Sie heissen Christina und Christian. Sie haben im gleichen Monat Geburtstag. Er wurde vorgestern 69 Jahre alt, sie wird es am 30. September. Sie sind ein Längstzeitpaar, haben zusammen ab der 3. Primarklasse die ganze Ausbildung verbracht. Damals in Meiringen im Berner Oberland. Mit 20 haben sie geheiratet. Das Ehepaar Boss zog zwei Kinder gross. Die beiden Oberentfelder entdeckten spät die Leidenschaft zum Bücherschreiben.

Bücher mit Porträts über bekannte und weniger bekannte Zeitgenossen. Über Stars und Normalos. Und dabei sind sie überdurchschnittlich erfolgreich. Jedes der fünf bisher im Basler Reinhardt-Verlag erschiene Bücher hatte eine Auflage von 3000 Exemplaren. Auch das aktuelle mit dem Titel «Der Doktor und der liebe Gott. Ärzte erzählen aus ihrem Leben». Ein primär religiöses Werk mit hohem Sendungsbewusstsein? Nein, der Titel täuscht. Die Inhalte haben insgesamt wenig mit Religion zu tun – auch wenn der «liebe Gott» da und dort zu Sprache kommt.

Bertram, Doutaz, Keller

Im Buch werden Ärzte wie Thierry Carrel, Fabian Unteregger, Andreas Stettbacher und Beat Villiger vorgestellt. Aber auch lokale Grössen wie der AZ-Kolumnist Felix Bertram, die in Aarau praktizierende Kinderärztin Mélanie Doutaz, der Oberentfelder Hausarzt Reto J. D. Keller. Letzterer hat dem Buch zum Titel verholfen. Denn in seinem Wartezimmer liegt, so das Autorenpaar, «gut sichtbar» eine Bibel. Er sagt: «Für mich ist es ohne Zweifel, dass eine Bibel in einem Wartezimmer sehr ermutigend ist.»

Die Porträts sind eine Kombination von faktenreichem Lauftext und Interviews. Dazu hat es relativ viele Fotos aus verschiedenen Lebensabschnitten des Portraitierten. So sieht man etwa den jungen Felix Bertram, der Schauspieler und Tänzer werden wollte. Man sieht ihn aber auch auf dem Motorrad, mit dem er verunglückte, einen Teil des linken Beins verlor – was ihn zu einer Neuorientierung zwang und schliesslich Arzt werden liess.

Vielseitig engagiert

Ein sehr bewegtes Leben hat auch Christian Boss. 20 Jahre lang war er Stadtverwalter in Rheinfelden, arbeitete dann als BDO-Vizedirektor, ist heute noch mit einem Minipensum Geschäftsführer der Pensionskasse der Reformierten Landeskirche. Zudem seit dieser Woche Statistiker bei den SCL Tigers und schon bald Live-Kommentator bei Teleclub (Fussball, Europa League). Bis Ende 2016 war er nebenamtlich für das SRF tätig, schrieb «Schwinger-Guides». Es folgten die Porträt-Werke wie «Der steile Weg ins Rampenlicht», «Goldenes Eichenlaub», «Politiker und ihr anderes Ich».

Und die nächsten, nach «Der Doktor und der liebe Gott», sind auch schon in der Pipeline: Etwa «Helden der Volksmusik und ihre Lebensspuren» oder «Im Tal der Tränen und das Leben geht weiter».

«Der Doktor und der liebe Gott». Rheinhardt-Verlag. Basel. Fr. 34.80.