Nutzungsplanung

Hochstammbäume gehen in Küttigen zurück – Gemeinderat will die Bäume schützen

Es gibt immer weniger Hochstammbäume in Küttigen.

Es gibt immer weniger Hochstammbäume in Küttigen.

Hochstammbaum-Schutz und Rebbau sind Themen der neuen Kulturlandplanung des Küttiger Gemeinderats.

Der Küttiger Gemeinderat legt der Gmeind am 7. Juni die komplett revidierte Nutzungsplanung Kulturland vor. Seit September 2011 wurde daran gearbeitet. Parallel dazu läuft noch immer die Moderne Melioration. Gemeindeammann Dieter Hauser: «Man kann es sich so vorstellen: Bei der Melioration werden die Grundstücke den Eigentümern sinnvoll zugeteilt. Was darauf passiert, legt die Nutzungsplanung fest.»

Die revidierte Nutzungsplanung umfasst zwei neue, spannende Elemente: Rebbauzonen und Schutzzonen für Hochstammbäume. Letztere sind im Dorf nicht unumstritten, aber aus Sicht des Gemeinderates dringend nötig. Denn die Zahl der Hochstämmer, prägende Landschaftselemente des Juras, geht in Küttigen konstant zurück: Im Jahr 1950 gab es hier fast 20 000 Hochstammbäume. Heute noch gut 1800. «Wir können nicht warten, bis sie ganz verschwinden», sagt Viktor Schmid. Er ist Mitglied der Natur- und Landschaftsschutzkommission und Mitglied der Begleitkommission für die neue Kulturlandplanung. «Unsere Landschaft wäre nicht mehr dieselbe. Und es würde Jahre dauern, die Hochstämmer zu ersetzen.»

Die Gemeinde will nun einerseits die bestehenden Exemplare schützen, andererseits aber auch Neupflanzungen fördern. Das heisst: Mit der neuen Nutzungsplanung kommt die Pflicht, einen auf Gemeindegebiet gefällten Hochstamm-Obstbaum zu ersetzen. Wenn auch nicht zwingend an Ort und Stelle. Das sichert den Bestand.

Zudem hat die Gemeinde spezielle Schutzzonen definiert, ähnlich wie über 70 weitere Gemeinden im Aargau. Hochstämmer, die in Küttiger Schutzzonen gefällt werden, müssen innerhalb der Zone neu gepflanzt werden. Ausserdem eignen sich diese Orte speziell gut zur Pflanzung zusätzlicher Hochstammbäume.

«Es besteht keine Pflanzpflicht»

Das hat im Dorf offenbar Ängste geschürt: Man befürchtet, dass die Gemeinde den Landbesitzern zusätzliche Bäume aufzwingen könnte. Der Ammann betont jedoch: «Es besteht keine Pflanzpflicht, alles ist freiwillig.» Immerhin scheint es Landbesitzer zu geben, die das gerne machen: Im Rahmen der Melioration werden nämlich in den nächsten Monaten und Jahren mehrere hundert neue Hochstämmer gepflanzt – bezahlt von Bund und Kanton.

Vermarktung wird unterstützt

Damit die Landbesitzer mit den Bäumen nicht nur viel Arbeit haben – die Bewirtschaftung von Hochstammbäumen ist aufwändig – sieht der Gemeinderat mit der neuen Kulturlandplanung finanzielle Entschädigungen vor. Dieter Hauser bezeichnet sie als «das Dessert des Projekts». Die Gemeinde zahlt zum Beispiel pro Hochstamm-Obstbaum alle drei Jahre 100 Franken – sozusagen ein Pflegegeld. Das gibt es neu auch für ökologisch wertvolle Feldbäume wie Eichen, Linden oder Vogelkirsche, allerdings nur 30 Franken. Ein «absolut neuer Ansatz» sei ausserdem, dass die Gemeinde etwas an die Vermarktung von Hochstammprodukten zahlt, sagt Dieter Hauser. Insgesamt werden pro Jahr maximal 45 000 Franken Fördergelder ausbezahlt.

Der Gemeinderat will neben den Hochstammbäumen auch den Rebbau fördern. Entsprechende Wünsche waren im Rahmen der Melioration eingegangen. Deshalb sieht der neue Kulturlandplan die Schaffung einer kommunalen Rebbauzone vor. Damit nehme die Gemeinde aktiv Einfluss auf den Rebbau und schaffe klare Grundlagen, insbesondere für die Nutzung der Infrastrukturen (Rebhäuschen) sowie die Terrassierung.

Aktuell verfügt Küttigen über 4,2 Hektaren Rebfläche auf normalen landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die Ausführungskommission der Melioration hat nun aber durch Experten abklären lassen, wo weiterer Rebbau Sinn machen würde. Unbestritten seien die Flächen «Öli», «Rümliker» und «Zwüsche de Rebe» angrenzend an den bestehenden Rebberg «Hasenberg». Zusätzlich habe sich das Gebiet «Rindele/Stöckli» als geeignet erwiesen.

Separate Revisionen nötig

Ganz alles wurde mit der nun vorliegenden revidierten Nutzungsplanung Kulturland nicht abgedeckt. Es fehlt zum Beispiel die Speziallandwirtschaftszone Waagacher. Dabei geht es um die Gärtnerei Hauenstein. Deren Areal ist in der Siedlungsplanung noch als Hochbauzone eingetragen, das hindert die Gärtnerei aber an der Entwicklung. Die Gemeinde will deshalb eine Speziallandwirtschaftszone schaffen; es fehlen aber derzeit die richtplanerischen Grundlagen vom Kanton. Dasselbe Problem besteht bei der Biogärtnerei Siegrist im Gebiet Hammermatt. Der Gemeinderat hat beide Umzonungen zurückgestellt. Sie werden zu einem späteren Zeitpunkt mit einer separaten Teilrevision Nutzungsplanung behandelt.

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