Unterentfelden
Hier lernen Flüchtlinge «Christkindli» sagen: «Wir feiern bei uns Zuhause auch Weihnachten»

Die Deutschkurse im Staufferhaus erfreuen sich grosser Beliebtheit. Seit zwei Jahren gibt es das Angebot der Deutschkurse in Unterentfelden. Angefangen hat alles mit einem Znacht mit den Asylsuchenden aus dem Dorf.

Melanie Eichenberger
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Susanne Hongler lernt mit ihren eritreischen Schülerinnen Abeba (l.) und Nexthi lesen.

Susanne Hongler lernt mit ihren eritreischen Schülerinnen Abeba (l.) und Nexthi lesen.

Melanie Eichenberger

Im Dezember dreht sich in den Deutschstunden für Flüchtlinge in Unterentfelden alles um das Weihnachts-Vokabular. So haben die Lehrpersonen im Advent extra Nüsse, Mandarinli und Schokolade mitgebracht.

Bevors aber in der Zvieri-Pause ans Verzehren des mitgebrachten Proviants geht, erklären die Lehrer ihren Schülerinnen die schweizerischen Weihnachtsbräuche. Nexthi (45) aus Eritrea ist schon seit zehn Jahren in der Schweiz und putzt das Staufferhaus, wo die Deutschkurse stattfinden. «Wir feiern bei uns Zuhause auch Weihnachten», erklärt sie — jedoch nach orthodoxem Kalender erst im Januar.

MuKi-Kurs ist ein Bedürfnis

Seit zwei Jahren gibt es das Angebot der Deutschkurse in Unterentfelden. Der Verein Staufferhaus hat 2015 alle Asylsuchenden aus Unterentfelden zu einem Znacht eingeladen. Dabei wollten sie herausfinden, welche Bedürfnisse aufseiten der Flüchtlinge bestehen, damit sie sich in der Dorfgemeinschaft integriert fühlen. «Deutsch lernen — das war das Hauptanliegen der rund 30 Flüchtlinge, die damals zum Znacht kamen», sagt Alfred Stiner, Vertreter der Integrationskommission der Gemeinde Unterentfelden.

Der Verein handelte und rief einen Deutschkurs ins Leben. Bald wurde aber festgestellt, dass von den rund 18 Schülern keine einzige Frau von diesem Angebot Gebrauch machte. Schnell wurde klar warum: Sie konnten am Abend nicht aus dem Haus, weil sie auf die Kinder aufpassten.

So wurde ein zusätzlicher Kurs für Frauen mit gleichzeitiger Kinderbetreuung organisiert. Mittlerweile nutzen vier bis fünf Frauen diesen MuKi-Kurs am Mittwochnachmittag. «Nur die Pünktlichkeit ist noch ein bisschen schwierig für sie», so Stiner. Das müssten sie noch üben. Motiviert seien sie aber sehr.

«Mir ist es vor allem wichtig, dass meine Schülerinnen die Strassenschilder lesen können, damit sie hier den Rank finden», sagt Susanne Hongler (78) und bittet ihre eritreische Schülerin Abeba, das nächste Wort vorzulesen. Die pensionierte Lehrerin ist eine von drei Lehrpersonen, die einmal pro Woche den weiblichen Asylsuchenden Deutsch beibringt. Dazu kommen zwei Freiwillige, die unterdessen die Kinder betreuen und Alfred Stiner, der noch bis Ende Jahr für die Kurse verantwortlich und ab 2018 SP-Gemeinderat ist.

Die Lernwilligen sind in zwei Gruppen aufgeteilt. Diejenigen, die schon ein bisschen besser Deutsch können, werden von Hanni und Franz Wegmann begleitet. Das pensionierte Ehepaar wollte sich sozial engagieren und hat sich deshalb als freiwillige Lehrer gemeldet. «So können wir einen aktiven Beitrag zur Integration leisten», sagt Franz Wegmann.

Die Stimmung ist nicht nur beim Zvieri herzlich. Im Unterricht wird gelesen, geklatscht, geübt und gelacht. «Hier gefällt es uns», sagt Nexthi.