Küttigen
Heute strahlte der Glanz von Esther Süss wieder im Küttiger Schulhaus

Im Schulhaus Dorf gratulieren die Mädchen und Buben ihrer erfolgreichen Lehrerin Esther Süss. Ihr erster Schultag, sagt Esther Süss, habe sie nach ihrer Ankunft in der Schweiz am Montagnachmittag schnell in die Realität zurückgeholt.

Heidi Hess
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Die Schulkinder stehen für Esther Süss Spalier
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Esther Süss erreicht das letzte Tor auf dem Pausenplatz
Glückwunsch-Transparent am Schulhaus Dorf in Küttigen
Esther Süss lacht mit den Schulkindern um die Wette
Mountainbikerin Esther Süss wird in der Schule in Küttigen empfangen
Strahlende Olympiafünfte vor dem Schulhaus in Küttigen

Die Schulkinder stehen für Esther Süss Spalier

Christoph Voellmy

Die ersten Primarschülerinnen und Primarschüler stehen schon vor der Türe des Schulzimmers. Ganz aufgeregt sind sie. Gleich läutet es zur Pause, die Überraschung, der grosse Moment naht. Drinnen unterrichtet Esther Süss seit zwei Stunden Textiles Werken (TW).

Später wird sie erzählen, dass sie in diesen ersten beiden Lektionen nach ihrer Rückkehr aus London nicht so sehr unterrichtet, als vielmehr Fragen - «Wie war das? Wie viel mussten Sie fahren?» - beantwortet, Gratulationen von den Mädchen und Buben entgegengenommen und ihnen auch Bilder von ihrem Mountainbike-Rennen an den Olympischen Spielen gezeigt habe.

In Wellen wird es währenddessen vor der Türe lauter. Die Lehrerinnen im Schulhaus Dorf in Küttigen mahnen immer wieder, den Zeigefinger auf den Lippen, zur Ruhe. Schliesslich, um 9.55 Uhr, klopft Doris Gebert, die sich das TW-Pensum mit Esther Süss teilt und ihr so ein Maximum an Flexibilität für Spezialtrainings und die Teilnahme an Wettkämpfen ermöglicht, an die Tür.

Die Olympiafünfte öffnet. Erstaunen spiegelt sich in ihrem Gesicht. Im nächsten Moment aber wird es von einem fröhlichen Lachen abgelöst. Gleichzeitig fliegen im Treppenhaus die Arme der Schulkinder in die Höhe. Für ihre erfolgreiche Lehrerin formen sie einen Spalier. Dieser Spalier führt vom zweiten Stock, wo das Schulzimmer von Süss und Gebert liegt, über zwei Treppen bis auf den Pausenplatz hinunter. Die Arme der Kinder reichen selten weit hoch: Die Sportlerin muss sich ducken.

Alle kennen Esther Süss

Beim letzten Törchen angekommen, empfängt sie die Schulpflegepräsidentin Daniela Marti auf dem Pausenplatz mit einem Blumenstrauss und gratuliert. Auch die Lehrerkolleginnen und -kollegen beglückwünschen sie. Für mehr reicht es im Moment nicht. Sie werden sich zu einem anderen Zeitpunkt ruhiger mit der Kollegin austauschen können. Denn die Kinder drängen, umringen das sportliche Idol.

Alle kennen sie Esther Süss. Eines soll ganz stolz erzählt haben: «Ich gehe zu Frau Süss ins TW.» Andere wussten den Namen ihrer eigenen Klassenlehrerin nicht, wohl aber denjenigen der TW-Lehrerin und Olympiadiplomierten. Die meisten haben das Cross-Country-Rennen der Küttigerin am vergangenen Samstag im Fernsehen gesehen.

Nur eine kurze Pause

Ihr erster Schultag, sagt Esther Süss, habe sie nach ihrer Ankunft in der Schweiz am Montagnachmittag schnell in die Realität zurückgeholt. Durchaus im positiven Sinne. Denn das erste, was sie diesen Morgen erblickte, war ein Transparent am Schulhaus Dorf mit Glückwünschen.

Auch wenn sie diese Woche ruhig angehen lassen will und noch kein Trainingsplan vorliegt, die nächsten Rennen sind geplant. In einem knappen Monat findet die Weltmeisterschaft in Saalfelden, Österreich statt. Am nächsten Samstag findet ab 17 Uhr im Bikegeschäft ihres Freundes Erich Birchler ein offizieller, von der Gemeinde Küttigen mitorganisierter, Empfang statt.

Im Geschäft ihres Freundes will Süss zunächst auch das Diplom aufhängen. «Dort», sagt sie, «können es sich alle, die wollen, anschauen.»