Start-up

Hörberatung per Mausklick  – ehemalige Küttigerin trifft auch auf Skepsis

«Meine Muter ist mein grösster Fan und Kritiker» sagt Blanche Schwaller (l.) über Geschäftspartnerin Brigitte Schwaller.

«Meine Muter ist mein grösster Fan und Kritiker» sagt Blanche Schwaller (l.) über Geschäftspartnerin Brigitte Schwaller.

Das Küttiger Start-up von Blanche Schwaller ist daran, den Kauf von Hörgeräten zu vereinfachen. In fünf Jahren will die 29-Jährige die Anlaufstelle Nummer eins im Hörgeräte-Markt sein.

«Ich bin Alea, Ihre digitale Beraterin. Wie kann ich Ihnen helfen?», ploppt es im Chatfenster auf. Es beginnt eine Hörberatung der anderen Art. Denn Alea ist ein Bot: ein Computerprogramm, mit dem man sich unterhalten kann. Dieses vermittelt in wenigen Minuten geeignete Hörgeräte per Knopfdruck. Die Idee für das Küttiger Start-up Alea Hearing hatte Gründerin Blanche Schwaller (29) vor zwei Jahren beim Frühstück in Portugal.

«In der Hörberatung hat sich in Sachen Digitalisierung bis jetzt noch nicht viel getan», sagt Blanche Schwaller. Sie kennt die Branche von klein auf. Ihr Grossvater, Marco Parodi, half damals mit, das erste digitale Hörgerät auf den Schweizer Markt zu bringen. Mutter Brigitte Schwaller, Akustikerin und CVP-Grossratskandidatin, führt seit 2009 ein Geschäft für Hörberatungen. Mit ihr zusammen in den Ferien entstand die Start-up-Vision. Heute ist die Hörberatung der Mutter Partner von Alea Hearing.

Auch Gegenfragen möglich

Es funktioniert so: Normalerweise steht bei einem ärztlich bestätigten leichten Gehörverlust der Gang zum Akustiker an. Mit der im März gelaunchten Online-Hörberatung fällt dies weg. Stattdessen klickt man sich auf dem Computer oder Smartphone durch Fragen. Alea fragt etwa, wie stark der Hörverlust sei. Der Kunde wählt aus den Antwortmöglichkeiten aus und klickt beispielsweise an, er leide unter mittlerem Hörverlust. «Ich habe mir das notiert. Weiter geht es mit der nächsten Frage», schreibt der Bot unmittelbar zurück. Auch Gegenfragen sind möglich.

Nach wenigen Minuten ist die kostenlose Beratung beendet. Wer will, kann sich das passende Hörgerät direkt nach Hause bestellen. Für die Erstanpassung – den «First Fit» – muss man zusätzlich ein Bild seines Ohrs und ein Audiogramm schicken.

Das Angebot soll keine Preisdrückerei sein

Angepasst wird der Apparat von Akustikern im Partnergeschäft von Brigitte Schwaller. «Ich würde niemals jemandem einfach so ein Hörgerät verkaufen», sagt Blanche Schwaller. Bei einem zu hohen Hörverlust verweise sie an einen Arzt, und auch Preise drücken wolle sie nicht. Die Apparate kosten gleich viel wie im Laden. Allerdings: Man bezahlt nur diejenigen Leistungen, die man auch wirklich bezieht. Ist das Hörgerät etwa dreckig, packt man eine Ultraschallreinigung in den virtuellen Warenkorb und bringt den Apparat zur Post.

Traditionelle Akustiker reagieren mit Skepsis

Ziel der niederschwelligen Beratung ist unter anderem, Vorbehalte gegenüber Hörhilfen auszuräumen. «Heute sind das fast schon Lifestyle-Produkte», so Blanche Schwaller. Mit neuen Modellen könne man telefonieren und Musik hören. In fünf Jahren will die 29-Jährige die Anlaufstelle Nummer eins im Hörgeräte-Markt sein. «Zumindest online», schickt sie nach.

Der Ehrgeiz kommt nicht von ungefähr: Als Teenager war Blanche Schwaller ambitionierte Eiskunstläuferin. Während des Studiums an der HSG in Business Innovation versuchte sie sich ein erstes Mal an einem Start-up (Armreifen). Sie machte einen Austausch in Singapur und einen in Chinas Tech-Megacity Shenzhen.

Für Alea Hearing hat Blanche Schwaller ihr Pensum im Bankenwesen reduziert und Programmieren gelernt. Sie will es nicht halbpatzig machen. Doch die ehemalige Küttigerin trifft auch auf Skepsis. «Die Mehrheit der heutigen Hör­geräteträger sind keine Digital Natives», sagt die 29-Jährige. Viele Kunden wollen nicht auf eine persönliche Beratung verzichten. Einige Akustiker sehen sie als Konkurrenz. Die Alea-Gründerin rechnet damit, dass sich dies in Zukunft ändert. Sie sagt: «Und wenn es so weit ist, will ich einfach ready sein.»

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