Gränichen

Hangrutsch, meterlange Risse, Einsturzgefahr: Das Schicksal des Hauses ist endlich besiegelt

Lange hat das Ringen um das nach einem Hangrutsch einsturzgefährdete Haus gedauert. Mehr als ein Jahr nach der Schreckensnacht soll die Geschichte nun endlich ein Ende haben.

Um das Haus in der Burghalde stehen hohe Zäune. Der Zutritt ist verboten, das Haus ist einsturzgefährdet. Durch die Fassade ziehen sich tiefe Risse. Und doch sagt der Mann, der in diesem Haus sein ganzes Leben verbracht hat, es sei ihm endlich wieder wohl. Er hat mit der leidigen Geschichte um den Hangrutsch, der sein Haus unbewohnbar gemacht hat, und dem ganzen darauffolgenden Theater abgeschlossen. «Ich habe das Haus vor zwei Wochen verkauft.»

Rückblende: Es passierte an Ostern 2015, nach tagelangen Regenfällen, mitten in der Nacht. «Ich bin aufgewacht vom Knirschen und Knallen», erinnerte sich der damals 79-jährige Bewohner ein paar Tage nach dem Vorfall, unten in der Waschküche, wo die Risse zentimeterbreit im Boden klafften.

Durch das Mauerwerk zogen sich meterlange Risse, die Bodenplatten waren aufgeworfen, die Fenster in der Stube liessen sich nicht mehr öffnen. Betroffen war auch die Liegenschaft der Nachbarn; hier hatte der Hangrutsch die Säulen unter dem Wintergarten gesprengt und die Treppe abgerissen.

Versicherung zahlte Wohnung

Den Hangrutsch ausgelöst hatten die Aushubarbeiten im Apfelhain, der Überbauung mit fünf Mehrfamilienhäuser am Fuss der Burghalde. Trotz Warnungen vor dem instabilen Boden aus der Anwohnerschaft hatte man darauf verzichtet, den Hang vor diesen Arbeiten zu sichern.

Kurz nach dem Vorfall noch sprach der Bauleiter von «Haarrissen». Ein Umstand, der den Hausbesitzer auf die Palme brachte – und dazu, öffentlich über den Vorfall zu reden und sein Haus zu zeigen. Bereits unmittelbar nach der verhängnisvollen Nacht verbrachte der Geschädigte die Nächte auswärts. Zu unsicher war ihm die Sache, manchmal hörte er es knirschen in den Wänden. Er liess das Haus räumen und kappte die Anschlüsse an Strom und Wasser.

Es war schliesslich die Versicherung des Generalunternehmers, der die Siedlung gebaut hat, die für den Geschädigten die Miete für die Wohnung im Dorf übernahm. Gleichzeitig wurde ein Fachgutachten in Auftrag gegeben, das die Verantwortung für den Hangrutsch klären sollte.

Gemeinde hat interveniert

Für den Hausbesitzer war klar: Die Bauherrschaft oder der Generalunternehmer müssen sein Haus samt Grundstück kaufen. Und zwar zu einem Preis, der sich auf den früheren, unversehrten Zustand des Hauses bezieht. «Ich habe die gute Hoffnung, dass der Verkauf klappt», sagte der Mann im Sommer 2015. Doch es kam anders.

«Die Baufirma hat mir zwei Mal versprochen, dass sie das Haus kaufen», sagt der Mann heute. Mit fadenscheinigen Ausreden habe sie beide Male wieder abgesagt. Doch der Geschädigte kann trotzdem aufatmen, er konnte das Land samt Ruine selber verkaufen. Zusammen mit der Leistung aus der Haftpflichtversicherung sei er zu einem zufriedenstellenden Endergebnis gekommen, sagt er.

Ist denn nun klar, wer für den Vorfall haftet, die Bauherrschaft, der Bauleiter oder die Generalunternehmung? «Zum Inhalt des Fachgutachtens können wir nichts sagen, es wurde Stillschweigen darüber vereinbart», sagt der Gränicher Bauverwalter Franz von Matt. Auch er kenne den Wortlaut nicht im Detail.

Er wisse nur, dass die Versicherung nicht nur die Wertminderung des Hauses abgegolten hat, sondern auch den Abriss und die Sicherungsmassnahmen, die nötig sind, um auf dem Grundstück wieder zu bauen, sowie die Maklerkosten.

Er sei froh, dass die Geschichte nun endlich ein Ende nehme, sagt von Matt. «Lange Monate war es ein Trauerspiel. Aber jetzt wurde eine gute Lösung gefunden.» Das Gleiche gelte übrigens auch für die Nachbarliegenschaft, so von Matt, auch hier seien die Schäden abgegolten worden.

Hang noch immer überwacht

Der neue Grundbesitzer muss das Haus abreissen lassen. Bis etwas Neues gebaut werden kann, muss er sich aber noch gedulden. Der ehemalige Hausbesitzer sagt, gemäss den Geologen könne man auf dem Grundstück durchaus wieder bauen. «Aber man müsse noch gut zwei Jahre warten, bis sich der Boden wieder gesetzt hat.»

Noch immer werde der Hang überwacht, bis vor kurzem habe er sich um zwei Millimeter pro Monat bewegt. Gemäss Bauverwalter von Matt sagt der Fachgutachter, dass der Hang nun nach Abschluss der Bauarbeiten und dank der Hinterfüllungen zur Ruhe kommen wird.

Eine künftige leichte Verschiebung kann aber nicht ausgeschlossen werden, bedingt durch die geologischen Bodenverhältnisse. «Wenn gebaut wird, muss die Bodenplatte deshalb erst wie ein Nagelbett mit dem Boden verzahnt werden», so von Matt.

Und wie geht es dem Geschädigten mit dem Gedanken daran, dass sein Elternhaus abgerissen wird? «Ich habe mich daran gewöhnt», sagt er. Und er wolle jetzt nach vorne schauen, mit der Geschichte abschliessen. Er habe in der Wohnung im Dorfzentrum ein neues Daheim gefunden. «Ich fühle mich hier wohl.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1