Die Lampe sieht schön und schlicht aus, eine Zürcher Designerin hat sie in Auftrag gegeben. Heidi Hediger montiert die Kabelanschlüsse. Die 56-Jährige aus Aarau Rohr trägt Handschuhe. «Ich weiss ja nicht, wie teuer die Frau die Lampe verkaufen will», sagt Heidi Hediger. Wenn eine fertig ist, kontrolliert Hediger, ob sie leuchtet. «Es ist abwechslungsreich», sagt sie, die Arbeit verleide ihr nicht. Seit fünf Jahren arbeitet sie bei der Trinamo AG.

Die Trinamo AG ist eine sogenannte Sozialfirma. Entstanden aus zwei Vereinen und der Stiftung Stollenwerkstatt, ist Trinamo seit einem Jahr eine AG – als erster Anbieter von Beschäftigungsprogrammen im Aargau. Hier bekommen Sozialhilfebezüger, IV-Rentner, Ausgesteuerte und auch Arbeitslose des RAV eine Tagestruktur – und Arbeit. Dieser sogenannte 2. Arbeitsmarkt wächst. Manche bleiben für immer hier.

Viele erfolglose Bewerbungen

Wahrscheinlich auch Heidi Hediger. Früher hat sie im Baumarkt gearbeitet, war Verkäuferin. Davor in einer Fabrik. Sie hat eine Tochter alleine grossgezogen. Sie hat Kurse gemacht, aber nie eine Lehre. In den Ferien war sie schon lange nicht mehr, Ende Monat rechnet sie aus, wofür das Geld im nächsten reicht.

Als ihr letzter Arbeitgeber sie nach zwei Hüftoperationen nicht mehr brauchen konnte, wurde sie arbeitslos. Vier Ordner seien zu Hause mit Bewerbungen gefüllt, sagt sie. «Alles Absagen. Aber ich probiere es einfach immer wieder und lasse mich nicht unterkriegen.» Dann relativiert sie: «Wer stellt mich jetzt noch ein?»

Wenn doch eine Stelle auftaucht, dann sei sie oft weit weg, oder der Lohn so tief, dass sie sich dafür nicht aufraffen mag. 4000 Franken im Monat möchte sie, das sei doch nicht viel in ihrem Alter. Aber kürzlich habe einer gesagt: «Ich kann Ihnen nur 2800 geben.»

Heidi Hediger wirkt nicht traurig. «Es ist hier wie ein Arbeitsplatz für mich», sagt sie, «ich mache es gerne. Ich bin froh, jeden Tag aufstehen und arbeiten gehen zu können.»

Verständnisvolle Chefs

Ausserdem mag sie ihre beiden Chefs. Sie sind verständnisvoller als ihre früheren, sie bekommt von ihnen mehr Anerkennung und Zeit, als das im 1. Arbeitsmarkt möglich wäre: Fabian Allemann und Samuel Wipf sind Arbeitsagogen. Also solche, die anderen helfen, sich möglichst weit in der Arbeitswelt wieder einzugliedern. «Sie ist trotz körperlicher Leiden eine der Selbstständigsten», sagt Samuel Wipf über Heidi Hediger.

Aber sehr optimistisch sind die Chefs nicht: «Sie war zu lange weg vom Arbeitsmarkt», sagt Fabian Allemann. Für ihr Team hier sei sie allerdings gut, sie fordere andere auch mal auf, vorwärtszumachen. Das Sozialamt bezahlt in Hedigers Fall nur noch einen kleinen, sogenannten «Strukturbeitrag», denn sie ist bei Trinamo fast voll einsetzbar.

Allemann und Wipf führen mit ihrem Team ganz verschiedene Aufträge für Kunden aus. Eine Bedingung ist: Es muss einfache Serienarbeit sein, die kein Fachwissen voraussetzt. Einzelarbeiten, für die lange Einführungen nötig wären, sind nicht machbar.