Das letzte Wochenende vor Weihnachten. Schon vormittags sind die Gänge der Migros im Wynecenter Buchs mit vollen Einkaufswagen und noch mehr Menschen verstopft.

Mit Einkaufszettel, Stift und Brille auf der Nase versuchen einige, dem Getümmel möglichst schnell wieder zu entweichen, während weniger Organisierte den Regalen entlangstiefeln, auch mal Zusatzschlaufen drehen und ihre Waren eher zufällig im Einkaufswagen landen.

An der Kasse dann liegen die Errungenschaften auf dem Fliessband – ausgebreitet vor den Augen aller. Was der Herr wohl mit so viel Salzigem vorhat? Lockt ein Fernsehabend mit Bier und Chips auf der Couch? Und wie soll der Billigschinken zum Bio-Gemüse passen? Die az bat drei Einkäufer, die Geschichten zu ihrem Einkaufskorb zu erzählen.

Der Veganer mit der Fertigpizza

Der Veganer mit der Fertigpizza

Der Veganer mit der Fertigpizza

Nicola Waldmeier aus Unterentfelden ist es überhaupt nicht peinlich, Fremde in seinen Einkaufskorb «spienzle» zu lassen. Im Korb liegen schon diverse Bio-Müesli, Körner und Früchte. Er braucht nur noch ein neues Putzmittel. Er ist seit drei Jahren Vegetarier, «und zu 90 Prozent bin ich auch Veganer». Zu den restlichen 10 Prozent zählt er die Fertigpizzen, von denen er sich nebst viel Obst und Gemüse ernährt. Wie passen Aufbackpizza und Bioprodukte denn zusammen? «Ich kann halt nicht kochen, was bleibt mir da anderes übrig?», sagt der Mann, von Beruf Mediensprecher. Ethische Gründe hätten ihn dazu bewogen, vollständig auf Fleisch zu verzichten. «Schwer fällt mir das Widerstehen nur beim Grillieren. Am besten gehe ich einfach an keine Grillpartys mehr.» Auf die Bemerkung hin, dass sein Einkauf nicht aussehe, als hätte er ein weihnachtliches Festmahl vorzubereiten, sagt Waldmeier: «Ich bin alleinstehend. Für mich ist Weihnachten ein Tag wie jeder andere.»

Schweinsfüsse nach baskischem Rezept

Schweinsfüsse nach baskischem Rezept

Schweinsfüsse nach baskischem Rezept

Das Seniorenehepaar schaut sich gerade einen Dampfkochtopf zum halben Preis an. «Unsere Bekannte könnte noch einen solchen gebrauchen, aber ob er ihr nicht zu klein ist?», werweissen Albrecht und Liselotte Wyss-Kolly, Olten. Die beiden sind sehr gezielte Einkäufer: In ihrem Einkaufskorb liegen gerade mal vier Produkte. Die zwei Pack Schweinsfüsse werden sie nach einem Rezept aus dem Baskenland mit einer Vinaigrette-Sauce anrichten, und eigentlich hätten sie lieber Glace-Cornets anstatt den Rosenkuchen gekauft. «Doch für ein Fünferpack sechs Franken zu bezahlen, das ist völlig überrissen», kommentiert der 68-Jährige. Die beiden kommen öfters ins Wynecenter, «vor allem wegen dem herzigen Restaurant». So gibts immer nach dem Einkaufen noch einen Kaffee und ein Dessert. Den Samstagabend feierte das Ehepaar dann bei Rotwein und Rehschnitzel: «Vor genau 42 Jahren haben wir uns verlobt, da kann man sich schon etwas gönnen!»

Mayonnaise für die deutsche Schwägerin

Mayonnaise für die deutsche Schwägerin

Mayonnaise für die deutsche Schwägerin

Christiane Nüchel aus Hägglingen braucht nicht mehr viel vor Weihnachten. Sie geht bald nach Deutschland zu ihrem Mann und der Familie. Hat sie denn schon alle Mitbringsel beisammen? «Jetzt schon! Die Mayonnaise ist für die Schwägerin, denn so gut wie diese ist keine Sorte in Deutschland», sagt Nüchel. Das Fondue und die Schokolade seien für ihren Mann – «obwohl es meiner Meinung nach in jedem Land guten Käse und Schokolade gibt.» Für die Lehrerin ist Einkaufen pure Entspannung. «Der Einkauf hier im Wynecenter ist für mich wie ein kleiner Ausflug. Ich bringe meine Kleider zum Bügeln hierhin und kann gleichzeitig für die ganze Woche einkaufen.» Nur während der Arbeit reichts manchmal nicht für ein ausgewogenes Mittagessen: «Dann muss meist ein Sandwich vom Volg genügen.» In der Küche lässt Christiane Nüchel ihren Mann wirken: «Er wird mich an Weihnachten bekochen, wie eigentlich immer. Ich muss dann nur noch assistieren und natürlich seine Hinterlassenschaften aufräumen.»