Aarau/Erlinsbach
Hier ist der Frauen-Fussball schlagkräftig

Vor zehn Jahren haben sich der FC Erlinsbach und der BSC Zelgli zu einer Gruppierung zusammengeschlossen. Seit zwei Jahren gehört auch der FC Aarau dazu. Warum hier der Frauenfussball boomt.

Sabine Kuster
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Martina Schwaller (roter Dress) spielt in der Nati-B-Mannschaft des FC Aarau, rechts Juniorinnen-Trainerin Delia Rütimann. Ihre Förderer sitzen auf der Bank: Andreas Zürcher (FC Aarau), Thomas Müller (BSC Zelgli), Daniel Wuffli (FC Erlinsbach). kus

Martina Schwaller (roter Dress) spielt in der Nati-B-Mannschaft des FC Aarau, rechts Juniorinnen-Trainerin Delia Rütimann. Ihre Förderer sitzen auf der Bank: Andreas Zürcher (FC Aarau), Thomas Müller (BSC Zelgli), Daniel Wuffli (FC Erlinsbach). kus

Sabine Kuster

Wo spielen am meisten Frauen Fussball im Kanton, vielleicht sogar schweizweit? In Aarau und Erlinsbach. Vor zehn Jahren haben sich der FC Erlinsbach und der BSC Zelgli zu einer Gruppierung zusammengeschlossen. Seit zwei Jahren gehört auch der FC Aarau dazu.

Die Zusammenarbeit ist das Erfolgsrezept: Rund 220 Spielerinnen hat diese Frauenabteilung mittlerweile und es werden ständig mehr. Denn hier kann beispielsweise eine 16-Jährige in neun verschiedenen Teams zum Einsatz kommen – ohne Vereinswechsel. «Das ist für die Spielerinnen attraktiv», sagt Thomas Müller, Präsident des BSC Zelgli und Trainer beim FC Erlinsbach.

Mädchen wollen sich kennen

Und nicht nur das: Weil sich die Spielerinnen kennen, verliert diese Frauenabteilung viel weniger Mitglieder, wenn die Spielerinnen älter werden und die Mannschaften wechseln müssen. «Buben wollen im Fussball einfach Karriere machen», sagt Müller, «Mädchen wollen oft nicht in eine neue Mannschaft, wenn sie niemanden kennen.»

In der Gruppierung Zelgli-Erlinsbach-Aarau aber können gute Spielerinnen ein paar mal zum Beispiel in der U19-Mannschaft trainieren, und – wenns nicht klappt – einfach wieder in die alte Mannschaft zurückkehren.

Die Nati-B-Mannschaft des FCA schaffte es in der letzten Saison ins vordere Mittelfeld. Nächstes Jahr sind die Aufstiegsspiele das Ziel. Auch von Martina Schwaller. Die 18-jährige Kantischülerin hat als Kind mit den Nachbarsbuben Fussball gespielt, weil Mädchen beim FC noch ungewöhnlich waren, und fand erst in der Bezirksschule über den BSC Zelgli zum Vereinsfussball. Zuerst spielte sie in einer Basketball-Mannschaft, aber sie sagt: «Fussball macht einfach mehr Spass, ich will tschutten, seit ich klein war.» Sie wurde mit ihrer Mannschaft schon zwei mal Aargauer Meister und stand einmal im Schweizer Juniorinnen-Cup-Final. Schon klar, ist sie vor einer Woche morgens um 4 Uhr aufgestanden um das WM-Spiel Schweiz - Japan zu sehen. Ramona Bachmann ist ihr Vorbild.

An die laufende Frauenfussball-WM möchten die drei Vereine nun anknüpfen, um ihre Frauenabteilung noch bekannter zu machen. Denn Frauenfussball ist auch hier keine Nischensportart mehr. «Wenn die Vereinsstruktur da ist, läuft es fast von alleine», sagt Daniel Wuffli, Präsident des FC Erlinsbach. «Jene Mädchen, die Lust haben, Fussball zu spielen, die kommen heute einfach, sie trauen sich», sagt Delia Rütimann. Die Rombacherin spielte schon mit sieben Jahren im FC Erlinsbach. Heute ist die 20-Jährige selber Trainerin im BSC Zelgli.

«Das ist Leistungssport»

Dass Frauenfussball zum Männerfussball als gleichwertig angeschaut wird, das ist hingegen noch nicht geschafft. «Die Mädchen trainieren bei uns bis zu sechsmal pro Woche», sagt Andras Zürcher, technischer Leiter des Frauenfussballs beim FCA. «Das ist Leistungssport und soll nicht belächelt werden.»

Und dann sind da noch Details, welche die Unterschiede zeigen: In Erlinsbach haben die Frauen seit acht Jahren eigene Duschen. Im Schachen müssen sie hingegen oft die nahegelegenen Garderoben im Leichtathletikstadion benutzen. Und bei der Regel, wer Priorität bei der Nutzung des Kunstrasenplatzes hat, rangiert die Nati-B der Frauen nur an 6. Stelle vor der 3. Liga der Männer.

Bez als Fussballerin-Schmiede

Übrigens: Die Häufung von Bez- und Kantischülerinnen ist in Aarau und Erlinsbach kein Zufall: Thomas Müller ist an der Bez Aarau Turnlehrer, und wer sich talentiert zeigt, dem wird der BSC Zelgli empfohlen. Bis sie maximal 17 Jahre alt sind, dürfen die jungen Frauen dort mitspielen, dann wechseln sie zum FC Erlinsbach oder zum FC Aarau. Doch jung sind alle Mannschaften, selbst in der Nati-B-Mannschaft. 17,3 Jahre habe es beim letzten Cup-Spiel betragen, hat Andreas Zürcher ausgerechnet.