Oberentfelden
Hausverkauf: Swisscom sucht den neuen Landvogt

Wieso besitzt der Telekomanbieter ein denkmalgeschütztes, baufälliges Haus?

Nadja Rohner
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Untervogthaus an der Suhrerstrasse uw

Untervogthaus an der Suhrerstrasse uw

Ueli Wild

Von aussen ist es nicht gerade ein Bijou. Das Haus an der Suhrerstrasse 16 wirkt mehr oder weniger heruntergekommen: Die verblichenen grünen Fensterläden geschlossen, der weisse Putz teils abgeblättert, auf dem kleinen Vorplatz wuchert das Unkraut. Aber das alte Haus hat es in sich – und nun soll es verkauft werden. Von der Swisscom.

Das macht stutzig: Wie kommt die Swisscom in den Besitz einer alten Wohnliegenschaft in Oberentfelden? Daniela Eugster von der Swisscom Immobilien AG erklärt: «Die Swisscom hat das Haus um 1970 erworben, weil die Baulandreserve hinter der Liegenschaft interessant war. Dort steht nun ein dreistöckiges Betriebsgebäude der Swisscom. In dieser Telefonzentrale laufen alle Festnetzanschlüsse von Oberentfelden und Umgebung zusammen.» Dieses Gebäude bleibt bestehen, weshalb mit einem Teilverkauf nur das alte Haus im Vordergrund einen neuen Besitzer finden soll.

Doch nur von einem alten Haus zu sprechen, tut dem Gebäude unrecht. Es wurde 1778 für den Entfelder Untervogt gebaut, der im Dienste des Vogts auf Schloss Lenzburg stand. Die letzte umfassende Renovation liegt 83 Jahre zurück. 1946 stellte der Kanton die «repräsentative Villa» unter Denkmalschutz: «Zweistöckiges Wohnhaus mit regelmässig verteilten Stichbogenfenstern, geknicktem Satteldach mit Gerschilden, südseitig mit Ründe und geschnitzten Bügen» (Verstrebungen), heisst es auf der Website der Denkmalpflege.

Die Swisscom hatte das Gebäude nach dem Kauf vermietet, bis vor wenigen Jahren wohnte eine Familie auf den 160 Quadratmetern (6,5 Zimmer). Nun steht das Objekt leer. Der Käufer muss für die Liegenschaft inklusive 423 Quadratmeter Grundstück einen Kaufpreis von 500 000 Franken zahlen. Ein Schnäppchen. Aber: Nochmals mindestens eine halbe Million muss in dringende Sanierungen investiert werden. Und da hat die Denkmalpflege ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Das äussere Erscheinungsbild muss erhalten bleiben. Auch im Innern gibt es Tabu-Objekte, die den Charakter der Liegenschaft ausmachen: Die prächtigen alten Holz-Einbauschränke und Stuckaturen zum Beispiel. Relativ frei ist man dafür im Neubau der Küche und der Sanitäranlagen. Der Zonenplan erlaubt, dass das Haus als reines Wohn- oder Gewerbehaus genutzt wird – auch eine Mischnutzung ist möglich.

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