauerplatz eine Hauptprobe für den Besuch des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann durchgeführt.

Passanten mögen am Nachmittag über den Aufmarsch auf dem Aargauerplatz vor dem Regierungsgebäude in Aarau etwas gestaunt haben. Die Kantonspolizei übte für einen grossen Auftritt:

Der Regierungsrat bietet am Freitag dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann einen «protokollarischen Ehrenempfang», wie das Prozedere für den Besuch eines ausländischen Regierungschefs offiziell heisst. Und dazu gehört eben auch eine Ehrengarde.

20 Mann stark wird das Detachement der Kantonspolizei Aufstellung nehmen, wenn der Bundeskanzler vorfährt und über den roten Teppich zum Regierungsgebäude schreitet. Das Spiel der Kantonspolizei wird die österreichische und die Schweizer Nationalhymne anstimmen, begrüsst werden Kanzler Faymann und seine Delegation von Landammann Roland Brogli, Landstatthalter Urs Hofmann und Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Die Bevölkerung ist eingeladen, dem würdigen Akt beizuwohnen. Die Ankunft des Bundeskanzlers ist auf 10.45 Uhr angekündigt.

Staatsbesuch auf Probe: Kantonspolizisten üben vor dem Regierungsgebäude in Aarau.

Staatsbesuch auf Probe: Kantonspolizisten üben vor dem Regierungsgebäude in Aarau.

In drei Wochen alles geritzt

Der Aargau pflegt durch die gemeinsame Vergangenheit seit jeher rege Kontakte zu Österreich und seiner diplomatischen Vertretung in der Schweiz. Der Besuch eines Regierungschefs nicht beim Bundesrat in Bern, sondern bei der Kantonsregierung in Aarau ist dennoch alles andere als alltäglich.

Dazu kam es durch die Beziehungen von Staatsschreiber Peter Grünenfelder zum österreichischen Botschafter Jürgen Meindl. Da im Nachbarland zur Diskussion steht, eine Vermögensbesteuerung ähnlich wie in der Schweiz einzuführen und dafür Entlastungen bei der Einkommenssteuer vorzunehmen, fädelten der Aargauer Staatsschreiber und der Botschafter ein Treffen von Sonderberatern des österreichischen Bundeskanzlers mit Dave Siegrist ein, dem Vorsteher der kantonalen Steuerverwaltung.

Das war erst vor einigen Wochen. Siegrists Ausführungen hatten die Gäste offensichtlich beeindruckt. Am 28. Oktober kam dann die Anfrage aus dem Bundeskanzleramt in Wien: Werner Faymann würde sich gern persönlich im Aargau über das Steuersystem – die Vermögensteuer ist eine kantonale Steuer – informieren lassen.

So eine Bitte schlägt man natürlich nicht ab. Und man hätte bei einem so hochkarätigen Treffen auch gern eine Vertretung der Landesregierung dabei. Mit Finanzministerin Eveline Widmer Schlumpf liess sich das Treffen einrichten, innert drei Wochen war der «Staatsbesuch» organisiert.

Bundeskanzler Faymann reist am Freitagmorgen mit einer rund zwölfköpfigen Delegation an. Sie wird am Flughafen Zürich von Staatslimousinen der Regierung und einem Kleinbus abgeholt und von einer Eskorte der Aargauer Kantonspolizei nach Aarau begleitet.

Für den feierlichen Empfang vor dem Regierungsgebäude hat die Kantonspolizei natürlich ein Sicherheitsdispositiv erstellt und der Bundeskanzler hat auch eigene Sicherheitsleute dabei. Die Vorkehrungen sind aber diskret, lediglich für rund eine Viertelstunde wird der Verkehr über den Aargauerplatz gesperrt sein.

Nach dem Empfangszeremoniell ziehen sich Bundeskanzler Faymann, Landammann Brogli, Landstatthalter Hofmann und Bundesrätin Widmer-Schlumpf für knapp eine halbe Stunde für einen Gedankenaustausch unter acht Augen zurück. Anschliessend folgt nach der Einführung durch Dave Siegrist das Arbeitsgespräch für die ganze Delegation.

Einen gemütlichen Teil gibt es nicht. Kein Essen, keine Besichtigung der Habsburg, null Rahmenprogramm. So um 13 Uhr herum bricht der hohe Gast schon wieder Richtung Wien auf.

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