Rombach
Heilsarmee-Laden: Nur zwei Drittel der gekauften Ware wurden auch bezahlt

Die Geschichte vom Gärtnereilädeli zeigt: Selbstbedienungsläden haben einen schweren Stand. Nun wird das «Lädeli» noch in diesem oder im kommenden Jahr geschlossen und an der Bibersteinstrasse 4 neu eröffnet.

Josua Bieler
Drucken
Teilen
Gärtner Markus Schweighauser ist frustriert: Spätestens im neuen Jahr werden er und die Betreuten die Blumen nicht mehr an der Bibersteinstrasse 54 giessen.bie

Gärtner Markus Schweighauser ist frustriert: Spätestens im neuen Jahr werden er und die Betreuten die Blumen nicht mehr an der Bibersteinstrasse 54 giessen.bie

Josua Bieler

Gärtner Markus Schweighauser ist enttäuscht: Zwölf Jahre lang hat er sich für den Gärtnereiladen an der Bibersteinstrasse 54 eingesetzt. Das «Lädeli» ist zusammen mit dem «Wörkschop» an der Bibersteinstrasse 4 eine Institution der Heilsarmee für psychisch kranke Menschen und IV-Bezüger. Diese werden betreut und arbeiten entweder im Garten oder in der Werkstatt.

Nun wird das «Lädeli» noch in diesem oder im kommenden Jahr geschlossen und an der Bibersteinstrasse 4 neu eröffnet. Der Grund: Aufwand und Ertrag stimmen nicht mehr überein. «Eine Weiterführung hätte sich nur gelohnt, wenn wir unser Angebot vergrössert und den Laden neu eingerichtet hätten», sagt Schweighauser.

Immer weniger Kunden

Damit geht eine leidige Geschichte zu Ende, die vor zwölf Jahren mit der Eröffnung des Selbstbedienungsladens begann. Zehn Jahre lang konnte man im Gärtnereiladen zu jeder Tages- und Nachtzeit einkaufen – bis im Dezember 2012, als Unbekannte 150 Kilogramm Orangen und Mandarinen klauten.

Die Heilsarmee kontrollierte die Kasse nun regelmässig und stellte bald fest, dass sie viel zu wenig Geld einnahm: «Im Durchschnitt wurden nur zwei Drittel der gekauften Waren bezahlt.» Die Gartenarbeit war deswegen frustrierend: «Die Rechnungen für die eingekauften Produkte konnten wir damals gerade noch bezahlen, aber die Arbeit in unserer Gärtnerei war für nichts.»

Eine Überwachungskamera war für die Verkäufer nie ein Thema. «Erstens erkennt die Kamera nicht, ob und wie viel Geld in die Kasse geworfen wird. Zweitens wäre der Aufwand zu gross, einem gefilmten Dieb auf die Spur zu kommen», erklärt Schweighauser.

Also musste eine andere Lösung her: Der Laden wurde nur noch dann geöffnet, wenn im Garten gearbeitet wurde: Am Wochenende, zur Mittagszeit und nach 16.30 Uhr blieb die Ladentüre geschlossen. Mit dieser Massnahme gingen die Diebstähle zwar markant zurück, dafür büsste der Laden aber massiv an Umsatz ein. «Wir verloren 50 Prozent unserer Kunden», so Schweighauser.

Er bedauert den Umzug und sagt, die Kunden seien nicht nur an die Bibersteinstrasse 54 gekommen, um einzukaufen. Sie hätten auch noch den Garten, den kleinen Zoo oder den Spielplatz besucht, die sich gleich neben dem Lädeli befinden. Am neuen Standort sei es ein Laden wie jeder andere und die Kundschaft sehe nun nicht mehr, dass ein Teil der Produkte direkt vom Garten komme. «Der Umzug ist nicht nur ein persönlicher Verlust, sondern vor allem ein Verlust für alle, die an diesen Ort gekommen sind.»

Café-Eröffnung im August

Immerhin gibt es von der Heilsarmee in Rombach auch noch eine positive Nachricht: Im August wird am gleichen Ort, wo neu das «Lädeli» sein wird, das Café «C’est la vie» eröffnet. «Auf die Idee sind wir nicht selber gekommen, sondern Kunden und Anwohner haben an diesem zentralen Standort ein Café vermisst», sagt Heimleiterin Judith Bourquin. Das neue Café soll auch eine Bereicherung für die Betreuten sein: «Im Café begegnen sie den Anwohnern und merken, dass sie ein wertvolles Mitglied der
Gesellschaft sind.» Die Eröffnung des Cafés eröffnet den Betreuten auch eine völlig neue Arbeitspalette, denn sie werden die Gäste selber bedienen.

«C’est la vie» bietet zwölf Plätze im Innenbereich und 16 Plätze draussen auf dem Vorplatz. Das Angebot wird
bewusst klein gehalten. Heisse und kalte Getränke, Snacks und Gebäck werden mit saisonalen Zusätzen wie Fruchtsäften oder Smoothies ergänzt.