Aarau

Hirntumor: Der erschütternde Abschied der Vegan-Köchin

Mit diesem Foto berichtete die AZ am 11. Mai ein letztes Mal über Brigitte Herde. Sie präsentierte ihre neueste Geschäftsidee: vegan picknicken.

Die bekannte Verfechterin von Nachhaltigkeit und veganer Ernährung aus Aarau, Brigitte Herde starb im Alter von 54 Jahren. Sie hat auf Facebook den Kampf gegen den Krebs dokumentiert.

Sie war eine feurige Verfechterin gelebter Nachhaltigkeit, brauchte pro Jahr höchstens vier 17-Liter-Kehrichtsäcke. Sie war vorübergehend Geschäftsführerin des Ladens «Unverpackt» in Aarau, ass nicht nur vegan, sondern schrieb auch ein Buch für veganes Kochen. Kurz: Sie lebte so, wie man leben müsste.

Und nun musste Brigitte Herde im Alter von erst 54 Jahren gehen. «Brigitte ist am Abend des 28. Oktobers 2019 nach kurzer, schwerer Krankheit friedlich verstorben», schrieben die Angehörigen der beliebten Aarauerin in deren öffentlichem Facebook-Profil. Dort hat Brigitte Herde ihren Kampf gegen den Krebs im Detail aufgeschrieben. Die AZ dokumentiert auszugsweise wichtige Einträge:

3. Juni: «Dass s Lebe endlich esch, wüsse mir alli. Und dass es sehr unberechebar und unplant cha zueschloh ebenfalls. Be mir esch en bösartige Hirntumor diagnostiziert wurde, wo uf Grund vo de Art, de Grössi und de Lag ned cha opereriert werde.»

12. Juni: «Die Frag ‹wie gohts dir?› wird i i mim ganze Lebe nie meh stelle und nie meh beantworte. Was denke der do usse, wies eim echt i dere Situation goht? De Umständ entsprechend, was esch das für en scheiss Antwort.»

21. Juni: «I hoffe ihr Mensche do usse gspüre was für en Riesestütze ihr mir grad sind. I werde liebevollst treit vo minere Familie, mine Chind, mine Fründe und mine Kollege.»

22. Juni: «Am Montag entscheidet sich vielleicht wohin ich weiterziehen darf. Das KSA ist ein Akutspital und da bin ich als Palliativfall natürlich nicht am richtigen Ort.»

1. Juli: Umzug vom Spital ins Pflegeheim.

4. Juli: «Klar, mini Diagnose Hirntumor, vor 6 Woche, Stadium 4 vo 4, tönt scho chli krass. Ha aber au mitere Chemo (ich! Wo ned emole es Aspirin esse ...) und bestrahle agfange, well die prophezeite paar Wücheli sind mir den scho echli z sureal und z kurz gsi.»

5. Juli: «I wünsche allne in und um Aarau en wunderschöne Maienzug. Fürs nöchschte Johr chönd ihr jetzt scho für mich es Vegi-Menu am Bankett bstelle.»

11. Juli «Mit dem Satz, ‹wir wollen Ihnen keine falschen Hoffnungen machen›, wird jede Hoffnung automatisch (fast) zerstört. Bitte ersatzlos aus jedem Wortschatz streichen. Sofort. Merci.»

13. Juli: «Klar weiss ich, dass Haare nachwachsen. Trotzdem hat mich widererwarten der Haarverlust extremst erschüttert.»

19. Juli: «Ihr gsänd, es hed fasch kei Platz für meh Post do im Lindefeld. Es esch so schön, dass do usse sovell Lüt a mich denke und sich Ziet näme mir z schriebe oder sosch es Zeiche gend.»

23. Juli: «Wenn das Standortgespräch NICHT mit dem Satz ‹wir sehen keine Heilungschance› (was zwar immer noch so interpretiert, aber nicht mehr ausgesprochen wird) beginnt und NICHT mit dem Satz ‹falls wir es bis dorthin schaffen› endet, ist es ein sehr gutes Gespräch.»

5. August: «Hirntumor im Endstadium. Diese Worte haben mich heute, einmal mehr, komplett aus den Schuhen gekippt. Klar, diese Diagnose kenne ich seit dem 1.6., trotzdem kann ich es einfach nicht glauben. Und jetzt versuche ich diese Aussage wieder aus meinem Kopf zu bekommen und hoffe, nach der Meditation, auf einen ruhigen Schlaf. Gute Nacht.»

22. August: «Also, dass ich mich einmal so freue das Aarauer Ortsschild, und diesmal nicht aus einem Rettungswagen, wieder zu sehen, hätte ich also nicht gedacht. Ab heute atme ich wieder Aarauer Luft.»

18. September: «Guet Nacht ihr liebe Mönsche do usse. Vell zmüed zum öppis schriebe. Herzlichi Guetnachtgrüess wieder us Zofige.»

23. September (letzter Eintrag): «En wölklige Guetnachthimmel us Zofige. Genüssed die schön Obigstimmig. Hoffentli grüess i au gli wieder us Aarau. Dume drücke, merci.»

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