Seit Jahren erleben die Pfadiabteilungen im Aargau einen Aufschwung. Im März 2018 zählte die Pfadi kantonsweit 2352 Mitglieder – über 300 mehr als vor fünf Jahren. Damit bleiben die Spitzenzahlen aus den 1990er-Jahren zwar unerreicht, doch es ist klar: Die Pfadi ist wieder im Trend. Die Abteilungen in der Region Aarau, Lenzburg, Wynental und Suhrental sind da voll mit dabei. Sie haben deutlich über 150 Kinder dazugewonnen. Was sind die Gründe für das Pfadi-Revival, und was bedeutet das Wachstum für die Abteilungen?

«Handy hat da nichts verloren»

Kaum mehr handyfreie Räume: Das ist in der heutigen Zeit eine Realität. Dagegen wehrt sich die Pfadi – mit Erfolg: «In unseren Lagern und an den Samstagsaktivitäten haben Handys nichts verloren», sagt Isabelle Doswald, Abteilungsleiterin der Pfadi Schöftle. Dabei stosse man auf keinen Widerstand. «Den meisten Kindern macht es Spass, dass sie noch so ‹veraltete› Sachen wie Morsen und Kompasslesen lernen.» Seit 2014 hat sich die Mitgliederzahl der Pfadi Schöftle fast verdreifacht: Damals waren es 34 Mitglieder, heute 95. «Das freut uns sehr, doch wir müssen viele Strukturen neu erfinden», so Doswald.

Bei der Pfadi Gofers Lenzburg gibt das Handy immer wieder Anlass zu Diskussionen. Das Handy darf zwar dabei sein, aber nicht gebraucht werden. «In der Regel klappt das gut. Einzelne müssen wir aber mehrmals ermahnen, schlimmstenfalls ziehen wir das Handy ein», sagt Claude Stoller, Co-Abteilungsleiter der Pfadi Gofers. Die Lenzburger Pfadi hat rund 130 Mitglieder, das ist der höchste Stand in den letzten zehn Jahren. Als Folge müssen grössere und teurere Lagerhäuser gemietet und zusätzliche Zelte angeschafft werden. «Bisher konnten wir den Zuwachs aber gut auffangen, da wir einen relativ grossen Leiterpool haben», erklärt Stoller.

70 Prozent mehr Mitglieder

Einen grossen Ansturm erleben auch die beiden Aarauer Pfadi-Abteilungen: Die Pfadi Adler Aarau zählte 2014 noch 103 Mitglieder, jetzt sind es 176. Das ist ein Zuwachs von 70 Prozent innerhalb von vier Jahren. Co-Abteilungsleiterin Melina Germann sieht die Gründe im engagierten Leiterteam und im seit 2014 stattfindenden nationalen Pfaditag.

Dessen Wichtigkeit betont auch Patrick Eisenring von der Pfadi St. Georg Aarau: «Der Pfadischnuppertag hat eine grosse Auswirkung. Bei uns nehmen jährlich etwa 30 Kinder teil, von denen viele in der nächsten Woche gleich wieder kommen.» Die Pfadi St. Georg hat innert zweier Jahre 34 Kinder hinzugewonnen und hat aktuell 147 Mitglieder. «Momentan erleben wir einen starken Aufwärtstrend», stellt Eisenring fest. Er glaubt allerdings nicht, dass dies mit der Pfadi als handyfreiem Raum zusammenhängt: «Bei uns ist das Handy nicht grundsätzlich verboten, aber wir schauen natürlich schon, dass die Kinder nicht am Gamen sind.»

Einzig die Pfadi Rymenzburg im oberen Wynental wurde (noch) nicht vom Boom erfasst: Hier ist die Mitgliederzahl seit 2016 von 128 auf 122 gesunken.