Aarau
Herzberg-Siedlung: Dachfenster ja, Parkplatz nein

Der Ensembleschutz für die Herzbergsiedlung im Aarauer Scheibenschachen bleibt ein Streitpunkt. Immerhin zeichnet sich eine «weniger strenge Tendenz» in der Auslegung ab.

Hermann Rauber
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Die Herzbergsiedlung soll intakt bleiben, bauliche Veränderung soll aber trotzdem möglich sein.

Die Herzbergsiedlung soll intakt bleiben, bauliche Veränderung soll aber trotzdem möglich sein.

Toni Widmer

Seit Jahren bemüht sich der Quartierverein Scheibenschachen Aarau um eine Lockerung der restriktiven Richtlinien für den Ensembleschutz in der Herzbergsiedlung. Diese entstand als Arbeiterquartier in den Kriegsjahren 1942 bis 1945 und gilt als historischer Zeitzeuge des sozialen Wohnungsbaus. Die heutigen Eigentümer allerdings haben andere Bedürfnisse als vor 70 Jahren. Ihnen geht es um eine sanfte Weiterentwicklung, vor allem um die Vergrösserung des limitierten Wohnraums. Im Rahmen der angelaufenen Totalrevision der städtischen Bau- und Nutzungsordnung will das Quartier diese Begehren erneut einbringen.

Stadtrat Lukas Pfisterer betonte vor der Quartierversammlung, dass «noch nichts entschieden ist». Er könne also lediglich einen «Werkstattbericht auf Stufe Projekt» vorlegen. Das Bild der Herzbergsiedlung solle demnach grundsätzlich «intakt bleiben und in Ruhe gehalten werden». Allerdings signalisierte der Aarauer Bauminister «in der Tendenz eine weniger streng gehaltene Praxis als heute». Gewisse Neu- und Anbauten sollten künftig «unter Auflagen», die zum Teil auch kantonalem Recht unterliegen, möglich sein. Die Lockerung betreffe zum Beispiel die Masse von Dachflächenfenstern, die Dämmung der Aussenhülle oder die Veränderung von Balkonen.

Nicht infrage gestellt werde aber die bestehende Gebäudehöhe, die mit der Einteilung in die Wohnzone 2 auch künftig gegeben sei. Über andere Vorhaben, zum Beispiel Anbauten auf der Stirnseite oder die Vergrösserung von Fenstern auf der hinteren Gartenfront, könne man laut Pfisterer «diskutieren». Kein Musikgehör hat der Stadtrat offensichtlich bei der Forderung, in den strassenseitigen Vorgärten den Bau von Autoabstellplätzen zu gestatten, ein Streitpunkt, der verschiedene Eigentümer heftig beschäftigt.

«Es geht beim Ensembleschutz um ein Abwägen zwischen Entwickeln und Erhalten», fasste der Stadtrat seine Ausführungen zusammen. Hier allerdings ortete Willy Sprenger eine Diskrepanz bei der «Wertung von privatem Eigentum und öffentlichem Interesse». Pfisterer konterte mit der Behauptung, dass «die Bevölkerung sehr wohl am Gesamtbild der Stadt interessiert ist». Diese Debatte wird auch in die Mitwirkung für die Totalrevision der Bau- und Nutzungsordnung, die nach den Sommerferien beginnen soll, einfliessen. Nägel mit Köpfen muss dann der Einwohnerrat machen, das letzte Wort wird um das Jahr 2018 dann der Souverän haben.