Um 17.29 Uhr war es geschafft: Mit leichtem Rückstand auf die WSB (beide Generalversammlungen fanden parallel statt) stimmte die BDWM der Fusion zu. Allerdings, und das unterscheidet die Reuss- von den West-Talern, nicht ganz einstimmig. Drei ältere Herren (anwesend waren 83 Aktionäre) wagten es, die Hand zum Nein zu erheben.

Ein wirkungsloser Protest. Denn die Hauptaktionäre Bund und Kanton (sie halten zusammen je über 50 Prozent), hatten die Annäherung in Auftrag gegeben, später die Fusion unterstützt und damit den gestrigen Entscheid vorweggenommen. Dennoch hatte BDWM-Präsident Mathias Meyer natürlich recht, wenn er «von einem historischen Moment in der Geschichte unserer Bahn» sprach.

Zukunftsprojekt Limmattalbahn

«Mit dem heutigen Tag entstand eine der grössten Privatbahnen der Schweiz», erklärte Kaspar Hemmeler, bis gestern Präsident der WSB und neu Präsident von «Aargau Verkehr». In Zahlen: 550 Mitarbeiter, 106 Millionen Franken Umsatz und 30 Millionen Fahrgäste. Die BDWM bringt relativ viel Bus (67 Fahrzeuge und 152 Mitarbeiter) in die Ehe ein. Und das grosse Zukunftsprojekt: die Limmattalbahn. Die soll «Aargau Verkehr» nicht nur betreiben, sondern mit grosser Wahrscheinlichkeit auch für deren Unterhalt zuständig sein (ab geplantem Betriebsbeginn im Jahr 2023).

Weil die Produktenamen WSB und BDWM erhalten bleiben, dürfte es «Aargau Verkehr» schwer haben, zu einem Begriff der Umgangssprache zu werden – auch wenn seine Qualität am Festakt nach den Generalversammlungen gelobt wurde. «‹Aargau Verkehr› ist der logische Namen für unser Unternehmen», erklärte Kaspar Hemmeler. Und Regierungsrat Stephan Attiger meinte: «Der Name gefällt mir ausgesprochen gut.» Er wies darauf hin, dass das Projekt eine eindrückliche Entwicklung hinter sich hat: Ursprünglich sollte es nur eine Managementgesellschaft geben, dann wurde daraus auf Wunsch der Direktinvolvierten eine Fusion. «Aus dem Bummelzug wurde ein Schnellzug», sagte Attiger.

Neuer Firmenarbeitsvertrag

Die Farbe von «Aargau Verkehr» ist ein leicht gräuliches Blau. Wie die Züge aussehen werden, wird man morgen wissen: beim Rollout der ersten Komposition. Für die Angestellten viel wichtiger ist, was die Fusion für sie bei Arbeitsbedingungen (Löhne etc.) und bei der Pensionskasse für Auswirkungen hat. Severin Rangosch, der gewesene CEO der BDWM und erste CEO von «Aargau Verkehr», gab gestern bekannt, dass am 11. Juli ein neuer Firmenarbeitsvertrag unterzeichnet wird: «Wir haben es geschafft, die beiden Systeme zusammenzubringen, ohne dass es Verlierer gibt bei der Belegschaft.» Ab Januar 2020 soll es dann auch eine gemeinsame Pensionskasse geben. Rangosch arbeitet bereits jetzt vier Tage die Woche am neuen Hauptsitz in Aarau und nur noch einen Tag in Bremgarten.

Zum historischen Moment gab es zur BDWM einen ausführlichen historischen Rückblick: 1886 Betriebsaufnahme Wohlen–Bremgarten West; 1902 Bremgarten-Dietikon; 1912 Brückenschlag in Bremgarten; 1916 Wohlen-Meisterschwanden (eingestellt 1997). Und im Westen: 1901 Aarau-Schöftland; 1904 Aarau-Menziken.