Kanton Aargau

Hauptproblem sind die Finanzen: Das Eidgenössische Turnfest ist ein Risiko

Stark auf den sozialen Medien: Das «Eidgenössische» betreibt auf www.aarau2019.ch auch ein «ETV-TV». Es sind bereits sieben Beiträge aufgeschaltet. Moderatorin ist Dara Masi (25, Virgin Radio Switzerland und AZ-Kolumnistin). Die Sendungen sind durchaus lustig. Selbstverständlich spielen die ETF-Sponsoren darin eine wichtige Rolle (das Auto von Masi heisst «Turni»). In der 6. Folge zeigt Dara Masi den Turnern «mein Aarau» und geht dabei auch auf Tuchfühlung mit Brunnenfiguren.

Stark auf den sozialen Medien: Das «Eidgenössische» betreibt auf www.aarau2019.ch auch ein «ETV-TV». Es sind bereits sieben Beiträge aufgeschaltet. Moderatorin ist Dara Masi (25, Virgin Radio Switzerland und AZ-Kolumnistin). Die Sendungen sind durchaus lustig. Selbstverständlich spielen die ETF-Sponsoren darin eine wichtige Rolle (das Auto von Masi heisst «Turni»). In der 6. Folge zeigt Dara Masi den Turnern «mein Aarau» und geht dabei auch auf Tuchfühlung mit Brunnenfiguren.

In 100 Tagen findet in Aarau der nationale Grossanlass statt. Vieles ist noch Improvisation – im Extremfall stehen Steuergelder auf dem Spiel.

Die Vorfreude auf den grössten Breitensportanlass der Schweiz (13. bis 23. Juni) steigt langsam. Das Wohlwollen den Veranstaltern gegenüber ist gross: Der Rennverein zieht seinen zweiten Renntag vor, die Fussballvereine verzichten vorübergehend auf Spielfelder, alle Baubewilligungen konnten ohne Einsprachen erteilt werden.

Und es gibt Geld: von Gemeinden, Stadt und Kanton. So hat der Einwohnerrat Aarau 666'000 Franken zugesichert (davon 250'000 in bar und der Rest in Form von Sachleistungen). Vom Kanton gibts 750'000 Franken aus dem Swisslos-Sportfonds.

Öffentliche Hand in der Pflicht

Veranstalter des Eidgenössichen Turnfestes 2019 (ETF) ist ein Trägerverein. Mitglieder sind neben dem Kanton und der Stadt diverse kleinere Organisationen, etwa der Bürgerturnverein Aarau. Geleitet wird der Verein von Regierungsrat Alex Hürzeler (Präsident) und Stadtrat Daniel Siegenthaler (Vizepräsident). Es ist klar, dass Kanton und Stadt in der Pflicht wären, sollte mit dem ETF etwas schiefgehen. Es steht also im Extremfall Steuergeld auf dem Spiel.

Ein derartiger Grossanlass ist immer eine Wette auf das Wetter. Von den vier letzten «Eidgenössischen» in Aarau machte einzig das Schwingfest einen Gewinn (250 000 Franken). Die anderen schrieben eine schwarze Null, beim Jodlerfest sah es vorübergehend sogar nach einem happigen Verlust aus (bei einem Budget von 5 Millionen Franken). Bei all diesen Anlässen gab es keine ernsthaften Wetterprobleme.

«Wir sind überall am Sparen»

Das Turnfest hat ein Budget von 20 Millionen Franken. Die Einnahmen setzen sich aus je einem Drittel Teilnehmergebühren (Festkarten), Gastronomie und Eintritte (Besucher) sowie Sponsoringbeiträgen zusammen. Beunruhigend ist, was Stefan Riner am Dienstag auf Tele M1 sagte: «Eine grosse Herausforderung ist das Budget. Wir haben sehr eng budgetiert. Wir sind überall am Kosten Einsparen, am effizienter Arbeiten, damit wir unser Budget einhalten können und am Schluss eine schwarze Null herausbringen.»

Eidgenössisches Turnfest Aarau

Eidgenössisches Turnfest Aarau (Beitrag vom 28. Februar 2019)

Wer im Schachen in Aarau vorbeischaut merkt, dass etwas grosses im Gange ist. Im Juni findet dort das Eidgenössische Turnfest in Aarau statt. Wir haben bei Stefan Riner nachgefragt, wie der Bau vorangeht.

Das ist nicht sehr ambitioniert: Beim letzten Turner-Eidgenössischen 2013 in Biel (in Erinnerung wegen des Sturm-Dramas) wurde ein Festgewinn von 500 000 Franken erwirtschaftet (bei einem Budget von anfänglich 17,5 und letztendlich 20 Millionen Franken).

In Aarau sind die Organisatoren nach wie vor fleissig am Sammeln von Geld. So waren sie an der «Zentrum»-Generalversammlung und suchten etwa Interessenten für das «Warm-up-Dörfli» bei der Schachenhalle. Ein Food-Stand (Typ Weihnachtshüsli) kostet 8000 Franken. Die Preise sind generell hoch, was verschiedene Vereine davon abgehalten hat, sich zu engagieren. Abschreckend wirkte auch die Verpflichtung, gewisse Produkte bei ETF-Sponsoren (etwa Coop) einkaufen zu müssen.

Wie dieser Plan (Stand 20. 2.) zeigt, wird der Aarauer Schachen zwischen der Aare (oben) und der Eisenbahnlinie (unten) für das ETF total überbaut. Die Arbeiten begannen diese Woche mit dem Bau der zweiten Brücke über die Aare. Als Nächstes kommt das Aargauer Haus des Sports (beim Süffelsteg). Es erhält ein öffentliches Restaurant mit 200 Sitzplätzen (geführt vom «Schützen»). Auf diesem Plan hat es nur noch zwei grosse Festzelte (unten rechtes). Im Dezember waren es noch drei (in Baugesuchsunterlagen für die Brücke).

Wie dieser Plan (Stand 20. 2.) zeigt, wird der Aarauer Schachen zwischen der Aare (oben) und der Eisenbahnlinie (unten) für das ETF total überbaut. Die Arbeiten begannen diese Woche mit dem Bau der zweiten Brücke über die Aare. Als Nächstes kommt das Aargauer Haus des Sports (beim Süffelsteg). Es erhält ein öffentliches Restaurant mit 200 Sitzplätzen (geführt vom «Schützen»). Auf diesem Plan hat es nur noch zwei grosse Festzelte (unten rechtes). Im Dezember waren es noch drei (in Baugesuchsunterlagen für die Brücke).

Nicht ganz 70'000 Turner

Für die Finanzen eine Rolle spielt der Verkauf der Festkarten, der am Donnerstag abgeschlossen wurde. Es gibt drei Kategorien: Aktive 160 Franken, Jugend und PLUSport 60 Franken sowie Supporter (Begleiter) 65 Franken. Das heisst: 1000 Aktive zusätzlich bedeuten 160'000 Franken Mehreinnahmen.

Die ETF-Exponenten hatten stets erklärt, sie würden 70'000 Turner erwarten. Anfang Woche hatten sie gemäss Stefan Riner 40 000 Karten für Aktive, 21'000 für Junge (budgetiert waren 20'000) und 3000 für Supporter verkauft. Also alles in allem 65'000. Möglicherweise werden am Montag, wenn es exakt noch 100 Tage bis zum Festbeginn sind, die genauen Zahlen publiziert werden.

«Eine grosse Herausforderung ist das Budget», sagte ETF-Geschäftsführer Stefan Riner im Tele M1-Interview. Der 39-Jährige stammt aus einer Schofiser Turnerfamilie und wohnt heute in Rupperswil. Nach 16 Jahren bei der Kantonspolizei studierte er Kommunikation und erhielt noch während der Ausbildung den ETF-Job.

«Eine grosse Herausforderung ist das Budget», sagte ETF-Geschäftsführer Stefan Riner im Tele M1-Interview. Der 39-Jährige stammt aus einer Schofiser Turnerfamilie und wohnt heute in Rupperswil. Nach 16 Jahren bei der Kantonspolizei studierte er Kommunikation und erhielt noch während der Ausbildung den ETF-Job.

95'000 Besucher am 2. Samstag

Nicht ganz unwichtig ist der finanzielle Ausgang des ETF für die freiwilligen Helfer: Wenn es gut läuft, bekommen sie als Entschädigung 8 Franken pro Stunde. Im gegenteiligen Fall gibt es nur 5 Franken. Fest steht: Das «Eidgenössische» benötigt 8000 Helfer. Etwas unklar ist, wie viele davon bereits rekrutiert sind. Die Aussagen der Verantwortlichen variieren zwischen 4000 (also der Hälfte) und «deutlich über der Hälfte».

Das «Eidgenössische» beginnt jeweils am Donnerstag (Montag bis Mittwoch keine Veranstaltungen). Am zweiten Wochenende wird es deutlich mehr Teilnehmer und Besucher im Aarau haben. Am meisten werden es am Samstag, 22. Juni, sein: Dann findet der Festumzug statt (ab 10.30 Uhr). Die Schlussfeier ist am Sonntag auf dem Brügglifeld (ab 11 Uhr).

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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