Teilschliessung droht

Herr Stadtrat, haben Sie bei der Kunsteisbahn falsch spekuliert?

Der Kunsteisbahn Aarau droht eine Teilschliessung. Stadtrat Hanspeter Hilfiker gibt Fehler zu und hofft auf Kompromissbereitschaft der Einsprecher.

Herr Hilfiker, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie daran denken, dass die Keba längere Zeit nur noch bis um 16.30 Uhr geöffnet sein kann?

Hanspeter Hilfiker: Das wäre eine ganz schwierige Situation – speziell für alle Vereine. Etwa den Eislauf- und den Hockeyclub. Sie gehören zu den wichtigsten Nutzern, für die wir die Keba renoviert und auf eine neue Basis gestellt haben.

Das Ganze ist ein Debakel. Oder?

Ein Debakel? Es ist ein Problem, von dem wir schon seit längerer Zeit wissen, dass es existiert.

Liegt die Schuld bei den Einsprechern, die auf der Einhaltung der ersten, rechtsgültigen Baubewilligung beharren?

Bei der seinerzeitigen Baueingabe ist ein Fehler passiert. Den kann man nicht wegdiskutieren. Er war ungeschickt – aber das kann passieren.

Konkret?

Statt der Betriebszeiten gab man die Öffnungszeiten für den allgemeinen Eislauf an. Weder das Bauamt der Stadt Aarau noch der Totalunternehmer Priora, aber auch nicht die Gemeinde Suhr als Baubewilligungsbehörde haben die Verwechslung realisiert. Erst der Kanton hat uns 2012 auf diesen Fehler aufmerksam gemacht. Wir gingen nie davon aus, dass die Betriebszeiten der Keba nach der Sanierung eingeschränkt sein würden.

Sie haben das Problem von Ihrem Vorgänger, dem damaligen CVP-Stadtrat Carlo Mettauer, geerbt. Was lief falsch?

Man hat die Baueingabe zu wenig präzise kontrolliert. Im Vorfeld der Sanierung hat die Stadt diverse Gutachten eingeholt. Etwa über Lärm oder Licht. Alle Studien wurden auf der Basis der Betriebszeiten erstellt – und nicht der Öffnungszeiten. Wenn man sich auf Letztere beschränken würde, hätte das eine massive Reduktion der Nutzungsmöglichkeiten der Anlage zur Folge.

Besteht das Problem auch darin, dass heute in den Baubewilligungen extrem viele Details festgeschrieben werden?

Diese Verfahren sind in den letzten fünf Jahren nicht verkompliziert worden. Man müsste es eigentlich wissen – und darum auch kontrollieren.

Hat die Stadt mit den Einsprechern Verhandlungen aufgenommen oder gedenkt sie, das in naher Zukunft zu tun?

Wir stehen seit langem mit ihnen im Kontakt. Wir wurden vom Problem nicht überrascht: Wir gingen davon aus, dass es Einsprachen geben würde, und haben ab 2014 mehrere, gut besuchte Informationsveranstaltungen durchgeführt. Wir haben versucht, den Leuten die Angst zu nehmen.

Aber?

Das Zeitfenster zur Lösung wurde kleiner – wegen der an sich erfreulichen Tatsache, dass die Detailplanung nach dem zweiten Volksentscheid im Herbst 2014 ergab, dass die Bauzeit um ein Jahr verkürzt werden konnte.

Keba Aarau: Behördenschlamperei?

Keba Aarau: Behördenschlamperei?

Seit November ist die neu sanierte Kunsteisbahn Aarau in Betrieb. Wegen einem Planungsfehler drohen der Anlage nun eingeschränkte Öffnungszeiten.

Man kommt nicht um den Eindruck herum, die Verantwortlichen hätten versucht, das Problem auszusitzen. Die Halle wurde eröffnet, als gäbe es die Schwierigkeiten mit den Betriebszeiten nicht. Haben Sie falsch spekuliert, die Hartnäckigkeit der Einsprecher unterschätzt?

Wir wussten von Anfang an, dass wir dieses Problem lösen müssen. Wir haben auch nicht verheimlicht, dass es Einsprachen gab. Wir hofften allerdings, vor der Keba-Eröffnung eine Lösung zu finden.

Obwohl es seit der Baugesuchauflage für die veränderten Öffnungszeiten schon fast ein Jahr her ist, gibt es noch immer keinen erstinstanzlichen Entscheid.

Das stimmt. Wir sind noch im Verfahren. Im letzten Sommer fanden die Einspracheverhandlungen statt.

Auf den Eisfeldern geht die Saison zu Ende, auf dem betroffenen zwei Fussballfeldern (Abendtrainings nur bis 20.30 Uhr) beginnt sie jetzt erst so recht. Ist die aktuelle Lage für die Fussballer noch schwieriger als für
die Hockeyaner?

Das Hauptproblem sind die Öffnungszeiten der Keba. Bei den Fussballfeldern sind die Schwierigkeiten, die Diskrepanzen zwischen den bewilligten und den beantragten Nutzungszeiten nicht so gross. Ich bin zuversichtlich, dass wir da relativ schnell eine Lösung finden werden.

Es droht ein jahrelanger Rechtsstreit auf dem Buckel der Sportler und der Steuerzahler, die die Sportanlagen finanziert haben. Wie könnte der Gordische Knoten durchschlagen werden?

Die Stadt ging immer davon aus, es gebe auf den neuen Anlagen die gleiche Nutzung: Wir haben nicht mehr Klubs, nicht längere Betriebszeiten. Aber wir haben nach der Totalrenovation einen besser abgeschirmten, besser isolierten Raum. Zudem reduziert das neue Garderobengebäude die Emissionen des Ausseneisfeldes. Das bisherige Ausseneisfeld wurde extra stillgelegt und wir haben die Zufahrten so verbessert, dass sie die Anwohner weniger stören. Angesichts all dieser Leistungen hoffen wir schon, dass wir in der nächsten Zeit eine Einigung finden werden und wir diese Anlage so nutzen können, wie wir sie dem Stimmbürger vorgestellt haben.

Man hat den Eindruck, die Stimmung im Quartier rund um das Brügglifeld sei vergiftet.

Es hilft sicher nicht, dass das Fussballstadion immer noch auf dem Brügglifeld ist. Aber das hat mit der Keba direkt nichts zu tun. Das Stadion ist eine andere Baustelle. Wir hoffen, dass wir auch da relativ bald eine Lösung haben werden.

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