Oberentfelden
Hochbetrieb auf der Igelstation: Das Problem ist nicht der Durst allein

Im Igelspital werden derzeit fast doppelt so viele Tiere eingeliefert wie sonst im Sommer.

Rahel Plüss
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Danielle Lenzin, Leiterin der Igelstation, füttert einen geschwächten Igel.

Danielle Lenzin, Leiterin der Igelstation, füttert einen geschwächten Igel.

Aargauer Zeitung

Der Golfrasen ist sattgrün. Er scheint keinen Durst leiden zu müssen. Auch dem Biotop neben dem Stöckli ist kein Wassermangel anzusehen. Die Umgebung ist schön gestaltet, die Mitglieder des Golfclubs Entfelden freuts.

Doch mitten in der Parklandschaft, nahe Loch 15, befindet sich ein Spital, eine Notstation für kranke und verletzte Igel. Viele der Patienten, die derzeit dort behandelt werden, wurden wegen der anhaltenden Trockenheit eingeliefert. «Sie sind dehydriert, unterernährt oder total voller Maden», sagt Danielle Lenzin. Sie führt zusammen mit vielen freiwilligen Helferinnen die Oberentfelder Igelstation, an 365 Tagen im Jahr.

Im Moment herrscht Hochbetrieb: Aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit – das bisschen Regen der vergangenen Tage hat nur wenig Linderung gebracht – wurden im Juli fast doppelt so viele Igelpatienten angeliefert wie sonst.

Während gewöhnlich im Sommer pro Tag durchschnittlich ein bis zwei Igel in die Station kommen, sind es derzeit vier. Gegenwärtig werden rund 80 Tiere betreut. Danielle Lenzin schläft kaum noch. So sehr beschäftigen sie die Schicksale ihrer Tiere. «Ich überlege immer, wie ich ihnen noch helfen könnte.» Und dabei kann sie auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Seit über 30 Jahren leitet sie die Igelstation.

Maden als Folge der Hitze

Was sie aber derzeit zu Gesicht bekommt, ist wenig schön. Manch ein Igel kann nur noch durch Einschläfern von seinem Leiden erlöst werden, dann etwa, wenn das Tier bereits von Maden befallen ist. «Die Insektenlarven fressen den Igel von innen her aus», so Lenzin.

Auch die Maden sind eine Folge der Hitze: Die Igel haben es schwer, an genügend Nahrung heranzukommen, weil sich ihre Beutetiere, wie Würmer oder Schnecken, tief in der Erde verstecken. Vom Hunger getrieben, macht sich der eigentlich nachtaktive Igel auch am helllichten Tag auf Futtersuche.

Damit wird er zum leichten Opfer von Schmeissfliegen, die vorzugsweise in seinem stachelfreien Gesicht oder an seinem Hinterteil Eier ablegen. Die Fliegenlarven suchen sich anschliessend einen Weg ins Körperinnere des Igels – sein Todesurteil, wenn er nicht rechtzeitig von Eiern und Maden befreit und dann medikamentös behandelt und aufgepäppelt werden kann.