Aarau
Hinterfeld: «Muss unsere Wiese wirklich weg?»

Im Hinterfeld im Stadtteil Rohr ist eine der letzten Bauland-Wiesen, zu der die Stadt Aarau durch die Fusion mit Rohr gekommen ist. Die Anwohner am östlichsten Rand von Aarau sind nicht begeistert ob den Bebauungsplänen der Stadt.

Sabine Kuster
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Östlicher Stadtrand Aarau
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Punkthäuser: Bis 10-geschossig, Richtung Wald ansteigend, Dichte 0,7 bis 1,4. Beispiel: Goldernblöcke.
Unterschiedlich ausgerichtete Baukörper: Dichte 0,7 bis 0,8. Beispiel: Siebenmatten im Stadtteil Rohr.
Zeilenbauten: 3- bis 4-geschossig, Dichte 1 bis 1,1. Beispiel: Herzbergsiedlung und Torfeld Süd (im Bau).

Östlicher Stadtrand Aarau

Sabine Kuster

Sie versuchten das fast Unmögliche am Montagabend, das Stadtbauamt und der zuständige Stadtrat Lukas Pfisterer: Dass die Rohrer es gut finden, wenn sich künftig vor ihrer Nase Wände erheben, statt sich eine Wiese ausbreitet.

Es ist eine spezielle Wiese – das letzte unüberbaute Bauland in Aarau, zu dem die Stadt durch die Fusion mit Rohr gekommen ist.

Die Aarenau im Scheibenschachen war die zweitletzte Bauland-Wiese. Danach bleiben Aarau nur noch Industrieareale zur Verdichtung: das Torfeld und die Telli.

Keine Einfamilienhäuser geplant

Bereits 1991 liess die damalige Gemeinde Rohr das Land einzonen, zur Bauzone W2 (zweistöckiges Wohnen). Doch an Einfamilienhäuser denkt heute niemand mehr, zu gross ist der Druck der Zuwanderung. Das Gebiet soll eine Spezialbauzone werden.

Das Stadtbauamt präsentierte in der Auenhalle in Rohr drei Bebauungsformen, die auch kombiniert werden können: Zeilenbauten, höhere Punkthäuser und unterschiedlich ausgerichtete Baukörper. Bloss Ideen seien das, betonte Lukas Pfisterer mehrfach. «Jetzt sind Sie dran uns zu sagen, was Sie wollen», sagte er.

Östlicher Stadtteil Rohr – Das Hinterfeld

Grösse: 4,5 Hektaren (gut sechs Fussballfelder)

Wohnraum: Geplant sind 240 bis 275 Wohnungen für rund 500 Einwohner.

Dichte: Die Bebauungsdichte soll sich je nach Form zwischen 0,7 und 1,4 bewegen. Bei der Dichte 1,0 wäre ein Areal einstöckig komplett überbaut, zweistöckig bis zur Hälfte.

Landbesitzer: 80% des Landes gehören der Stadt und den Ortsbürgern, der Rest gehört drei privaten Eigentümern. 2017 ist die Landumlegung geplant, damit bebaubare Parzellen entstehen.

Bauherr: Ob die Stadt das Land selbst bebaut oder im Baurecht abgeben wird, ist noch nicht klar. Wenig wahrscheinlich ist ein Landverkauf.

Zeitpunkt: Etappenweise ab 2020. Die Wiese soll 2019 noch fürs eidgenössische Turnfest genutzt werden.

Vernehmlassung: Fragebögen können im Stadtbüro bezogen oder online bis am 31. Mai ausgefüllt werden unter www.aarau.ch/hinterfeld.

Bloss, die meisten Anwohner wollen keine der drei Varianten. Am liebsten wollen sie den Status quo, die Wiese, behalten. Und so war die Diskussion nach der Projekt-Präsentation ganz grundsätzlich: «Warum ist mehr Dichte überhaupt nötig?», fragte der erste Rohrer, mehrere wiederholten die Frage.

Besser in Aarau als im Wynental

«Der Aargau wird voraussichtlich um 100 000 Personen wachsen, ohne dass er sich dagegen wehren kann», sagte Stadtbaumeister Felix Fuchs, «wir leisten mit mehr Dichte einen Beitrag dazu, dass Randregionen nicht zum Siedlungsbrei verbaut werden.»

Die dortigen Gemeinden gerieten oft in finanzielle Schwierigkeiten, wenn eine neue Infrastruktur erstellt werden müsse. In Aarau bestehe sie bereits, also mache es hier Sinn, den neuen Wohnraum zu schaffen. Zudem sei die Nachfrage nach Wohnraum zum Beispiel im Wynental viel geringer als in Aarau.

Unbeirrt meinte einer der Anwesenden: «Wenn man den Wohnraum hier nicht anbietet, kann auch niemand wohnen kommen.»

«Die Leute wollen nach Aarau», sagte Stadtrat Pfisterer und wies darauf hin dass die Rückzonung kein Thema sei.

Dafür werde der Stadtteil belebter, wenn mehr Leute in Rohr wohnten, nannte Pfisterer einen Vorteil, nachdem ein Anwohner bemängelt hatte, er habe hier keinen Hausarzt gefunden, die Infrastruktur sei zu schlecht.

«Die Infrastruktur kommt mit einer gewissen Anzahl Leute», bekräftigte Stadtentwickler Kurt Schneider. Die Anwohner hielten dagegen: «Der Busfahrplan ist schon heute dicht, und morgens stauen sich die Autos Richtung Aarau.»

Bünten sollen bleiben

Wohl nur eine Sorge konnte das Stadtbauamt an diesem Abend in der Auenhalle aus dem Weg räumen: Die Schrebergärten sollen erhalten werden. Sie sind auch auf den provisorischen Bebauungsplänen bereits eingezeichnet.

Es war nicht so, dass die Rohrer die Sache mit dem Bevölkerungswachstum in der Schweiz nicht verstanden hätten.

Aber auf mehr Nachbarn in Rohr, darauf würden sie lieber verzichten. Dass ihnen ihr Stadtteil am Herzen liegt, zeigte die Anzahl erschienenen Anwohner am Montagabend: über hundert.

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