Aarau/Buchs
«Hintergehen des Stimmvolks»: Parlamentarier kritisieren Kreisschulpflege

Nadja Rohner
Drucken
Teilen
Kleinklassen sind an der Kreisschule Aarau-Buchs nicht vorgesehen. Das erregt Unmut. (Archivbild)

Kleinklassen sind an der Kreisschule Aarau-Buchs nicht vorgesehen. Das erregt Unmut. (Archivbild)

Sandra Ardizzone

Falls die Schulpflege der Kreisschule Aarau-Buchs der Ansicht war, ihr Entschluss, künftig eine «integrative» Schule sein zu wollen, werde ohne Murren zur Kenntnis genommen, weiss sie nun: Diese Hoffnung war vergebens. Anfang Jahr hatte die Kreisschulpflege ihre strategischen Schwerpunkte für die laufende Legislatur (bis 2022) verabschiedet und darin festgehalten, dass künftig «alle Kinder in Regelklassen unterrichtet werden» sollen. Also auch die, die besondere Betreuung brauchen. Sie wurden in der alten Schule Aarau integrativ unterrichtet (in der normalen Klasse), an der Kreisschule Buchs-Rohr in Kleinklassen. Derzeit gibt es im ersten Jahr nach der Schulfusion noch beide Formen, aber für wie lange? Im Interview mit der AZ (9. 3.) erklärte Schulpflegepräsident Daniel Fondado (Pro Aarau): «Das Führen von Kleinklassen, wie es sie an der Kreisschule Buchs-Rohr gegeben hat, ist nicht vorgesehen.»

Diese Ankündigung hat in beiden Gemeinden für Konsternation gesorgt. In Buchs, wo die Skepsis gegen die neue Kreisschule so gross war, dass die Fusion mit nur 21 Ja-Stimmen mehr zustande kam, sagte Einwohnerrat Reto Fischer (parteilos) letzte Woche an der Parlamentssitzung, die Buchser Stimmbürger seien «geblendet» worden. Denn im Bericht zur Ausarbeitungsphase der Kreisschule war noch vorgeschlagen worden, künftig beide Modelle der Sonderpädagogik – integrativ und Kleinklasse – beizubehalten. Ebenso sei das im «Buchser Boten» so propagiert worden. Im Rat erhielt Fischer Support von diversen anderen Ratsmitgliedern. Er hat nun, Zusammen mit den anderen Einwohnerrats-Parteien, eine Anfrage an die Schulpflege geschickt. Drei Anfragen zum selben Thema sind bei der Kreisschulpflege schon durch Kreisschulräte eingegangen. Und nun schickt Kreisschulrätin Nicole Burger (SVP, Aarau) noch eine Motion hinterher. Damit soll die Kreisschulpflege beauftragt werden, dem Kreisschulrat einen Reglementsentwurf zur Sonderpädagogik vorzulegen. Zwar stellt sich die Kreisschulpflege auf den Standpunkt, sie alleine sei für die Festlegung der Strategie verantwortlich, es gebe «keine politische Mitbestimmung». Nicole Burger argumentiert jedoch, es handle sich um einen Entscheid mit grosser Tragweite und es bedürfe eines vom Parlament abgesegneten Reglements.

Burger zitiert die Botschaft zur Urnenabstimmung für die Schulfusion: «Die Einführung der kombinierten Sonderpädagogik, bestehend aus Kleinklassen und integrativer Schulung, ist trotz der anspruchsvollen Zuteilung der Schüler/-innen aus pädagogischer Sicht eine Chance.» Dem Stimmvolk sei also suggeriert worden, es gebe ein Kombi-Modell. «Ein solches Hintergehen des Stimmvolks ist nicht opportun.»

Sowohl Nicole Burger als auch Reto Fischer monieren ausserdem, dass vor dem Strategie-Entscheid der Kreisschulpflege keine externe Evaluation der beiden Sonderpädagogik-Modelle stattgefunden hat. Tatsächlich schrieb die Schulpflege schon auf eine Anfrage hin, sie habe den Entscheid ohne externe Evaluation, aber «mit grosser Umsicht und abgestützt auf wissenschaftliche Fachartikel sowie im Austausch mit der Geschäftsführung getroffen». Weitere Betroffene seien nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen worden; Lehrerschaft und Schulleitung würden bei der Ausarbeitung der Massnahmen angehört. «Zeigen sich im Rahmen der Umsetzungsplanung relevante Auswirkungen im Kompetenzbereich des Kreisschulrates (Reglemente und Finanzierung), wird eine angemessene Berücksichtigung des Kreisschulrates vorgenommen.»

Öffentliche Kreisschulratssitzung: 11. 4., 19.30 Uhr, Aula Stäpflischulhaus Aarau Rohr.

Aktuelle Nachrichten